Burmester BA 31

Test: Burmester Ambience BA 31

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Burmester Ambience BA 31 – Think big

Mit einem rückseitig angeordneten Hochtöner will die Burmester Ambience BA 31 der Musik mehr Raum geben – aber nicht nur deshalb will man sie haben.

Was Nachrufe angeht, bin ich recht unbeholfen – musste ich doch noch nie einen verfassen. Auch diesmal wird es kein echter, doch bevor ich mit dem eigentlichen Thema, der Burmester Ambience BA 31, beginne, möchte ich noch ein paar persönliche Worte zum Tode Dieter Burmesters äußern – der noch lebte, als ich den Auftrag für diesen Test erhielt.

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Als ich meine Laufbahn als HiFi-Redakteur im Jahre 1991 bei der Stereoplay begann, galt einer meiner ersten Tests der damals brandneuen Concerto-Serie, die aus Vorstufe, Tuner und Endverstärker bestand. Natürlich gab es dazu einiges zu sagen, wozu Dieter Burmester eigens nach Stuttgart reiste. An einem späten Freitagnachmittag, als das Redaktionsgebäude bereits ziemlich leergefegt war, verlegten wir unser Gespräch in einen nahegelegenen, noch ruhigen Musikclub. Beim Bier plauderten wir über die Concerto-Komponenten und analog kontra digital, aber auch über „Eingemachtes“ wie integrierte Operationsverstärker. Später ging es dann allerdings nur noch um Musik. Nach einigen launigen Stunden Tech- und Music-Talk brachen wir ab, weil Burmester noch zum Segelwochenende nach Fehmarn fahren wollte. Was mich spontan an ihm faszinierte, war, dass er ganz und gar nicht zu den – in der HiFi-Branche häufig anzutreffenden – autistisch anmutenden Skeptikernaturen gehörte: Burmester machte einfach sein Ding, authentisch und leidenschaftlich, ohne auch nur ansatzweise herablassend mit mir als Jungredakteur umzuspringen.

Etliche Jahre später geriet ich, selbstverständlich unverschuldet, in eine heftige Auseinandersetzung mit meinem damaligen Chefredakteur. Anlass dafür war, dass ich meine Kompetenzen in Sachen Titelstory seiner Ansicht nach deutlich überschritten hätte. Wie üblich machte das in entsprechenden Kreisen schnell die Runde, was aber nicht zur Deeskalation beitrug. Unter dem Vorwand, mir seine neue Vollverstärker/CD-Player-Kombi 991/992 aus der Rondo-Familie vorzustellen, lud mich Dieter Burmester daraufhin nach Berlin ein: Natürlich ging es dabei auch um das Rondo-Gespann, darüber hinaus fielen während dieses Treffens aber einige sehr offene Worte zu Befindlichkeiten in der Branche, die auch mein aktuelles Problem unmittelbar betrafen. Anschließend präsentierte mir Dieter Burmester zu Hause in seiner Wohnung sein E-Gitarren-Setup – und wieder ging es nur um Musik. Es wurde so unterhaltsam, dass er mich schlussendlich in seiner Jaguar-Limousine direkt zum Flughafen Tegel fuhr, weil ich meinen Flug mit öffentlichen Verkehrsmitteln wohl nicht mehr erreicht hätte. Und was meine innerredaktionellen Querelen betraf, bekam ich von Dieter Burmester offensichtlich Flankenschutz – vom nächsten Tag an war die Sache jedenfalls „vom Tisch“. Vielleicht verstehen Sie jetzt, warum ich es zutiefst bedaure, dass Dieter Burmester nicht mehr unter uns weilt?

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Eines der wesentlichen Erfolgsrezepte von Burmester-Produkten war und ist, dass sie stets beste Klangeigenschaften mit anspruchsvollem Design verbinden. Da macht auch die Ambience BA 31 keine Ausnahme: Die mit entkoppelten Alufronten in drei unterschiedlichen Farben lieferbare Säule besticht durch raffiniertes, aber keinesfalls protziges Styling. Optisch „parkettfest“, fühlt sie sich in angemessenem Ambiente wie aus einem Lifestyle-Magazin mit ausgesuchten Möbeln und kostbaren Gemälden besonders passend aufgehoben. Angesichts dessen und obwohl sie keineswegs verheimlicht, ein Lautsprecher zu sein, mag man über so profane Dinge wie Chassisbestückung eigentlich gar nicht reden. Doch da gibt es durchaus einige erwähnenswerte Besonderheiten: Zunächst natürlich der rückseitige AMT-Hochtöner (Air-Motion-Transformer), aus dem sich die Zahlenkombination im Namen der Ambience BA 31 ableitet (drei Chassis vorne, eines hinten). Die Lösung mit dem hinten angeordneten Zweithochtöner hat akustisch Hand und Fuß und dient keineswegs zur künstlichen Aufblähung des Räumlichkeitseindrucks. Im Idealfall kann der hintere AMT nämlich den durch einen in den Höhen überdämpften Raum oder die Bündelungseffekte des vorderen AMT bedingten Energiemangel in den obersten Lagen ausgleichen. Selbstverständlich stimmt die Technik auch bei den tiefen Frequenzen: Unterfüttert werden die von starken Neodymmagneten angetriebenen AMT-Folienhochtöner von einem Tief- sowie einem Tiefmitteltöner mit 17-cm-Glasfaser/Papier-Membran. Im Bassbereich bis 400 Hertz schwingen beide Chassis gemeinsam, sodass sich ihre Membranfläche addiert. Das sorgt für Pegelfestigkeit auch dann, wenn bei tiefen Frequenzen viel Luft zu bewegen ist. Im Mittelband hingegen strahlt nur noch der obere Tiefmitteltöner Schall ab, was den dort zunehmenden Bündelungseffekten entgegenwirkt. Es handelt sich also um eine Zweieinhalbwege-Konstruktion mit Bassreflex-Abstimmung. Dabei ist das Reflexrohr aber nicht einfach nur ins Gehäuse eingesteckt, sondern an beiden Enden mit Dämmwolle umwickelt, um klangliche Verfärbungen auszuschließen.

Burmester pflegt seit jeher die Tradition einer möglichst großen Fertigungstiefe. Selbst Bauteile wie die Frequenzweiche der Ambience BA 31 werden im Haus bestückt und im Lötbad fixiert. Interne Verkabelungen bestehen aus dem gleichen Kabelmaterial, das auch als Lautsprecherleitung im Zubehörprogramm erhältlich ist. Oberstes Ziel ist kompromisslose Qualität. Nur durch Hochhalten der Fertigungstiefe kann Burmester ein Maximum an Kontrolle über die Fertigungspräzision behalten. Erheblichen Aufwand betreiben die Berliner auch in puncto Selektion wichtiger Bauteile. So werden die Lautsprecherchassis zunächst sieben Tage lang ununterbrochen belastet, bevor sie gemessen und paarweise selektiert werden. Das kommt der Serienkonstanz und damit der Langzeitqualität zugute, außerdem müssen die Boxen nicht wie üblich viele Stunden lang eingespielt werden. Und sollte nach Jahren wirklich einmal ein Chassis ausfallen, kann Burmester anhand der Seriennummer und der darunter archivierten Messwerte perfekt passenden Ersatz bereitstellen.

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Nach so viel Technik ist es jetzt aber höchste Zeit für Musik. Bereits von den ersten Takten an empfand ich den Klang der Ambience BA 31 trotz ihrer unglaublich schönen Klangfarben als angenehm verfärbungsfrei. Noch bemerkenswerter allerdings ist ihre sagenhafte Homogenität im Klangbild: Sie klingt nicht nur tonal sehr geschlossen, sondern auch zeitlich. Keines der Chassis spielt sich in den Vordergrund, alle Frequenzen kommen genau im richtigen Moment, zum perfekten Zeitpunkt. Die Burmester ist kein Lautsprecher, der bewusst dahingehend ausgelegt ist, Aufmerksamkeit zu erheischen; bei ihr springt nicht irgendein Frequenzband keck ins Ohr und lenkt den Zuhörer vom großen Ganzen ab. So staffelt sie denn auch in räumlicher Hinsicht eher in die Tiefe, statt auf den Hörer zuzugehen, was von ausgewogenem Abstrahlverhalten zeugt. Diese stimmige innere Balance der Ambience BA 31 macht jede Art von Musik genießbar, auch wenn die Aufnahme nicht ganz perfekt sein sollte. Und das ist vollkommen in Ordnung: Eine ausgeglichene klangliche Abstimmung kippt halt nicht sofort um, wenn die Aufnahme ein paar Mängel zeigt. Dass die BA 31 darüber hinaus sehr natürlich klingt, fördert das Langzeit-Hörvergnügen zusätzlich.

Bemerkenswert auch ihre fantastische Leuchtkraft – E-Piano-Läufe wie bei „Keeping Up with our Jones’s“ von Gareth Williams perlten, dass es eine Freude war. Packend auch das kompakte, völlig dröhnfreie Klangvolumen, das die Berlinerin im Tief- und Grundtonbereich entwickeln konnte – etwa beim druckvollen E-Bass von Hellmut Hattler in „Fine Days“ oder bei der wirklich körperhaften Gitarre von Christina Sandsengen in „Asturias“ (Suite española). Dennoch ist sie keine Schönfärberin, die alles in einen romantischen Schleier hüllt – beispielsweise klang das Klavier auf Anroozha Vol. 2 von Farid Farjad authentisch stählern, während Farjads Geige wunderbar volltönend das musikalische Geschehen bestimmte. Auch arbeitete die Ambience BA 31 die unterschiedlichen Hallräume von Klavier und Violine besonders deutlich heraus. Insbesondere zeigt die Berlinerin sehr gutes räumliches Differenzierungsvermögen: Der Effekt des rückwärtigen Hochtöners äußert sich dabei eher unterschwellig wahrnehmbar als vordergründig unvermittelt, also keineswegs so dominant, wie man befürchten könnte. Und genau so muss es sein, ließ sich doch mit dem dazugehörigen Pegelsteller Streichinstrumenten tatsächlich mehr Atem einhauchen, ohne das Klangbild dabei künstlich aufzuhellen. Auf jeden Fall lohnt es sich, eine zweite Person mit dem Einstellen des geschmeidig laufenden Lautstärkereglers zu beauftragen: Am Hörplatz fällt es leichter, die richtige Position „herauszuhören“.

In Sachen Grobdynamik ist bei der Ambience BA 31 auch alles bestens – sie ist zwar nicht die absolute Tiefstbass-Partylöwin, aber zum Erreichen werkgetreuer Lautstärke reicht es allemal. Auch große, tief reichende Piano-Einlagen meistert sie ohne Probleme. Alles in allem ist die Ambience BA 31 ein perfekter Lautsprecher für anspruchsvolle Hörer, die Musik mit all ihrer Farbenpracht, Leuchtkraft und Dynamik genießen wollen. Darüber hinaus bietet sie eine sehr schöne Räumlichkeit, die aber keineswegs übergriffig wirkt, sondern einfach den Raum vor dem Zuhörer mit Musik erfüllt. Die BA 31 ist ein begeisternder Lautsprecher – egal, welche Art von Musik man ihr anvertraut: Momentan zähle ich sie zu den stimmigsten mir bekannten Lautsprechern.

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Dieter Burmesters „Spirit“ wird in klanglich wie optisch superben Produkten, die vielen Menschen große Freude bereiten, weiterleben. Produkten wie der Ambience BA 31, die ich uneingeschränkt empfehlen kann.

Burmester Ambience BA 31
Funktionsprinzip: 2,5-Wege-Standlautsprecher, Bassreflex
Wirkungsgrad: 87 dB/W/m
Frequenzbereich: 38 – 45000 Hz
Trennfrequenzen: 400 Hz, 3 kHz
Impedanz: 4 Ω
Maße (B/H/T): 25,3/105/37,5 cm
Gewicht: 40,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre, bei Registrierung Verlängerung auf 5 Jahre
Preis: 17 800 €
Burmester Audiosysteme GmbH
Wilhelm-Kabus-Straße 47, 10829 Berlin
Telefon 030 7879680

www.burmester.de

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Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 22 (6/2015)

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