Wolf von Langa – Elektromagnetisch dynamisch

Zu Besuch bei Wolf von Langa, der 90 Jahre alte Lautsprechertechnik fit macht fürs dritte Jahrtausend

Zum ersten Mal ist mir die Arbeit von Wolf von Langa in Gestalt eines Paares schwer nach „US-Wohnzimmer, 1960er Jahre“ aussehender, kommodengroßer Hornlautsprecher begegnet. Das ebenfalls im Vorführraum anwesende Analog-Laufwerk Garrard 301 (England, 1954) und die Röhrenelektronik von Air Tight (Japan, 2010) fügten sich nahtlos ins Bild. Nicht so der Klang. Dem war schlicht nicht zu entkommen. Auf dem Plattenteller drehte sich eine alte Jazz-LP, Way Out West mit Sonny Rollins (Saxophon), Ray Brown (Bass) und Shelly Manne (Schlagzeug). Die Unmittelbarkeit der drei Instrumente, der Durchgriff ihrer Präsenz in das stickige, vollbesetzte Hotelzimmer, die akustische Frische der ein halbes Jahrhundert alten Schallplatte – es war ein Erlebnis.
Wenn nun von Langas Verdienst einzig aus einem überzeugenden Messeauftritt bestanden hätte, wäre das zwar lobens-, aber nicht weiter berichtenswert. Aber da ist mehr. Der Mann baut nicht einfach wie hunderte Anderer Lautsprecher, in dem Sinne, dass er serienmäßige oder nach Wunsch modifizierte Chassis in selbst entworfene Gehäuse schraubt – er baut vielmehr wirklich eigene Lautsprecher, also Tief-, Mittel- und Hochtonchassis, die dann in erster Linie einzeln zum Verkauf angeboten werden, aber auch in eigenen Schallwandlerkreationen Verwendung finden. Mittlerweile ist da eine beeindruckende Liste zusammengekommen, von Tieftönern aller Kaliber über Adaptionen historischer Breitbänder und Koaxial-Chassis bis zu Druckkammertreibern für Hochtonhörner.
Was sie alle von faktisch der gesamten Konkurrenz unterscheidet, ist das Antriebskonzept. Wolf von Langa bevorzugt Elektromagnete. Damit fallen die Chassis in die Kategorie der fremderregten, oder auch Feldspulen-, englisch „field coil“-Treiber. Die sind eigentlich technisch längst überholte Relikte aus der Frühzeit der elektrodynamischen Musikreproduktion. In den 1920er Jahren, als mit der Einführung des Tonfilms auch Bedarf an Beschallungstechnik für Kinosäle entstand, gab es noch keine ausreichend starken Permanentmagneten. Die benötigten Feldstärken ließen sich zunächst nur mit Hilfe von Elektromagneten generieren. Dann wurde aber schon 1931 der Magnetwerkstoff Alnico (ein Oberbegriff für Legierungen aus Aluminium, Nickel, Kupfer, Eisen und Cobalt) entwickelt, und so verabschiedeten sich die Hersteller schnell wieder von der aufwendigen Elektromagnettechnik. Was blieb, war eine kleine Anzahl Feldspulentreiber, konzipiert für die extremen Anforderungen der Kino- und Hallenbeschallung, realisiert mit heutzutage unvorstellbarem Entwicklungsaufwand von den größten Elektrokonzernen – anders gesagt: High End in Industriequalität.


Wolf von Langa hat sich mit vielen davon intensiv beschäftigt. Bei meinem Besuch in seiner Werkstatt, die einen guten Teil des gemütlichen Wohnhauses im fränkischen Örtchen Rödlas ausmacht, ist einiges an historischem Material zu entdecken. Hier wird bei Bedarf auch fachgerecht restauriert. Im Mittelpunkt steht aber die Fertigung der eigenen Chassis. Und die sind einfach lecker.
Von Langas Portfolio führt den Besitzer von, nun ja, schnöden Fertiglautsprechern schon mächtig in Versuchung. Das Gewicht der Treiber, die imposante Physis mit aus dem Vollen gefrästen Antrieben und Verstrebungen, nicht zuletzt auch die technischen Daten, da schleicht sich selbst beim technisch weniger versierten Audiophilen die Lust ein, auch mal etwas eigenes auf die Spikes zu stellen – in etwa so, wie im braven Heimwerker der Erstkontakt mit einer Hilti den Wunsch aufkeimen lässt, im Alleingang einen Altbau zu sanieren …
Jetzt aber nochmal im Detail: Warum Elektromagnet? Die Pro-Argumente sind durchaus objektiv. Ein Elektromagnet wird ungeachtet seines Alters und äußerer Einflüsse immer exakt die gewünschten Eigenschaften aufweisen. Die erzeugbare magnetische Flussdichte ist im Idealfall so hoch, dass die Metapher vom Raketenantrieb, mit Vorliebe angewendet vom ausgewiesenen Kenner historischer Lautsprechertechnik Michael Chung, Chef der koreanischen Elektronikschmiede Silbatone, keiner weiteren Erklärungen bedarf. Schließlich lassen sich mit einem Feldspulen-System unerwünschte Rückwirkungen der sich im Magnetfeld bewegenden Schwingspule auf eben jenes stark minimieren, womit mess- und hörbare Verzerrungen verringert werden.
Also kein Contra? Die Antwort gibt der Blick auf Gewichts- und Preisangaben im von-Langa-Katalog. Selbst feinste Ferrit- und Neodym-bestückte Treiber wirken daneben wie Schnäppchen. Bei einem von-Langa-Zweiwegesystem, wie beispielsweise dem aktuellen Modell Black&White für respektable 17600€, summieren sich allein die Kosten für Chassis und das passende Netzteil zu einem nicht unbeträchtlichen Batzen. Auf der Haben-Seite steht dann aber auch ein mit einer beeindruckenden Wirkungsgradangabe von 97 dB gesegneter, erstaunlich kompakter Wandler, der den Genuss von Kleinstleistungsröhrenverstärkern erlaubt, bei Bedarf aber auch durchaus vollgasfest ist.
Im Hause von Langa tut sich in der Zeit meines Besuches einiges. Das Wohnzimmer dominiert ein Prototypenpaar des künftigen Spitzenmodells Salon, bereit für die Premiere auf der Münchner High End. In der Werkstatt fallen Kugellautsprecher auf, „Stereo Dipole“ sollen es sein, ein witziges Konzept, das durch Anschlussart und Abstrahlcharakteristik akustisches Übersprechen zwischen den Stereokanälen vermindern soll. Im überraschend kleinen Hörraum verbringen wir schließlich einige vergnügliche Stunden bei guter Musik, die aus den dort aufgestellten Black&Whites aberwitzig feingliedrig und mühelos dynamisch ertönt, mit angesichts der niedrigen Bauhöhe ganz erstaunlicher Raumabbildung. Auch der sehr kurze Hörabstand wirkt sich ohrenfällig nicht negativ aus, das Klangbild wirkt wie aus einem Guss.
Wolf von Langa, der konsequent nur auf Bestellung fertigt, hat zu der Zeit kein verfügbares Lautsprecherpaar parat. Aber das wird sich eines Tages ergeben. Das Thema Feldspulentechnik behalte ich derweil im Blick – was ich bisher gehört habe, macht großen Appetit auf mehr.

 

www.wolfvonlanga.com

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