Q Acoustics Concept 20 – Wenn die Erbtante lacht

Auch für kleine Lautsprecher kann man große Summen ausgeben. Muss man aber nicht.

Mal angenommen, Sie beschließen, Ihr Geld in Zukunft mit preisgünstigen Lautsprechern verdienen zu wollen. In diesem hart umkämpften und extrem dicht besetzten Marktsegment – dem sogenannten „Hi-Fischbecken“ – müssen Sie sich schon richtig was einfallen lassen, um überhaupt aufzufallen. Immerhin drei prototypische Schwimmszenarien stehen zur Auswahl:
1.) Die Harakiri-Variante: Sie nageln irgendwelche billigen Treiber in irgendwelche billigen Kisten und bieten diese Boxen irgendwie zum Sensationspreis an. Nur: Diese „Idee“ haben auch andere LoFi-Hasardeure jeden Tag aufs Neue. Und es wird immer irgendwo jemanden geben, der alles irgendwie noch ein bisschen billiger machen kann. Und natürlich auch noch ein bisschen schlechter. Aber das interessiert hier niemanden. Sie sind ruckzuck Fischfutter.
2.) Die Erbtanten-Variante: Sie sind eigentlich Künstler oder Weltverbesserer von Beruf(ung) und verballern die Reserven der Erbtante für ein selbstverständlich „einzigartiges Lautsprecherkonzept“. Sie dilettieren autodidaktisch und mithilfe eines Kumpels, der „schon in den 80ern geniale Boxen gebaut“ hat. Die erste, viel zu spät erstellte Kalkulation zeigt, dass Ihr einzigartiger Premiumanspruch zu einem einzigartigen Preis führt. Die Erbschaft ist futsch, den Kumpel „bezahlen“ Sie mit dem einzig funktionierenden Paar der Vorserie. Sie landen als Aushilfe in einem guten HiFi-Laden. Dort hören Sie, was der zuvor verachtete Mainstream mittlerweile für kleines Geld auf die Stative stellt. Eine erstaunliche Erfahrung. Nur zu spät.
3.) Die Profi-Variante: Sie sind Wirtschaftsfachmann, kennen die Lautsprecher-Branche aus dem Effeff, analysieren Markt und Käuferwünsche, engagieren eine Handvoll zuverlässiger Experten und arbeiten zielgerichtet, um ihre neue Marke zu etablieren – jawohl, mit preisgünstigen Lautsprechern.
Jetzt raten Sie doch mal, welche Variante das 2006 gegründete Unternehmen Q Acoustics gewählt hat. Tatsächlich hat Q Acoustics in nur wenigen Jahren zunächst den britischen Markt aufgemischt und etliche Awards abgeräumt. Mittlerweile ist Q Acoustics dabei, auch Kontinentaleuropa (und den Rest der Welt natürlich auch, so viel Unternehmungslust muss sein) mit ihren preisgünstigen Klangperlen zu erobern.
Bei der Entwicklung des hier vorzustellenden Modells Concept 20 spielt ein gewisser Karl-Heinz Fink eine entscheidende Rolle. Fink ist gesuchter Berater und Entwickler für unzählige Audio-Projekte, besitzt enormes Know-how, einen imposanten Messpark und zudem kaufmännisches Gespür. Berührungsängste oder Vorbehalte sind der grauen Eminenz der Lautsprecherszene fremd: Finks Auftragsarbeiten umfassen alles vom (seriösen) Low-Budget-Produkt bis zum Hochpreis-Nobelprojekt.
Bei der kleinen, preisgünstigen Q Acoustics Concept 20 setzte Fink die Prioritäten beim Gehäuse und beim passenden Stativ – definitiv klangentscheidende Teile. Chassis und Frequenzweiche übernahm er weitestgehend aus dem „kleineren“ Modell 2020i. Optimal wäre, wenn außer den eigentlichen Treibern eines Lautsprechers rein gar nichts (mit)schwingt. Und mit ihrem aufwendigen „Gelcore“-Gehäuse, eine Art Box in der Box, robbt sich die Concept 20 tatsächlich schon nahe ans theoretische Ideal heran. Zu sehen ist davon nichts, die Sandwich-Konstruktion aus zwei 10-mm-Lagen MDF mit dazwischenliegender Gel-Schicht versteckt sich unter sehr schickem Hochglanzlack in Weiß oder Schwarz. Die Vorteile aber sind klar zu hören und zu spüren, oder besser: genau das eben nicht. Das Gehäuse bleibt selbst bei beängstigend großen Pegeln und entsprechend großen Membranauslenkungen des Tiefmitteltöners unglaublich ruhig. Es mischt sich nicht in den Klang ein.


Davon profitiert der Hochtöner übrigens in doppeltem Maße. Er ist in der mehrlagigen Schallwand zusätzlich vom ohnehin ruhiggestellten Gehäuse entkoppelt. Was entscheidend dazu beiträgt, dass auch der Hochtonbereich der Concept 20 stets klar definiert und deutlich, aber nie verschmiert oder gar zickig klingt. Überhaupt ist Klarheit eine der herausragenden Klangeigenschaften der überaus kompakten Concept 20. Sie geht auch in mittleren und tieferen Lagen schon richtig „highendig“ zu Werke und verzichtet dankenswerterweise auf die sonst in dieser Preis- und Größenliga üblichen Showeffekte; Stichwort: „Grundtonbuckel“. Neben ihrer grundsätzlich sportlich-straffen, unaffektierten Spielweise bietet die kleine, wirklich hübsche Britin auch eine überaus präzise Raumdarstellung, die sie sogar als Nahfeldmonitor (auf Mischpult oder Schreibtisch) qualifiziert. Und selbst wenn sie tatsächlich im Regal oder auf dem Sideboard aufgestellt werden muss, klingt sie dort immer noch ausgewogener als die allermeisten Konkurrentinnen. Klanglich optimal und absolut empfehlenswert ist das Teamwork mit dem passenden Stativ. Es hat die richtige Höhe zum entspannten Hören, steht auf seinen drei massiven Spikes absolut wackelfrei und sieht mit der hinteren Querstrebe aus dickem Glas sogar richtig gut aus. Drei Aussparungen auf ihrer, Sie ahnen es bereits, „Gelcore“-Basisplatte nehmen entsprechende Pucks der Concept 20 auf.
Als Hinweis für die Elektronik darf das massive Bi-Wiring-Terminal auf der Rückseite dienen. Die Concept 20 schätzt, wie praktisch alle Mini-Monitore, saubere und üppige Leistung. Sie zeigt zwar bereits mit 15 oder 20 Watt verblüffende Talente, doch ihre wahre, wirklich erstaunliche „akustische Größe“ entfaltet sie am besten mit potenten, wohlklingenden Amps, die keineswegs teuer sein müssen, etwa von Arcam, Creek, Goldenote oder NAD. Damit klingt die durch und durch professionell gemachte Concept 20 derart gut, dass auch die Erbtante wieder lacht.

 

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