Audio Note Io 1 – Die Komponisten

Audio Note Io 1. Ein wohlbekanntes Ensemble spielt auf. Doch heute ist der Frontmann blau – und er hat einen Assistenten dabei …

„Hallo TurnTable 2 Deluxe, hallo Arm 2 Mk II, schön, dass ihr’s einrichten konntet, kommt doch rein. Und wen habt ihr da noch mitgebracht?“ – So kumpelhaft breite ich im übertragenen Sinne die Arme aus, wenn das Laufwerk TT-2 Deluxe und der passende Tonarm in meiner Tür stehen. Denn beide Analogschätzchen kenne ich bereits sehr gut, sie waren bereits mehrfach bei mir zu Besuch. Heute sind sie in Begleitung gekommen: Mit von der Partie sind das kleinste MC-System Io 1 sowie ein MC-Übertrager namens S4 – zwei weitere Mitglieder der Audio-Note-Großfamilie, die ich näher kennenlernen will.Audio Note Io 1 MC-Tonabnehmer
Bisweilen kann es in meinem Hörkeller schon recht familiär zugehen. Und zwar immer dann, wenn Geräte spezielle Eigenschaften, einen ganz bestimmten Grundcharakter besitzen. Bei Audio-Note-Produkten fällt mir das Willkommenheißen immer besonders leicht, weil sie (nicht nur meiner Ansicht nach) das musikalische HiFi-Leben so schön unkompliziert machen.
Damit meine ich aber nicht, dass Audio Note neue Standards in puncto Bequemlichkeit, Ergonomie oder gar Lifestyle setzt. Das will die Manufaktur aus England ja auch gar nicht, sie pflegt diesbezüglich einen selbstbewussten, mitunter sympathischen Anti-Trend-Stil.
Nein, das Typische an Audio Note ist für mich vielmehr, dass eine Komponente frisch aus dem Karton sofort gut Musik macht – und ich meine: richtig gut. Und wenn diese Komponente dann erst einmal gründlich eingespielt ist (das kann dauern, lohnt aber), dann tritt die Technik vollends in den Hintergrund. Dann zählt wirklich nur noch die Musik. Das mag arg nach Plattitüde klingen, trifft jedoch bei AN voll ins Schwarze. Highenders Wunschtraum – „mit den ersten Tönen ist die Anlage komplett verschwunden!“ – habe ich mit ANKetten mehrfach selbst erlebt, und zwar ganz genau so!

MC vs. MM

Und damit wieder zurück zum Audio Note Io 1. Ganz im Sinne des AN-Kettengedankens steckt das System bereits vormontiert im Arm 2 Mk II. Mit dem Io 1 betritt man Audio Notes MC-Welt, an dessen Spitze das Io Ltd steht, für mich ein Meilenstein der Analogtechnik: unfassbar gut, leider auch sündteuer. Gegen dieses Irrwitz-MC mit fremderregten Spulen wirkt das Io 1 geradezu günstig. Es besitzt Alnico-Magnete und Reinsilberspulen, deren Windungszahl AN gering hält, um die bewegte Masse zu minimieren. Es ist daher ein sehr „schnelles“, aber eben auch „leises“ MC, das einen feinen Übertrager braucht, um sein ganzes Klangpotenzial auszuspielen.
Damit kommt der Übertrager S4 ins Spiel. Er will gegenüber meinem (deutlich günstigeren) S2 zeigen, was mit dem Io 1 noch alles möglich ist. Und damit uns nicht langweilig wird, klopft auch gleich noch mal das größte MM-System von Audio Note an die Tür: Das IQ 3 besitzt interessanterweise den gleichen Nadelträger (Titan) und auch den gleichen Nadelschliff (Gyger-1) wie das Io 1; alles andere unterscheidet sich schon prinzipbedingt. Die Frage, die sich damit geradezu aufdrängt: Wie groß ist der Klangunterschied zwischen dem Top-MM-System (780 Euro) und dem kleinsten MC des Hauses, das im Duett mit dem S4- Übertrager glatt auf die zehnfache (!) Summe kommt? Was passiert da? Für wen lohnt sich ein solcher Riesensprung überhaupt?

Einstieg in die Königsklasse

Eine mögliche Antwort wäre kurz und knapp: Das IQ 3 ist ein problemlos zu handhabendes, wunderbar offen klingendes und musikalisch involvierendes MM-System, das auch in anderen Ketten (Tonarmen) eine hervorragende Figur macht. Es braucht sich, auch angesichts des überschaubaren Preises, vor nichts und niemandem zu verstecken, was ein „MM“ im Datenblatt führt. Vor allem in kompletten AN-Ketten habe ich es bereits mehrfach derart gut erlebt, dass selbst bei sehr langen Hörsessions kein Wunsch nach „mehr“ aufgekommen ist. (Wir werden über das IQ 3 in einer kommenden Ausgabe ausführlicher berichten.) Kurzum: Das IQ 3 macht Musik, und zwar richtig. Punkt. Doch wie im richtigen Leben ist es auch innerhalb des AN-Universums jederzeit möglich, neue Begehrlichkeiten mit (noch) besseren Komponenten, Kombinationen oder Bauteilen zu wecken. Und wie im richtigen Leben muss man das dann auch bezahlen können/ wollen. Im konkreten Fall ist der ebenfalls vorzügliche und preislich überschaubare Arm 2 Mk II (und natürlich auch das unscheinbare, aber überaus dynamisch und souverän aufspielende Laufwerk TT2 Deluxe) mühelos in der Lage, statt eines IQ 3 auch ein Io 1 zu führen. Und? Man steigt damit glatt in eine andere Liga auf!


Bereits im Verbund mit meinem recht preisgünstigen Übertrager S2 gewährt das Io 1 deutlich freiere, tiefere und – entscheidend für das emotionale Erlebnis – mitreißendere Einblicke ins musikalische Geschehen. Insbesondere Stimmen wirken nochmals greifbarer, Sänger stehen noch schärfer umrissen, bei guten Aufnahmen – Urtraum der High-Fidelity – in Lebensgröße vor mir. Vokalisten auf der großen Bühne transportiert das Io 1 mit einer Selbstverständlichkeit in meinen Raum, dass ich so manchem nach seinem Auftritt gern die Hand schütteln möchte. Die Gene des großartigen Io Ltd sind im Io 1 eindeutig nachweisbar. Da ein Austausch des externen Übertragers (das kleine Kästchen im Bild) die „schnellste“ Form des Upgrades ist, kann nun auch der S4 innerhalb von Minuten zeigen, was allein der Wechsel von Kupferspulen (S2) auf solche mit 99,99 %-Reinsilber in einem MC-Übertrager bringen kann. Die nochmalige Steigerung an innerer Ruhe und äußerem Raumeindruck ist verblüffend, selbst Rillengeräusche treten subjektiv noch weiter in den Hintergrund. Diese wie selbstverständlich wirkende Einbindung auch feinster atmosphärischer Details ins große Ganze erzeugt gleich noch ein bisschen mehr Gänsehaut, während die Steigerung des fundamentalen „Slam“ in den Tieftonlagen geradezu körperlich spürbar ist. Es ist tatsächlich so einfach, wie es bei Audio Note immer ist: Die Intensität des Live-Eindrucks steigt mit der Investition der Mittel. Höchst erstaunlich ist zudem, wie viel Musik aus einem derart unscheinbaren Plattenspieler herauszuholen ist.

Eine Frage des gefestigten Charakters

Selbstverständlich bedeutet ein zehnfacher Preis kein zehnfach „besseres“ Ergebnis. Sinnliche Erlebnisse haben noch nie in irgendein nüchternes, noch so feines Raster gepasst, das gilt insbesondere für den Musikgenuss. Außerdem spielt ja das zuvor kurz beschriebene IQ 3 bereits auf einem – absolut gesehen – derart hohen Niveau, dass praktisch keine Fragen aufkommen … Und schon lande ich wieder beim Ausgangspunkt: Wer der Meinung ist, noch mehr an Musik zu brauchen, rechne mit einer (möglicherweise massiven) finanziellen Investition – in diesem Punkt funktioniert Audio Note äußerst berechenbar. Und das ist gut so. Einzig das Portemonnaie definiert die Intensität der Performance. Noch besser finde ich aber, dass AN klanglich nichts „aufpeppt“. Innerhalb der Audio-Note-Familie gibt es keine ernsthaften tonalen Unterschiede, Musik wirkt mit AN-Komponenten stets unbelastet, echt und integrativ. Zu guter Letzt fällt es mir in der Summe aller Eigenschaften schon ziemlich schwer, eine andere Marke zu benennen, die einen ähnlich leichten, zugleich tief emotionalen Zugang zur Musiksammlung bietet und ein echter Vollsortimenter ist. Synergie-Effekte inklusive: AN mit AN zu verknüpfen war schon immer eine gute Idee; Io 1 hin oder her.

Audio Note Io 1
MC-Tonabnehmer
Ausgangsspannung: 0,05 mV („leises“ MC)
Nadelträger/Diamant: Titan/AN Typ 2 (Gyger 1)
Gewicht: ca. 11 g
Empfohlene Option: MC-Übertrager von Audio
Note, z. B. S2 (1000 €) oder S4 (4600 €)
Garantiezeit: 2 Jahre

Voigt Audiosysteme, Altenhainer Straße 20
65779 Kelkheim, Telefon 06195 61003

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 9 (5/2013)

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