EMT Studiotechnik, Jules Limon – Profitechnik fürs Wohnzimmer

So manches professionelle Studiogerät kann sich sehr wohl auch zu Hause sehen und hören lassen. EMT produziert seit 75 Jahren den Stoff, aus dem die Träume der Analogfans sind. Und seit rund zehn Jahren sogar mit voller Absicht!

EMT gehört zu den Urgesteinen der professionellen Ton- und Messtechnik. 1940 gründete der Ingenieur Wilhelm Franz die „Elektro-Messtechnik“ in Berlin, kurz EMT. Das allererste EMT-Produkt, ein Prüf-Voltmeter namens PV62, findet sich übrigens als stilisiertes Messinstrument im Firmenlogo wieder. Entwicklung und Produktion von hochempfindlichen Kontroll- und Messinstrumenten für die Rundfunk- und Nachrichtentechnik sicherten der Firma bald einen guten Ruf. Bombenangriffe auf Berlin zwangen EMT im Jahre 1943 zur Verlegung des Betriebs nach Lahr im Schwarzwald. Neben Mess- und Prüfgeräten wurde dort das Programm um Rundfunk-Studiotechnik sowie professionelle Schallplatten-Abspielmaschinen erweitert.
Die fünfziger Jahre brachten neuen Aufschwung für EMT, zudem ging das Unternehmen eine enge Partnerschaft mit den Kollegen von Studer aus der Schweiz ein. Gemeinsam und über Jahrzehnte hinweg etablierte man ein weltweites Vertriebsnetzwerk, stattete Rundfunk- und Tonstudios mit den Spitzenprodukten beider Unternehmen aus. Etliche EMT-Maschinen aus dieser Zeit sind mittlerweile gesuchte Sammlerstücke, etwa der Studioplattenspieler EMT 927, der 1950 präsentiert wurde und dessen riesiger Plattenteller – ausgelegt für die damals üblichen Acetat-Schallplatten mit über 40 Zentimetern Durchmesser – per Reibrad von einem bärenstarken Motor angetrieben wurde. Die ersten Tonarme und Abtastsysteme lieferte seinerzeit Ortofon aus Dänemark zu. Später begann EMT eigene Tonarme und Systeme anzubieten, so den dynamisch balancierten Tonarm 997, aufgrund der markanten Form seines Armrohrs auch als „Banane“ bekannt.


Angesichts der rasanten Verbreitung der Langspielplatte mit „nur“ 30 Zentimetern Durchmesser stellte EMT im Jahre 1956 ein deutlich kleineres und ökonomischer konzipiertes, aber immer noch ausgewachsen dimensioniertes Laufwerk vor. Der EMT 930 entpuppte sich als Verkaufserfolg, nicht wenige Exemplare sind noch heute im täglichen Einsatz, oft in „historisch-audiophilem“ Kontext – oder im Wohnzimmer eines stilbewussten Highenders. Was häufig genug dasselbe ist.
1959 kam der erste eigene Tonabnehmer, die EMT-„O-Tondose“, auf den Markt, eine Stereoversion EMT TSD 12K war ab 1961 verfügbar. Hieraus entwickelte EMT den Tonabnehmer TSD15, ein absoluter Klassiker der Audiotechnik, der seit 1965 nahezu unverändert angeboten wird und entscheidend zur Legendenbildung von EMT beigetragen hat.
Nach mehrjährigem Forschungsaufwand präsentierte EMT im Jahre 1976 ein Laufwerk mit extrem starkem Direktantrieb und sehr leichtem Plattenteller, den EMT 950. Drei Jahre später folgte mit dem EMT 948 ein kompakterer und preisgünstigerer Ableger des Direkttrieblers. 1982 kam mit dem EMT 938 ein weiterer Rundfunk-Schallplattenspieler auf den Markt, der von Thorens nahezu baugleich als TD 524 für DJ-Zwecke angeboten wurde.
Gestandenen Musikern und alten Studiohasen ist EMT übrigens noch mit einer ganz anderen Spezialität ein Begriff: Die weltbekannte Nachhallplatte EMT 140 war jahrzehntelang Standardgerät in Rundfunk- und Fernsehanstalten sowie den Studios der Schallplattenindustrie. Kleiner und leichter wurde die Nachhallfolie EMT 240 „mit dem Goldklang“ – und als Weltneuheit auf diesem Gebiet wurde 1976 das vollelektronische Nachhallgerät EMT 250 mit digitaler Signalaufbereitung vorgestellt.

EMT-Gründer Wilhelm Franz, 1913 in Bremen geboren, starb 1971. Als neuer Geschäftsführer trat Erich R. Vogl an seine Stelle. 1989 wurde EMT an das belgische Unternehmen Barco verkauft, der Firmenname in „Barco-EMT“ geändert. 2003 veräußerte Barco seinen EMT-Anteil wieder. Neuer Eigentümer war nun Walter Derrer, ein ehemaliger Studer-Manager und diplomierter Tonmeister, der die EMT Studiotechnik GmbH planvoll in die Neuzeit hinüberführte.
Walter Derrer kam 2007 bei einem tragischen Flugzeugabsturz ums Leben. Seither steht sein bisheriger Chefentwickler, Produktmanager und Marketingleiter allein an der Spitze der EMT Studiotechnik: Jules Limon. Er kann als Inhaber und Geschäftsführer auf reichlich Szeneerfahrung zurückblicken. Der gelernte Radio- und Fernsehelektroniker, Jahrgang 1953, studierte Marketing und Management in St. Gallen und leitete bereits als Zwanzigjähriger ein eigenes HiFi-Studio. Des Weiteren war der Schweizer unter anderem als Technischer Leiter bei TEAC/TASCAM tätig, sorgte bei Studer für professionelles Marketing und die strategische Neuausrichtung „im Zeitalter nach Willi Studer“ und ging jahrelang in den weltweit renommiertesten Radio-, TV- und Recording-Studios ein und aus.
Jules Limon ist seit der ersten intensiven Begegnung mit der QUAD-Anlage eines Cousins – das war Ende der sechziger Jahre – von hochwertiger Audiotechnik fasziniert und stieß im Jahre 2005 zu Walter Derrer und der EMT Studiotechnik. Seither kümmert er sich verstärkt darum, die Produkte des Hauses nicht nur im professionellen Studio-Umfeld, sondern auch in HiFi- und High-End-Anlagen zu etablieren.
Limons Engagement wird insbesondere im Auf- und Ausbau der „J“-Komponenten sichtbar; so geht auch die Entwicklung der „Jubilee-Serie“ auf ihn zurück. Die für HiFi-Zwecke modifizierten Profi-Tonabnehmer präsentierte EMT anlässlich des 66. Firmenjubiläums im Jahre 2006. Als markanter Meilenstein der „neuen EMT“ gilt der extrem aufwendige Vorverstärker JPA66 aus demselben Jahr, eine komplette Neuentwicklung von Jules Limon. Das zweiteilige High-End-Gerät bietet neben seinen zwei Line- nicht weniger als vier Phono-Eingänge, seine ebenso komplexen wie variablen Regelmöglichkeiten erlauben die perfekte Entzerrung und Vorverstärkung aller nur denkbaren Schneidkennlinien und Tonabnehmer. Im Signalweg kümmern sich ausschließlich ausgesuchte Röhren um das Musiksignal, außerdem ist der JPA66 selbstverständlich – Studiotechnik lässt grüßen – vollsymmetrisch aufgebaut und in der Lage, jeden beliebigen Endverstärker optimal an- und auszusteuern.


Anlässlich des 75. Firmenjubiläums wurde der seit fast einem Jahrzehnt produzierte JPA66 in zahlreichen Details verbessert. Er wurde aber nicht umbenannt, sondern lediglich mit einem dezenten MkII versehen. Diesbezüglich deutlicher werden einige andere Produkte, die das EMT-Jubiläumsjahr 2015 bereichern, beispielsweise die Tonabnehmersysteme JSD S75 oder TSD75, beides Ergänzungen des bestehenden Programms.
Unter der Leitung von Jules Limon wird das EMT-Team auch weiterhin die High-End-Gemeinde mit höchstwertigen und langlebigen Produkten versorgen. Diese entstehen ausnahmslos in Westeuropa und werden unverändert in sorgfältiger Handarbeit in Kleinserie produziert. Der professionelle Ansatz bestehe im Übrigen ja nicht darin, Mitbewerber schlechtzureden, sondern es selbst besser zu machen.
Bleibt dem Chef einer Profimanufaktur mit audiophilem Einschlag da eigentlich noch Zeit für Hobbys? Da schmunzelt der passionierte Kino- und Konzertbesucher, setzt sich in sein Cabrio und lässt sich den Fahrtwind um die Ohren wehen. Nach der Spritztour wird er sich dann entweder um sein kleines Privatmuseum der Audiotechnik kümmern, oder er lässt es mal wieder mit seinen Lieblingsscheiben ordentlich krachen. Die sind bevorzugt bei Jazz und Funk einsortiert, aber auch Rock’n’Roll und Blues stehen hoch im Kurs, reichen von Miles Davis (Tutu) über Nils Landgren und Philippe Fankhauser bis zu den Rockklassikern von Deep Purple. Und hat da etwa jemand Led Zeppelin und „Kashmir“ gesagt? Volltreffer!

 

www.emt-studiotechnik.de

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