Warum aktiv‚ wenn es das Musicbook 55 von Lindemann gibt? Ein Plädoyer für eine großartige Passiv-Alternative.

Norbert Lindemann hatte offensichtlich Spaß. Ausgerechnet auf einer HiFi-Messe‚ mit wechselndem Publikum und neugierigen Journalisten im Raum. Warum? Weil seine hier aufgebaute Kette – schnucklige Musicbook-Komponenten und ein Pärchen Manger P1 – einfach sensationell gut aufspielte. Das war nicht nur zu hören‚ sondern spiegelte sich auch im Auftritt des normalerweise sehr zurückhaltend und ernsthaft wirkenden Chefentwicklers wider. Und wie sehr er doch Recht hatte‚ seinen Spaß an der Performance auch ein bisschen zu zeigen. Allerdings war es bereits das zweite Mal‚ dass mich Lindemanns brandneue Endstufe (damals noch in der Nullserie) an den Manger P1 zum Verweilen und – gleich nochmal: auf einer HiFi-Messe! – zum Wiederkommen bewegte. Spätestens jetzt war klar: Genau diese Kette will ich bei mir zu Hause und im Redaktionshörraum hören und ausführlich mit meiner Musik füttern.
Lindemann Musicbook uns Manger P1Kaum hatte ich mich darüber mit Stefan Gawlick ausgetauscht‚ war ebenfalls klar‚ dass es dabei kaum bleiben konnte. Zu groß war auch SGs Interesse an der neuen „großen”‚ gegenüber der 50er erheblich erstarkten‚ optisch vom Schwestermodell nicht zu unterscheidenden 55er-Endstufe und den sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Und auch die unscheinbare USB-DAC-Vorstufe musste zu SG mitreisen. Denn obwohl Musicbook 15 (als Musicbook 10 auch ohne CD-Laufwerk zu haben) in der Lindemann-Nomenklatura unterhalb der 25 (respektive 20) rangiert‚ ist sie die eigentlich audiophilere Lösung. Weil sie auf alle häufig misstrauisch beäugten Features wie Streaming und direkte Internetanbindung verzichtet und ganz und gar auf die perfekte Datenwandlung von USB-Datenlieferanten optimiert wurde. Dass die analoge Abteilung auf ebenso hohem Niveau anzusiedeln ist‚ versteht sich bei Lindemann irgendwie von selbst. Und wo doch auch sämtliche Kabel – wirklich alle‚ von USB- und Netzstrippe über XLR-Verbinder und Lautsprecherkabel bis hin zur Netzleiste – schon mit dabei waren, mussten auch die Manger P1 beim Kollegen Gawlick mit von der Partie sein.
Die überaus sensitive‚ grandios durchhörbare Manger P1 vereinigt zwei Treibereinheiten‚ die sich klanglich wunderbar ergänzen‚ sofern die ansteuernden Endstufen genug Power und Kontrolle bereitstellen. Das wiederum ist keine ganz leichte Aufgabe‚ denn Mangerwandler und konventioneller Tieftöner stellen in puncto elektrische Parameter und Eigenschaften durchaus unterschiedliche Anforderungen an den Leistungslieferanten.


Wie geschaffen für Lindemanns Musicbook 55‚ das sich per Mini-Drehschalter von normalem Stereo- auf Doppelmono-Betrieb schalten lässt. Zwei Exemplare im Doppelmono-Betrieb erlauben also vertikales Bi-Amping. Und so ein 55er-Duo führt dann jedes Chassis individuell an der ganz kurzen Leine. Damit klingt Mangers P1‚ obwohl (noch) keinerlei Entzerrung angewendet wird‚ im Prinzip schon sehr ähnlich wie das aktive Schwestermodell S1. Mit externen Endstufen bleibt zwar auch der Spaß am „Selberaussuchen” prinzipiell erhalten‚ aber‚ nein‚ mir fällt selbst nach längerem Nachdenken derzeit keine wirklich bessere Verstärkerlösung für die passive Manger ein als Lindemanns Musicbook 55 im Bi-Amping-Doppelpack. Zumindest nicht in einem irgendwie noch adäquaten Preisrahmen.
Kurzum: Die 55er ist nicht nur elegant und preisgünstig‚ sondern bietet diese sensationell unspektakuläre Performance‚ die so prima zur Manger P1 passt. Diese Kombination benimmt sich klanglich schon fast wie die ganz Großen: souverän‚ selbstsicher‚ angstfrei‚ locker‚ offen in alle anderen Dimensionen hinausspielend. Tatsächlich wirkt diese Kette insgesamt so gut und schlüssig auf mich‚ dass ich den prinzipbedingt fehlenden Tiefstbass immer erst viel‚ viel später‚ manchmal auch gar nicht registriere. (Aber was spricht eigentlich dagegen‚ liebe Daniela Manger‚ über ein spürbar größeres Modell mit entsprechender Tieftonbestückung nachzudenken? Es müssen ja keineswegs Fünfzehnzöller sein, wie Kollege SG vermuten würde. Dann bemühe ich auch gern vier 55er in gebrücktem Mono …)
Wie auch immer: Das ganz erstaunliche Musicbook 55 von Lindemann taugt bereits im normalen Stereomodus als echtes Allzweckwerkzeug‚ gewinnt aber im Doppelpack als Bi-Amping-Dompteur nochmals enorm an Statur. Das wird ganz besonders deutlich im Team mit der Manger P1.

 

Manger Audio
Hendunger Strasse 53
97638 Mellrichstadt

www.mangeraudio.com

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