Test: Elipson BS 50 Tribute – Durch Raum und Zeit

 

Zeitloser Klassiker: Bereits 1953 präsentierte Elipson die BS 50 Réflecteur Ellipsoidale. Die Neuinterpretation zum 60. Geburtstag dieses Lautsprechers zieht wieder alle Blicke auf sich

Elipson

Schön und schlau: Im Innern der Kugel sorgen Helmholtzresonator und Reflexabstimmung für sauberen, tiefen Bass

Wenn ich einmal reich wär … ja, dann hätte ich viel mehr Platz zur Verfügung und auch locker das kleine Sümmchen übrig, um ein Pärchen dieser wunderschönen Schallwandler standesgemäß zu präsentieren. Um sie dann immer wieder anzuschauen. Und anzuschauen. Und – Moment mal, natürlich auch Musik darüber zu spielen. Klar, allein schon wegen ihrer streng geometrischen Grundform, die durch einen oben angedockten „Deckel“ geradezu spielerisch ergänzt und zugleich aufgebrochen wird, empfiehlt sich die Elipson BS 50 als Raumobjekt für ambitionierte oder verkappte Innenarchitekten. Auch gefällt – das wird vor allem von technikorientierten (fast immer männlichen) HiFi-Fans gerne ignoriert – die beinahe leuchtend mattweiße Erscheinung dieses Lautsprechers insbesondere der ästhetisch sensibleren (fast immer weiblichen) Klientel eines gemeinsamen Haushalts. Leider reichen selbst beste Bilder nicht an die optische „Live-Performance“ dieses Schallmöbel-Objektes heran. Wie auch immer. Die trotz ihrer reichlich 30 Kilo Gewicht und den properen Abmessungen (die Kugel misst rund 50 Zentimeter im Durchmesser, daher der Name) gestalterische Leichtfüßigkeit der Elispon BS 50 ist bemerkenswert. Zudem feierte das Urmodell, ein grandioser Balanceakt zwischen strenger Moderne und scheinbar organisch gewachsener Üppigkeit, bereits vor 60 Jahren Premiere: im Jahre 1953!

Die Gestaltung der BS 50 ist übrigens nur einer von zahlreichen, teils rasanten Versuchen des Teams um Akustikdesigner Josephe Léon, mittels innovativer Gehäuseformen der Musikwiedergabe professionell auf die Sprünge zu helfen. Elipson spezialisierte sich hierbei schon sehr früh auf die Verwendung hochmoderner Kunststoffe für neuartige Gehäuseformen und brachte ab 1951 eine ganze Reihe aufsehenerregender Entwürfe auf den Markt, von denen sich namhafte „Neulinge“ wie etwa Bowers & Wilkins oder Cabasse, aber auch schon früh ein gewisser Lutz „Luigi“ Colani inspirieren ließ.

Die auffällige Kugelform der BS 50 sollte man akustisch keinesfalls unterschätzen. Eine simple Kugel ist grundsätzlich mit einer stark ausgeprägten Grundresonanz „gesegnet“, die es in den Griff zu bekommen gilt. Elipson eliminiert diese prinzipbedingte Überhöhung durch einen wirklich durchdachten Kniff: Im Inneren der Kugel ist ein exakt berechneter Helmholtzresonator eingebaut, der in Verbindung mit einer Bassreflexöffnung nach unten für erstaunlich volle, dabei klar definierte Tieftonlagen sorgt. Der Wunsch nach einem separaten Subwoofer wird im Normalfall mit der aktuellen BS 50 gar nicht erst aufkommen. Elipson weiß offensichtlich genau, was zur Grundausstattung eines wirklich guten und nicht nur oberflächlich wohlgestalteten Schallwandlers gehört. So zählt der Treiber, der in die Oberseite eingelassen und durch ein Stahlflexgewebe mechanisch geschützt ist, zur Spezies der Koaxialchassis. Der Hochtöner des verbauten Zweiwege-Systems sitzt also exakt im Zentrum des 20-Zentimeter-Tieftöners. Was wiederum eine ganze Menge Probleme umschifft, die durch zwei einzelne, konventionell angeordnete Chassis auftreten würden.

Denn die auffällige ovale „Schale“ obendrauf sorgt für eine präzise Bündelung und Führung der koaxial erzeugten Schallwellen. Sie wird mittels Stahldorn in einer entsprechenden Buchse im soliden Kunststoffgehäuse verankert und führt den Schall des Koaxialtreibers zur bevorzugten „Hörzone“ hinüber. Der erforderliche Spielraum für eine präzise Ausrichtung des Schalls wird übrigens dadurch erzielt, dass die Basiskugel in einem ebenso leichtfüßigen wie stabilen, zudem gummigepufferten Stahlrohrgestell sitzt und sich darin innerhalb eines gewissen Radius drehen und nivellieren lässt.

Zuhörer, die sich außerhalb des gewählten Sweetspots aufhalten, profitieren wiederum vom entspannten, großzügigen Rundumstrahlverhalten der BS 50, die übrigens auch größere Räume ziemlich mühelos beschallen kann. Es genügt schon ein gutes Stündchen in Gesellschaft der BS 50Tribute – wandern Sie dabei gern einmal im Raum umher –, um die vortrefflichen Langzeitqualitäten der schicken Französin zu erahnen, jede weitere Stunde mit ihr wird den guten Eindruck noch untermauern.

Die BS 50 Tribute klingt nicht halb so „offensiv“, wie ihre selbstbewusste Erscheinung zunächst suggerieren könnte, zugleich spielt sie keineswegs langweilig. Mit den Schalen auf den Sweetspot eingerichtet, baut sie dort ein überraschend präzises Stereopanorama auf, auf allen anderen Plätzen vermittelt sie das klassische Konzertsaalgefühl. Damit landet sie in der Summe ihrer klanglichen Eigenschaften einen ähnlichen Volltreffer wie in puncto Optik: Harmonie trifft auf Präzision.

Wenn Sie mich fragen, wird die BS 50 auch die nächsten sechs Dekaden stolz und selbstbewusst durchschreiten. Denn dieser Designklassiker ist tatsächlich ein veritabler, ernst zu nehmender Lautsprecher – zu einem sehr attraktiven Preis. Die Frage nach einem perfekt passenden Verstärker lässt sich übrigens ebenfalls à la française lösen: Der kleine Verstärker von Devialet stellt einen geradezu genialen optischen Kontrapunkt, aber auch Teampartner dar.

 

 

Elipson BS 50 Tribute

2-Wege-Lautsprecher‚ Bassreflex

Wirkungsgrad (lt. Hersteller): 90 dB

Nennimpedanz: 8 Ω

Bestückung: 20-cm-Tieftöner mit koaxial angeordnetem Hochtöner

Besonderheiten: Schallreflektor‚ interner Helmholtzresonator

Ausführung: verstärktes Kunststoffgehäuse mattweiß‚ Stahlrohrgestell

Maße inkl. Stativ und Reflektor (B/H/T): ca. 50/120/50 cm

Gewicht: 33 kg

Garantiezeit: 2 Jahre

 

www.b-1.eu

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich in FIDELITY Nr. 14 (4/2014)

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