David Bowie Poster und Coverart Heathen

The Man Who Fell from Earth – Eine Würdigung des Erdenbewohners David Bowie (8. Januar 1947 – 10. Januar 2016)

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The Man Who Fell from Earth – Eine Würdigung des Erdenbewohners David Bowie (8. Januar 1947 – 10. Januar 2016)

Im kalten Januar des Jahres 1947 wurde der vom Krieg gebeutelten englischen Mittelklassefamilie Jones ein Sohn geboren, der als eine gute Handvoll der erfolgreichsten Rock- und Popstars längere Karriereflauten durchlebte, als die meisten Kollegen überhaupt gewisse Popularität aufrechterhalten konnten. Die Rede ist von einem schmächtigen weißen Bürschchen, immer adrett gekleidet, höflich und offenbar wohlerzogen, das wie es im England der späten Sechziger üblich war, mit 15 seine erste Blues-Rock-Band, die Kon-Rads, gründete. Aber das Bandgefüge passte nicht zu dem Heranwachsenden, die anderen Mitglieder waren so … menschlich.

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Dünn wie ein Messer, veröffentlichte er bald unter dem Künstlernamen David Bowie exzentrische, von Theater, Musical und Novelty-Songs beeinflusste Songminiaturen, die ihm allerdings keinen großen Erfolg bescherten. Später distanzierte sich David Bowie (wie so oft in einem von Umsturz und Aufbruch geprägten Leben) unnötigerweise von Nummern wie „The Laughing Gnome“ und wandte sich einer Musik zu, die von Kritikern in Ermangelung eines passenden Begriffes als Hard-Rock bezeichnet wurde, weil das ein damals gängiger Stil war. Aber mit Hard-Rock hatte David Bowie nie viel am Hut, das war die Musik der einfachen Gemüter, die nicht dazu in der Lage waren, ihr aufgesetztes Pathos ironisch zu brechen. Als Künstler ließ er sich zu Hard-Rock lediglich herab, um engen Freunden zu helfen. Seine Produktionen für Iggy Pop und Lou Reed gelten zu Recht als Meilensteine. Black Sabbath, Led Zep, Deep Purple, das war Hard-Rock, Ziggy Stardust dagegen war Alien-Beat, Sternenstaub-Shuffle oder – was sich letztlich durchsetzte – Glam-Rock. Ernsthaft, aber nicht ernst gemeint, phantastisch und fantasievoll, voller Einflüsse, Doppeldeutigkeiten und doch eigenständig. Es gab Anfang der Siebziger keinen Musiker, der großzügiger mit seinem Talent umging, selbstlos inspirierte er sogar die Stones zu einem ihrer größten Hits, obwohl Mick Jagger ihm die Frau ausspannen wollte.

Mit seinen theatralischen Tourneen als Ziggy und Thin White Duke eroberte er die Welt und opferte sich stellvertretend dem Rock’n’Roll-Lifestyle mit fast all seinen Konsequenzen. Körperlich ausgelaugt und auf Entzug schuf er mit der Berlin-Trilogie (Low, Heroes, Lodger) und unterstützt von Brian Eno abstrakt-künstlerische Werke, die Lichtjahre vom einfältigen Popbusiness entfernt waren. Parallel nahm er in Frauenkleidern, als androgyner Außerirdischer und im Anzug wie Marlene Dietrich eine Gender-Debatte vorweg, die erst jetzt langsam ins gesellschaftliche Bewusstsein durchsickert. Er wurde zum Berliner Helden wider Willen und musste sich durch Distanziertheit der bedingungslosen Liebe einer verlorenen Bahnhof-Zoo-Generation erwehren, die doch aber nur seinem Vorbild gefolgt war. Bowie war zeitlebens zu komplex, um als Popstar von nebenan zu taugen. Seine Interessen von bildender Kunst über Malerei, Film und Theater, wo er stets Aufsehenerregendes schuf, waren zu vielschichtig und elitär für den Geschmack der Massen.

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Sogar seine großen Mainstream-Erfolge „Let’s Dance“ und „China Girl“ waren so stark mit artifizieller Bedeutung aufgeladen, dass die Bravo ihre Berührungsängste nie ganz überwinden konnte. Projekte mit Queen oder Mick Jagger sorgten für gigantische mediale Aufmerksamkeit, befriedigten ihn künstlerisch jedoch wenig. Bowie brachte den Mut auf, aus dem Rampenlicht zu treten und ließ sich wieder einmal – wie schon zu Zeiten von Kraftwerk, Can und Neu! – von der musikalischen Avantgarde aus Techno und TripHop inspirieren, tourte mit den Nine Inch Nails und Arcade Fire. Unbeirrt vom kommerziellen Misserfolg und den Verrissen der Kritiker blieb er seiner experimentellen Linie treu, obwohl er erst mit seinen beiden letzten Alben wieder die Anerkennung bekam, die ihm gebührte.

Es ist verwunderlich, dass obwohl die Hinweise und Indizien so zahlreich sind, niemand das Offensichtliche auszusprechen wagt: Von Beginn seiner Karriere mit Space Oddity, als er die NASA dazu inspirierte zum Mond zu fliegen, bis zu seinem letzten Studioalbum Blackstar, das an seinem 69. Geburtstag erschien, ist seine Karriere gespickt mit Motiven aus der Science-Fiction. Bowie hat zu keinem Zeitpunkt ein Geheimnis daraus gemacht, dass er nicht von dieser Welt ist. Er habe nur sich selbst gespielt, einen traurigen auf der Erde gefangenen Außerirdischen, sagte Bowie über seinen größten Filmerfolg The Man Who Fell to Earth. Nun heißt es aus offiziellen Quellen, David Bowie, der vielschichtigste, vielseitigste und vielleicht größte Popstar für Erwachsene, sei am 10.01.2016 einem mehrmonatigen Krebsleiden erlegen, wo doch auf der Hand liegt, dass er heimgekehrt ist auf den Planeten, von dem er kam: Blackstar. Wir wissen nicht, wo er liegt, aber Bowie hat uns kurz vor seiner Abreise noch einen Routenplaner dagelassen. Wir von FIDELITY hören da jetzt noch einmal rein und denken dabei an all die Menschen, die er hilflos und bestürzt zurückgelassen hat.

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www.davidbowie.com

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