Martion Audiosysteme – Von universeller Lebensenergie, Einhörnern und Ochsenfröschen

Hörner mit Humor. Aus Berlin für die ganze Welt

Martion AudiosystemeAuf den ersten Blick sieht Heiner Basil Martion aus wie jemand, der eines Tages eine Flaschenpost aus Goa oder Ibiza verschickt und nie wieder zurückkommt. Obwohl der 1948 in Fulda geborene Wahl-Berliner in einem Alter ist, in dem Durchschnittsbürger langsam daran denken, den Generationenvertrag einzulösen, kann man sich ihn nur schwer im Filzpantoffel-Ruhestand vorstellen. Wahrscheinlicher ist es, dass man ihn um drei Uhr morgens auf der Tanzfläche eines Szene-Clubs trifft, den er selbst mit Lautsprechern ausgestattet hat. Es brennt noch ein Feuer in den Augen des ergrauten, häufig in Signalfarben gewandeten Alt-Hippies, das sich aus Tatendrang speist, sowie dem Ehrgeiz, die effizientesten Lautsprecher zu bauen, und es sitzt ihm der Schalk im Nacken. Auf Vorführungen unter seiner Leitung kann vieles passieren, mal wird man von elektronischen Beats überrollt, mal von „immer schneller blasenden Geigen“ verweht, ein andermal muss der eloquente Zeremonienmeister plaudernd die Zeit überbrücken, bis ein vermaledeiter Klinkenstecker endlich die richtige Buchse gefunden hat, aber eines sind sie niemals: langweilig.

Martion AudiosystemeLeise auch nicht. Bisweilen geht Martion in die Vollen, dann verbraten seine aktiven Einhörner mehrere hundert Milliwatt Musikleistung und lassen Gebäudewände wie Hosenbeine flattern. Das Martion’sche Einhorn bezieht sich übrigens nicht auf Fabelwesen, obwohl es fantastisch klingt, sondern stellt die perfekte Kongruenz von Sprache und Inhalt dar: Ein Kugelwellen-Horn mit nur einem Treiber, das mit nahezu 120 Dezibel Wirkungsgrad bis unter 400 Hertz spielt. Neben Martion-Hörnern wirken andere Lautsprecher wie anachronistische Energieverschwender. Für Heiner Basil Martion schließt sich mit dem Einhorn als letzter Iterationsstufe eines Konzepts, welches nun offenbar bis zur Gänze ausgeschöpft ist, auch ein Kreis zu seinen Anfängen, als er schon kurz nach der Gründung von Arcus 1973 und Martion Audiosysteme 1974 begann, sich intensiv mit Kugelwellenhörnern auseinanderzusetzen. Bereits 1977 stellte er auf der Funkausstellung den ersten Hornlautsprecher unter eigenem Namen vor. Die Exodus war geboren. Auch wenn sie nicht mehr an der Spitze der Produkthierarchie steht, wird sie doch bis heute als Drei-Wege-Kugelwellenhorn gebaut und hat unzählige Entwicklungsstufen durchlebt. Verdrängt wurde sie vom ultimativen oder universellen Vier-Wege-System Orgon (entsprechende Kreise verstehen darunter eine ubiquitäre Lebensenergie nach den Ideen des Psychoanalytikers Wilhelm Reich), das auf der High End im Jahr 2000 die begehrte Auszeichnung „Best Sound of the Show“ abräumte. Heiner Basil Martion baut es ausschließlich auf Bestellung, installiert es beim Kunden und misst es auf den Hörplatz ein. Für kleinere Geldbeutel und Räume empfiehlt der engagierte Entwickler sein legendäres Zwei-Wege-Kompakthorn mit dem bildhaften Namen Bullfrog. Ach so, nein, es quakt nicht.

Die Initialzündung für ein Leben mit Hörner fand ebenfalls auf der Funkausstellung statt, allerdings mehr als zehn Jahre früher, wie sich Heiner Basil Martion erinnert, muss es 1964 gewesen sein, als ihm ein Schlagzeug-Solo aus einer JBL-Paragon-Musiktruhe die Ohren für Live-Dynamik öffnete. Martion beschäftigte sich mit den Erkenntnissen von Oskar Heil, arbeitete nach seinem Studium der Studiotechnik als Tonmeister, jobbte in HiFi-Läden und schüttelte Paul W. Klipsch die Hand – immer auf der Suche nach einer Musikwiedergabe, die mit dem Live-Erlebnis Schritt halten konnte. Ralf Franke, ein Pionier der Masselaufwerke, war es schließlich, der Martion quasi mit der Nase auf die naturgegebene Überlegenheit von Kugelwellenhörner stieß. Heute hält Martion ein Leben ohne HiFi zwar für möglich, kann sich aber nicht mehr daran erinnern und zweifelt auch generell die Sinnhaftigkeit eines solchen Entwurfs an.

Obwohl Martion davon überzeugt ist, der Punktschallquelle mit dem Einhorn zu einem revolutionären Durchbruch verholfen zu haben, sieht er sich noch längst nicht am Ende seiner Schöpfungskraft. „Drei dicke Pfeile“ habe er noch „im Köcher“, gewährt er einen nebulösen Einblick in sein Labor. Mehr wird nicht verraten, vermutlich weil nichts feststeht. Denn Heiner Basil Martion lebt nach dem Prinzip der Schwingung: Nichts ruht, alles ist in Bewegung, alles schwingt; insbesondere, wenn es von einem Martion-Horn beschallt wird, möchte ich hinzufügen. Man darf also gespannt sein, welche Berliner Kreation demnächst die HiFi-Welt erobert. Und welchen phantasievollen Namen sie tragen wird. Wer weiß, vielleicht tritt einen irgendwann ein Pferd oder man wird vom Kugelblitz getroffen.

 

MARTION AUDIOSYSTEME
Johannisberger Straße 6
14197 Berlin
Telefon 030/8211107

 

www.martion.de

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