Sie suchen nach dem Ausstieg aus Ihrer persönlichen Gerätetauschspirale? Ich hätte da einen Tipp.

Illustration: Ralf Wolff-Boenisch

Sie kennen das doch auch, oder? Klar, kennen Sie das! Sie besitzen ein Gerät, das Ihnen ausgesprochen gut gefällt und ganz doll ans Herz gewachsen ist. Es handelt sich um eine jener seltenen Komponenten, die genau so klingt, wie Sie sich das vorstellen. Die exakt den Sound bringt, nach dem Sie zuvor jahrelang gesucht haben. Wenn da bloß nicht dieses kleine, unbedeutende, fast kaum zu bemerkende, Ihnen aber immer wieder auffallende, Sie in den Wahnsinn treibende klangliche Manko wäre, das Ihnen schlaflose Nächte bereitet, seit die internationale Fachpresse dessen skandalöse Existenz schonungslos ins highendige Licht zerrte. Wahrscheinlich hätten Sie und der audiophile Rest der Menschheit das sonst gar nicht bemerkt, aber nun ist der Floh im Ohr und an ein entspanntes Musikhören nicht mehr zu denken.
Die örtliche Selbsthilfegruppe kann auch nicht helfen, da selbst diese ausgebufften Experten Ihr kniffliges Problem in diesem haarigen Fall nicht nachempfinden können. Man rät Ihnen stattdessen, unbedingt einmal dieses oder jenes neue, mit den Errungenschaften der Nanotechnologie quantensprunghaft im Stillstand verharrende Modell auszuprobieren, um so Ihren Seelenfrieden wiederzufinden. Ein gut gemeinter Rat, aber knapp vorbei ist eben leider auch daneben.
So etwas ist mir kürzlich auch passiert – bis auf die Selbsthilfegruppe, die hat sich schon vor Jahren selbst geholfen und anderen Hobbies zugewandt. Mein Digital-Analog-Wandler, ein konstruktiv und klanglich ganz außergewöhnliches Gerät, vielleicht nicht außergewöhnlich gut, aber außergewöhnlich anders, also, wie ich finde, auch außergewöhnlich gut – na, Sie wissen schon, der HiFi-Besessene lechzt nach Alleinstellungsmerkmalen -, hat ein klitzekleines Problem im Hochtonbereich, der gegenüber dem außergewöhnlich guten Rest qualitätsmäßig ein wenig abfällt, also irgendwie einfach leiser ist. Ein Händchen voll dB bei 20 kHz, sagt und misst man. Nichts, worüber man sich als gestandener Audiophiler groß aufregen sollte, auch wenn Sie jetzt weise Ihr highendiges Haupt schütteln, weil das hifitechnisch natürlich vollkommen inakzeptabel ist, denn dort herrscht die Lehre der makellosen Linearität, außer vielleicht bei Tonabnehmern und Lautsprechern, wo sich Entwickler noch verwirklichen dürfen, aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Die paar dB! Doof ist nur, dass man die zu leisen Höhen hört bzw. eben nicht hört. Zwar nicht so dramatisch, wie das die Messwerte aussagen, aber eben doch ein bisschen, meine ich zumindest seit der Sache mit der Presse. Also muss sich etwas ändern …
An dieser Stelle sollte ich kurz klarstellen, dass ich natürlich noch einen zweiten DAC mit vorbildlich linearem Frequenzgang besitze. Der ist zwar langweilig, dafür aber unantastbar. Nur für den Fall, dass Sie mal einen von mir verfassten Bericht lesen sollten, bei dem mein Wandler eine tragende Rolle spielt.
Es muss sich also etwas ändern. DACs gibt es ja heutzutage reichlich und günstig, aber die gefallen mir oft nicht, also klanglich und so, jedenfalls nicht so gut wie mein alter DAC, wenn man mal vom Hochtonbereich absieht. Was tun? Man könnte doch die Höhen durch Anschaffung eines neuen Kabels oder eines Raumanimators pimpen. Vielleicht hilft es ja auch, eine schwarze Katze bei Vollmond über die linke Schulter zu werfen und dabei …
Ja, was denn sonst?
Bitte behalten Sie das jetzt unbedingt für sich! Ich habe nämlich das getan, was jeder logisch denkende Mensch tun würde und mir eine Klangregelung zugelegt. Nein, was denken Sie denn von mir, natürlich kein brutal den Frequenzgang verbiegendes Gerät, sondern ein psychoakustisch arbeitendes. Das hört sich erst mal hoch wissenschaftlich und teuer an, ist es aber gar nicht, also zumindest nicht teuer: Das Gerät, für das ich mich entschieden habe, kostet deutlich unter 100 Euro. Passende Kabel fand ich in meiner Grabbelkiste. Zum Probieren reicht das, aufrüsten kann ich später immer noch, falls sich dies als nötig erweisen sollte.
Mein Klangverbieger besitzt pro Kanal einen Bass- und einen Höhenregler und einen Schalter, mit dem die beiden zu Vergleichszwecken aus dem Signalweg entfernt werden können. Mehr nicht, denn ich will ja in erster Linie Musik hören und mich nicht in Regelorgien verlieren. Die Regler heben die Frequenzen nicht einfach an, sondern arbeiten mit bandweiser Phasenverschiebung. Der Pegel bleibt dabei unverändert, die Frequenzen werden aber besser hörbar, daher die Bezeichnung “psychoakustisch”. Wie soll ich Ihnen das erklären? Am besten gar nicht. Ist ja auch egal, Hauptsache es funktioniert und das tut es.
Ja ja, ich weiß, das ist ein No-Go, das ist unmoralisch, so etwas macht man einfach nicht. Regen Sie sich bitte wieder ab. Die Studioprofis nutzen bei (Pop- und Rock-)Aufnahmen jedes noch so unmoralisch arbeitende Gerät, um den Sound Ihren Vorstellungen entsprechend zu verbiegen. Was soll da diese falsch verstandene Askese?
Falls Sie also auch eine kleine Unpässlichkeit in Ihrer geliebten Stereoanlage mit sich herumschleppen, probieren Sie doch mal eine dieser Klangmanipulatoren. Oder bleiben Sie Ihrem Highender-Ego treu und tauschen kostenintensiv zum n+1-ten Mal ein Gerät aus. Wer nicht will, der hat bekanntlich schon.

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