Creek Evolution 50CD – Der neue Maßstab

Evolution bedeutet schrittweise Entwicklung. Doch der klangliche Sprung, den der Creek Evolution 50CD nach vorne macht, gleicht eher einer Revolution

Absoluter „Best-Buy“! – Verzeihung, aber in diesem Fall muss das Fazit ausnahmsweise schon am Anfang stehen. Schließlich kommt es selten vor, dass ein Gerät sämtliche Erwartungen übertrifft. Der neue Creek Evolution 50CD bietet für höchst überschaubare 1150 Euro eine unglaublich hohe Klangqualität. Außerdem glänzt er mit bemerkenswerter Ausstattungsvielfalt und perfekter Bedienerfreundlichkeit. Kein Zweifel: Der Engländer setzt eine neue Bestmarke für erschwingliche CD-Player. Sagte ich gerade CD-Player? Bitte nochmals um Verzeihung – der Creek ist nämlich viel mehr als das. Darum bezeichnen ihn seine Entwickler auch lieber als D/A-Wandler mit CD-Laufwerk, aber dazu später mehr.
Sie sind rar geworden, die echten Überflieger für überschaubare Münze. Das hat natürlich nicht zuletzt mit einer sehr erfreulichen Tatsache zu tun: Der Klang günstiger Geräte ist heute auf einem Niveau angelangt, von dem man vor zwanzig Jahren nur träumen konnte. Damals war es etwa für einen Acoustic Research A-03 oder eine Linn Keilidh noch vergleichsweise leicht, aus der Masse herauszuragen. Umso höher ist die Leistung des Creek Evolution 50CD einzuschätzen, der ein solches Kunststück in unserer Zeit des extremen Konkurrenz-, Zeit- und Kostendrucks fertigbringt. Über den Creek freue ich mich ganz besonders, weil er einer großen Anzahl von Musikhörern den Zugang zu echtem High-End-Klang ermöglicht. In den letzten Jahren hat sich die audiophile Szene ja weitgehend in eine reine Luxusveranstaltung verwandelt. Es ist kaum zu übersehen, dass unsere Branche auf breiter Front komplett die Bodenhaftung verloren hat. Lautsprecher im Gegenwert stattlicher Immobilien oder Kabel, die soviel kosten wie hochwertige Autos schocken heutzutage niemanden mehr. Um nicht missverstanden zu werden: Ich habe überhaupt nichts gegen Equipment, das die Grenzen des Machbaren auslotet. Einigen Herstellern geht es aber offensichtlich schlicht darum, so viel zu verlangen, wie eine Handvoll Superreicher zu bezahlen gewillt ist. Manchen Menschen kommt dadurch leider völlig das Gefühl dafür abhanden, welche Produkte tatsächlich einen realistischen (geschweige denn einen besonders hohen) Gegenwert für die aufgerufenen Summen bieten – und welche nicht. Bei Gerätschaften mit fünfstelligen Preisschildern ist da bisweilen allen Ernstes von „Schnäppchen“ die Rede. Mir dagegen ist in jüngerer Vergangenheit nur sehr wenig HiFi mit einer nüchtern betrachtet wirklich überragenden Preis/Klang-Relation untergekommen. Beim Creek Evolution 50CD befürchte ich allerdings – genau wie bei einigen Geräten von Lector und NuForce –, dass er beinahe zu billig ist, um so ernst genommen zu werden, wie er es verdient hat.
Derart selbstverständlich wie der kleine Creek klangen CD-Player um 1000 Euro bislang nicht. Gewiss, manche von ihnen verfügen über eine ausgeprägte Spielfreude. Aber dafür sind normalerweise mehr oder weniger deutliche Abstriche in anderen Disziplinen hinzunehmen. Mit dem Creek Evolution 50CD ist die Zeit solcher Kompromisse vorbei. Er spielt mit seinem blitzblanken und sensationell detailreichen Klang problemlos in der nächsthöheren Liga mit. Mal um Mal sitze ich mit heruntergeklappter Kinnlade vor der Anlage – nie und nimmer würde ich bei geschlossenen Augen darauf tippen, dass hier ein so erschwinglicher Player den Ton angibt! Obwohl er das Tor zur Musik sperrangelweit aufstößt, verfolgt er die Klänge gleichzeitig bis in ihre feinsten Verästelungen. Selbst wenn Sie das Doppelte ausgeben, werden Sie garantiert nicht mehr Informationen von Ihren CDs zu Gehör bekommen. Auch die räumlichen Fähigkeiten des Creek sind enorm: So plastisch und stabil wie er stellen nur wenige Player die virtuellen Musiker in die heimischen vier Wände. Zudem reicht seine Abbildung ungewöhnlich weit in die Tiefe. Dennoch ist jede Schallquelle mit geschlossenen Augen präzise ortbar; nirgends franst etwas aus oder läuft ineinander über. Erst erheblich teurere Geräte können sich nennenswert vom Evolution 50CD absetzen.
Mein röhrenbestückter Lector CDP-707 geht zwar noch etwas luftiger zu Werke und verleiht Gesang noch mehr „Live-Flair“, aber immerhin kostet der Italiener bereits das Dreifache des englischen Wunderknaben. Dass der Creek insbesondere in den unteren Oktaven nicht ganz so voluminös und nachdrücklich agiert wie die „Großen“ von Lector, Lindemann, Ayre oder Audia Flight, ist ebenfalls kein Wunder bei der heftigen Preisdifferenz. Ohne direkten Vergleich wird es jedoch kaum jemandem auffallen, denn der Creek ist tonal perfekt ausbalanciert. Seinen ähnlich günstigen Mitbewerbern dagegen mangelt es oft an Substanz, so dass man permanent versucht ist, kompensatorisch immer noch ein Stückchen lauter zu drehen. Das führt natürlich nie zum Ziel, denn auch ein lauter dünner Klang bleibt nun mal ein dünner Klang. Doch davon kann angesichts des wohlproportionierten, straffen Creek-Untergeschosses keine Rede sein.


Werfen wir einen Blick auf die nicht minder beeindruckende Ausstattung des in schwarz oder silber erhältlichen Evolution 50CD. Viele seiner direkten Konkurrenten von der Insel kommen bekanntlich arg spartanisch daher, aber beim Creek wurde, so hat es den Anschein, fast nirgends der Rotstift angesetzt. Er verfügt über zwei optische und zwei koaxiale Digitaleingänge, die 24Bit/192kHz verarbeiten können, sowie über einen asynchronen USB-Input, der maximal 24Bit/96kHz akzeptiert. Digitale Datenströme finden über einen koaxialen oder einen optischen Ausgang den Weg nach draußen; analoge Signale entweder über ein Paar Cinch-Buchsen oder ein Paar XLR-Anschlüsse. Die gesamte Audio-Schaltung des Creek – mit zwei Wandlerchips vom Typ Wolfson WM8742 – befindet sich auf einer einzigen Platine direkt bei den Anschlussbuchsen. Ein ordentlicher Ringkerntrafo versorgt die analogen und die digitalen Schaltkreise durch separate Wicklungen getrennt mit Spannung. Überaus positiv überrascht hat mich das verbaute CD-Laufwerk. Im Gegensatz zu vielen anderen Slot-Loadern ist das Exemplar im Creek weder eine Klangbremse noch ein Krachmacher.
Vorbildlich ist auch das in drei Stufen dimmbare oder ganz abschaltbare OLED-Display. Eine nette Idee sind die hinterleuchteten Tasten auf der Front, deren Helligkeit analog zum Display variiert. Mit der beiliegenden, übersichtlich gestalteten Systemfernbedienung lässt sich auch der neue, optisch bestens mit unserem Probanden harmonierende Evolution 50A-Vollverstärker für schlanke 900 Euro befehligen. Außerdem kann der Besitzer des Evolution 50CD mit dem Impulsgeber im laufenden Betrieb zwischen fünf verschiedenen Ausgangs-Digitalfiltern hin- und herschalten und dadurch den Klang feinfühlig beeinflussen. Ich muss allerdings gestehen, dass ich zwischen einigen der Filter beim besten Willen keinen Unterschied heraushören kann. Gut, der Schritt vom ersten zum fünften Filter ist ziemlich deutlich: Filter Nummer Eins („Linear Phase Classic“) sorgt für einen ausgewogeneren Frequenzgang, während Nummer Fünf („Minimum Phase Apodizing“) phasenlinearer arbeitet. Soweit die Theorie. In der (Hör-)Praxis gefällt mir eindeutig die zweite Variante besser. Der Hochton integriert sich einfach stimmiger in das insgesamt organischer und luftiger wirkende Gesamtbild. Als wäre diese enorme Anschluss- und Funktionsvielfalt noch nicht umfangreich genug, haben die Engländer in ihrem Allrounder auch noch eine digitale Lautstärkeregelung implementiert. Damit kann er einen Vorverstärker ersetzen und eine Endstufe direkt ansteuern. Zwar ist diese Funktion bei meinem Gerät noch nicht verfügbar, wird aber sehr bald per leicht aktivierbarem Software-Update nachgereicht.
Jedes Mal, wenn ich mit dem Evolution 50CD Musik höre, staune ich über die frappierende Klarheit seiner Darbietung. Herrlich facettenreich reproduziert der britische Flachmann zum Beispiel die wunderbare Stimme von Grey DeLisle auf The Graceful Ghost. Genauso umfassend, wie mich der Creek in die intime Aufnahmesituation förmlich hineinkatapultiert, ziehen mich die einfachen Songs in ihren Bann. Und dabei ist auf meinem Lieblingsalbum der amerikanischen Künstlerin noch nicht einmal die ganze Bandbreite ihres extrem wandlungsfähigen Organs zu hören, das die hauptberufliche Synchronsprecherin oft animierten Film- und Computerspiel-Charakteren leiht.
Einen Sog von ganz anderer Art entfalten die Stücke auf der treffend betitelten CD Vibrant Forms von Fluxion. Kann man Dub-Techno überhaupt für Klangvergleiche verwenden? Und ob! Kalt klingen die komplett mit analogen Synthesizern produzierten, atmosphärisch dichten Tracks wohl mit keinem CD-Player. Aber es gibt viele, die das erstmals 1999 auf dem Label Chain Reaction veröffentlichte Album auf ein seelen- und ideenloses „Bummbummbumm“ reduzieren. Was wirklich in den Grooves steckt, entpuppt sich erst mit einem Kaliber wie dem Creek Evolution 50CD: Jetzt wird plötzlich klar, dass keine Maschine, sondern ein Mensch die hypnotischen Klänge verantwortet. All das, was sich um die tragenden Beats herum abspielt und was die erwähnte Konkurrenz dem Hörsinn als unwichtig verkauft, ist nun bedeutungsvoll. Auf einmal hat man eine überraschend vielschichtige Musik mit permanenten, subtilen rhythmischen Verschiebungen vor sich. Faszinierend auch, wie spielend leicht der Creek die Vorzüge der remasterten Version des Albums verdeutlicht, die 2013 auf Type Records erschienen ist: Der teils stark verrauschte Klangnebel des Originals lichtet sich, alles hat mehr Saft und Kraft und der künstliche Raum wirkt erheblich größer und klarer definiert.
Wenn Creeks neues Multitalent keine Furore macht, dann ist unsere langsam in überteuertem Protz-HiFi ertrinkende Szene wohl wirklich nicht mehr zu retten. Ernstzunehmende Konkurrenz sehe ich für unseren Preisbrecher um 1000 Euro herum derzeit keine. Und bevor Sie einen CD-Player für zwei- bis dreitausend Euro kaufen, sollten Sie sich den Creek Evolution 50CD zumindest einmal anhören. Möglicherweise können Sie sehr viel Geld sparen, ohne irgendwelche Zugeständnisse machen zu müssen. Ganz dicke Empfehlung!

Creek Evolution 50CD
D/A-Wandler mit CD-Laufwerk

Ausgänge analog: 1 x Cinch, 1 x XLR
Digitalausgänge: 1 x S/PDIF koaxial, 1 x XLR
Digitaleingänge: 2 x S/PDIF koaxial, 2 x TosLink optisch, 1 x USB
Besonderheiten: Digitale Lautstärkeregelung, fünf wählbare digitale Ausgangsfilter
Ausführungen: Silber oder Schwarz
Maße (B/H/T): 43/6/28 cm
Gewicht: 5,5 kg
Garantiezeit: 2 Jahre

www.inputaudio.de

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