Test: Audio Exklusiv P2 Phonovorverstärker – Exklusive Flexibilität inklusive

 

Diese gewichtige Phonostufe ist „handmade in Germany“ und extrem flexibel: Vinylfans können praktisch jeden Tonabnehmer perfekt anpassen, Designfans hingegen werden aufgeregt in ihrem riesigen Kleiderschrank wühlen, denn dort warten nicht weniger als 140 Kombinationen auf die richtige Gelegenheit …

„Lies doch mal die Bedienungsanleitung!“ – Diese Bemerkung eines Chefredakteurs gegenüber einem freien Autor könnte man als glatte Beleidigung auffassen, wenn man sie ohne Kontext einfach so stehen ließe.

Okay, niemand liest gerne freiwillig Bedienungsanleitungen. Doch im konkreten Fall berichtete Cai Brockmann von einem audiophilen Feature der Audio Exklusiv P2. Die Phono-Vorstufe, so lobte CB, zeige die korrekte Netzphase auf der Rückseite eindeutig an. Er könne sich nur nicht mehr erinnern, ob die entsprechende LED dazu nun leuchten müsse oder eben nicht. Also empfahl er mir ebenso schlicht wie unverblümt die Lektüre der Bedienungsanleitung … Angesichts dieser völligen Selbstverständlichkeit bekam ich einen kurzen, aber heftigen Lachanfall, und selbst CB musste hörbar grinsen.

Immerhin: Es stellte sich dann doch als gute Idee heraus, die Bedienungsanleitung der P2 etwas genauer zu studieren; die deutschsprachige Anleitung erwies sich nämlich als außergewöhnlich hilfreich.

 

Exklusiver Geschmack

Zunächst zu den Äußerlichkeiten. Die P2 ist, wenn ich mich nicht verzählt habe, in 140 Designkombinationen lieferbar, die sich aus der individuellen Wahl von Bedienungselementen, Beschriftung und Frontplatte ergeben. Da dürfte wohl jeder High-End-Fan seinen persönlichen Favoriten finden. Zugleich ist aber auch die Chance recht groß, dass eine bestimmte Design-Kombination nicht ganz den Geschmack eines keuchenden Testers (die P2 wiegt satte 16 Kilo!) trifft. Daher erlaube ich mir, das Design der mir zur Verfügung gestellten Version etwas gewöhnungsbedürftig zu finden, eigentlich sogar unpraktisch. Denn die im konkreten Fall silberfarbene Schrift über den sechs verchromten Drehknöpfen ist zwar schick, lässt sich aber auf der Frontplatte aus grauem Granit nur schwer erkennen. So verwechsle ich beispielsweise in den ersten Tagen den Ein/Aus- mit dem Mute-Schalter, bis ich’s mir dann endlich merke.

Chrom und Silber hin, Marmor her – lassen Sie sich nicht vom äußeren Erscheinungsbild blenden. Denn wie sich bei sorgfältigem Hören rasch herausstellt, ist die Audio Exklusiv P2 alles andere als ein Blender: Unter der schweren Haube, hinter dem dicken Marmor steckt ein Könner. Die Konstrukteure des P2 verstehen was von Technik – und von Musik!

 

Exklusive Vielfalt

Praktisch jeder Parameter, der für die Musikwiedergabe von Schallplatte von Bedeutung ist, kann an der P2 variiert werden. Und das Beste daran: Alles lässt sich bequem von vorne einstellen. Deshalb trumpft die Frontplatte mit sechs Drehschaltern auf. Sie verwalten von links nach rechts den Netzstrom, die Eingangskapazität für Moving-Magnet-Systeme (50, 100 und 150 pF), den MM- beziehungsweise MC-Eingang, den Verstärkungsfaktor für Moving-Coil-Systeme, die MC-Eingangsimpedanz (100, 250, 500, 825, 1000 und 47000 Ohm) sowie eine Stummschaltung. Statt der Mute-Funktion hätte ich persönlich zwar lieber einen Mono-Schalter gesehen, aber sei’s drum. Auf der Front ist alles paletti. Hinten übrigens auch. Sollte wirklich jemand sein MC-System noch genauer anpassen wollen, für den gibt es parallel zum MC-Eingang zwei Cinchbuchsen mit der Aufschrift „MC-Load“. Hier können vorbereitete Cinchstecker mit passenden Widerständen eingesteckt werden. Und wie man die entsprechenden Werte berechnet, wird in der Bedienungsanleitung erklärt. Die Erläuterung dieses Verfahrens kann ich mir an dieser Stelle nicht zuletzt deshalb ersparen, weil ich bei den von mir verwendeten MC-Systemen (Ortofon MC30 Super II Classic und EMT JSD-6G) keinen Grund zur Vermutung habe, dass die zur Verfügung gestellten Werte nicht optimal seien.

Das Ortofon gefällt mir bei 100 Ohm, das EMT bei 250 Ohm am besten. Interessant ist auch, was passiert, wenn man mal 47 Kiloohm ausprobiert. Das MC30 bekommt dann – zumindest in meiner Anlage – einen leicht glasigen, metallischen Klangcharakter, während das JSD nun etwas knackiger und straffer, dafür aber nicht ganz so voluminös und rund zu Werke geht. In der Bedienungsanleitung wird ebenso richtig wie sympathisch darauf hingewiesen, dass bei einigen Einstellungen durchaus der eigene Geschmack die Hauptrolle spielen sollte.

Ähnliches gilt für den Verstärkungsfaktor, der mit +10, +20 und +30 dB angegeben wird. Diese Werte beziehen sich auf die Grundverstärkung für den MM-Zweig, der praxisgerechte 46 dB bietet. Für das ungewöhnlich „laute“ EMT (1,0 mV bei 5 cm/s) stellen sich +20 dB (also 66 dB Gesamtverstärkungsfaktor) als passend heraus, beim „leisen“ Ortofon (0,2 mV bei 5 cm/s) sind +30 dB perfekt, also insgesamt 76 dB. Die für die Mehrzahl der MCs eigentlich etwas zu schwachen +10 dB sind ideal, um leise MM-Systeme oder High-Output-MCs anzuschließen. Im Falle der MMs kann es es sich durchaus als sinnvoll herausstellen, in den mit „MC-Load“ bezeichneten Cinchbuchsen anstelle weiterer Widerstände einfach passende Kapazitäten einzustecken und damit diesen Tonabnehmertypen optimale Anschlussbedingungen zu bieten. Im Klartext: Der Audio Exklusiv P2 ist schlichtweg an jedes Tonabnehmersystem optimal anpassbar.

Selbstverständlich können an die P2 gleichzeitig zwei Tonabnehmer angeschlossen werden, sofern damit beide Eingänge belegt werden. Eine gegenseitige Beeinflussung von MC- und MM-Eingang ist ausgeschlossen. Was eine überaus praktische Angelegenheit ist, geht der Trend doch eindeutig hin zu Laufwerken, die eine Montage von zwei (oder sogar noch mehr) Tonarmen gestatten. Lästiges Umstöpseln entfällt hiermit. Schaltvorgänge mit der P2 gehen übrigens seidenweich über die Bühne, ohne unangenehme „Plopps“ an die Lautsprecher. Denn Betriebssicherheit wird im Hause Audio Exklusiv ebenfalls groß geschrieben. Sobald einer der Drehschalter betätigt wird, schaltet ein Relais den Ausgang stumm und gibt ihn erst wieder nach ein paar Sekunden automatisch frei.

 

Exklusives Innenleben

Doch nicht nur die äußerst flexiblen Anpassungsmöglichkeiten garantieren Musikgenuss auf Spitzenniveau. Auch die Sorgfalt beim internen Aufbau, ausgemessene Bauteile und andere highendige Schmankerl lassen sehr viel Liebe zum Detail erkennen.

Dass der Entwickler sich für ein massiv überdimensioniertes Netzteil entschieden hat, überrascht eher nicht, das gehört heutzutage fast schon zum audiophilen Standard. Vielmehr verblüfft, dass sich das Netzteil innerhalb des schweren Gehäuses der P2 unterbringen ließ, ohne dass es die Signalverarbeitung hörbar beeinträchtigt. Tatsächlich ist die P2 eine der rauschärmsten Phonostufem, die ich je in Betrieb nehmen durfte. Das ist bemerkenswert, weil es selbst heute noch Hersteller vorgeblich überragend klingender Geräte gibt, die unter „großem Rauschabstand“ nichts anderes verstehen, als ein unerfreulich langer Abstand zwischen zwei Zechgelagen …

Nicht so Andreas Schönberg und sein Audio-Exklusiv-Team, die für die P2 verantwortlich zeichnen. Alle technischen Details der blitzsauberen Schaltung aufzuführen, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Deshalb seien an dieser Stelle nur ein paar Highlights genannt: Die Netzteilstabilisierung beispielsweise ist kanalgetrennt ausgeführt und jeweils mit stolzen 60000 µF Siebkapazität versehen; weitere insgesamt 16000 µF befinden sich direkt an der Verstärkerschaltung. Hier kommen auch hochwertige Kondensatoren aus dem Hause Panasonic zum Einsatz. Laut Hersteller sind es aber nicht nur die immensen Kapazitäten, die für den störungsfreien Aufbau verantwortlich sind. Auch gezielte Dämpfungsmaßnahmen sollen den Klang positiv beeinflussen und zu einem überzeugenden Klangergebnis beitragen.

 

Exklusiver Musikgenuss

Die bereits erwähnte Sicherheitsschaltung mit ihren Relais sowie die zahlreichen Schalter „im Signalweg“ könnten bei gusseisernen Puristen gewisse Bedenken auslösen, dass sie möglicherweise den Klang beeinträchtigen. Davon bemerke ich beim besten Willen nichts. Ganz im Gegenteil: Die Audio Exklusiv P2 zeichnet sich durch ein auffallend durchhörbares, räumliches und neutrales Klangbild aus – wobei „neutral“ natürlich auch wieder für einiges Stirnrunzeln sorgen dürfte. Denn die schlichte Rechnung „neutral = langweilig“ geht mit der P2 überhaupt nicht auf! „Neutral“ heißt hier vielmehr, dass die von mir verwendeten Tonabnehmer mit der P2 tonal exakt so klingen, wie ich es im Vergleich mit anderen, mitunter deutlich kostspieligeren Phonovorverstärkern gehört und schätzen gelernt habe. Es bedeutet auch und vor allem, dass ich die beiden isländischen Sängerinnen Björk und Emilíana Torrini mühelos voneinander unterscheiden kann, oder ein in höheren Lagen gespieltes Cello von einer Bratsche. Das ist keineswegs immer so einfach, wie man vielleicht meinen mag. Und doch ist es gerade das Herausarbeiten feiner und feinster Unterschiede, die den Musikgenuss letztlich so spannend machen und für die es sich lohnt, ein paar Euro mehr zu investieren.

Die Audio Exklusiv P2 verkneift es sich vollkommen, facettenreiche Musik schönfärberisch zu einem undifferenzierten Brei zu vermurksen. Stattdessen führt sie glasklar und höchst detailreich, impulsgenau und mitreißend durch die Musik. Harte Klavieranschläge kommen ebenso unvermittelt wie exakt, so dass ich hier nicht ernsthaft noch „Luft nach oben“ erkennen kann. Diese wunderbare Eigenschaft dürfte wohl ebenso auf die Wirkung des Netzteils zurückgehen wie der felsenfeste, präzise konturierte Raum, der sich zum Beispiel bei der Darstellung großer Sinfonieorchester auftut.

Spätestens jetzt sollte klar sein, dass die Audio Exklusiv P2, ausgestattet mit perfekter Technik und einer Fülle sinnvoller Features, ein musikalisches Ausnahmetalent ist: grundehrlich und unerschütterlich, ein echtes Werkzeug für alle, die es ganz genau wissen wollen. Ein Schnäppchen kann sie daher (und will sie auch gar nicht) sein. Den durchaus gehobenen Preis dieser tatsächlich exklusiven Phonostufe rechtfertigt auch ihr Design, das äußerst variantenreich an den eigenen Geschmack angepasst werden kann. Und um abschließend noch ein audiophiles Detail zu klären: Bei „richtiger“ Stellung des Netzsteckers soll die LED auf der Rückseite leuchten. Ich hab’s nachgelesen.

 

Audio Exklusiv P2 Phonovorverstärker

Verstärkungsfaktor MM: 46 dB

Eingangsimpedanz MM: 47000 Ohm

Eingangskapazitäten MM: 50, 100 und 150 pF

Verstärkungsfaktoren MC: 56, 66 und 76 dB

Eingangsimpedanzen MC: 100, 250, 500, 825, 1000 und 47000 Ohm

Ausgangswiderstand: 300 Ohm

Besonderheiten: zwei unabhängige Eingänge, vielfältige Anpassungsmöglichkeiten

Ausführungen: zahlreiche Variationen erhältlich, Sonderausführungen plus 400 €

Leistungsaufnahme: 11 W

Maße: 48/12,5/47 cm

Gewicht: 16 kg

Garantie: 2 Jahre

 

Audio Exklusiv

www.audio-exklusiv.de

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 10 (6/2013)

 

 

 

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