Canton AM 5 – Volltreffer!

Meiner Ansicht nach gehört der neue, superkompakte Canton AM 5 zu den derzeit besten Nahfeldmonitoren weltweit. Erfahren Sie hier, warum.

Regelmäßigen FIDELITY-Lesern wird vielleicht auffallen, dass dies bereits mein vierter Bericht ist, der sich mit dem Thema Nahfeld-Monitoring auseinandersetzt. Das liegt daran, dass mich dieses Thema sowohl aus beruflicher als auch aus highfideler Perspektive gleichermaßen brennend interessiert: Beruflich deshalb, weil ich meine Brötchen unter anderem auch mit dem Mastering von Musikaufnahmen verdiene. Und highfidel aus dem Grunde, weil es meiner Ansicht nach kaum eine bessere Möglichkeit als das Hören im Nahfeld gibt, mit der Musik intensiv „auf Tuchfühlung“ zu gehen. Hören im Nahfeld ist praktisch wie Hören mit Kopfhörer – jedoch mit Lautsprecher-typischer frontaler Stereo-Perspektive.
Bedingt durch Computer-Audio ist Desktop-HiFi ohnehin derzeit ein angesagtes Thema. Es wundert daher nicht, dass neben unzähligen DAC/Pre-Amp-Kombis auch die für diesen Zweck geradezu idealen, weil vollaktiven Kompaktlautsprecher wie Pilze aus dem Boden schießen. Früher teilten sich diese Domäne eher die Profi- und Semiprofi-Hersteller wie A.D.A.M, Dynaudio, Genelec, Klein & Hummel, Mackie und Yamaha. Mittlerweile haben aber auch HiFi-Hersteller wie etwa Focal, KEF und Nubert diese Genre für sich entdeckt, und das sogar relativ erfolgreich.
Lautsprecher-Marktführer Canton hingegen hat sich relativ lang Zeit gelassen, dieses Marktsegment zu bedienen, obwohl ein entsprechendes Produkt schon seit längerem geplant war. Doch seit kurzem gibt es ihn nun, den wirklich ausgesprochen kompakten, pro Paar knapp 700 Euro teuren AM 5. Er ist in schwarzem oder weißen Schleiflack-Outfit erhältlich – und natürlich mit den markentypischen Lochblech-Frontgittern, die sich selbstredend auch entfernen lassen. Ebenso wie seine Konkurrenten soll auch der Canton AM 5 als aktiver Multifunktions-Lautsprecher alle möglichen Anwendungen abdecken können, beispielsweise als Surround-Lautsprecher. Eine optionale Halterung, die sich rückseitig anschrauben lässt, erlaubt zudem die Befestigung des AM 5 an Decken oder Wänden.
Ein Blick auf seine Rückseite macht allerdings schnell klar, wo mit dem AM 5 die Musik in erster Linie spielen soll – nämlich in kleinen Projekt- oder Tonstudios. Neben einem symmetrischen XLR-Analogeingang (genau so gehört sich das – alternativ gibt’s aber auch eine unsymmetrische RCA-Buchse) finden sich ein halbes Dutzend Schiebeschalter, die ein vielfältiges Anpassen ans akustische und elektrische Umfeld ermöglichen. Neben der Bass- und Hochtonkompensation ist dabei ein Schalter besonders erwähnenswert, mit dem sich auch die unteren Mitten im Bereich zwischen etwa 200 und 500 Hertz um bis zu 4 Dezibel absenken lassen: Damit wird der akustische Einfluss von Grenzflächen nahe dem Lautsprecher, beispielsweise die Tischplatte oder das Mischpult, kompensiert. Auf dieses wichtige Feature einer vollständigen akustischen Ortsanpassung verzichten leider die meisten von HiFi-Herstellern stammenden Nahfeld-Monitore.
Statt Sie nun weiter mit „Tech-Facts“ zu langweilen, die Sie ohnehin im Technik-Kasten nachlesen können, möchte ich schnell zum zentralen Punkt, sprich auf den Hör- und Praxistest kommen. Und hierfür reicht in der Tat beinahe ein einziger Satz. Denn meine erste Begegnung mit dem Canton AM 5 war wie Liebe auf den ersten Ton. Es hat wirklich kaum 10 Sekunden gedauert, bis ich wusste: „Der isses!“ Der nahezu perfekte Nahfeldmonitor zum Beurteilen und Mastern von Aufnahmen nämlich. Das einschränkende „nahezu“ auch nur deshalb, weil der AM 5 durch seine Größe naturgemäß nicht in der Lage ist, extrem tieffrequente Störgeräusche, wie sie beispielsweise von Klimaanlagen in Aufnahmeräumen oder Sälen verursacht werden, wiederzugeben. (Ein passender Subwoofer ist bei Canton jedoch schon in Arbeit.)


Alles andere jedoch gelingt dem kleinen Canton perfekt, was für mich zuallererst bedeutet: Der AM 5 lässt den Zuhörer nicht eine Sekunde im Zweifel darüber, in welchem Zustand die augenblicklich wiedergegebene Aufnahme ist.
Nun sollte man meinen, dass sei mit jedem Lautsprecher möglich, der einen linearen Frequenzgang aufweist und ein ausgeglichenes Abstrahlverhalten besitzt. Meine Erfahrung ist da jedoch eine ganz andere, wie ich erst kürzlich wieder beim Mastern einer Aufnahme mit einem anderen Monitor erleben musste. Drum wage ich jetzt einfach mal die Behauptung: Solange es ausschließlich ums reine Musikhören geht, so wird man mit den meisten Nahfeldmonitoren gut klarkommen – will man jedoch gezielt und dazu noch möglichst schnell und unmissverständlich „wissen“, was mit der Aufnahme los ist, um daran zu arbeiten, bleiben vom ursprünglich großen Marktangebot nur noch ganz, ganz wenige übrig, die das leisten können.
Absoluter Standard zur akustischen Orientierung war da bislang für mich die altehrwürdige LS 3/5A: Was auf ihr gut und ausgewogen klingt, klingt auch auf allen anderen Lautsprechern gut und ausgewogen. Und genau das gelingt dem Canton AM 5 ebenfalls, hinsichtlich Präzision und Konturenschärfe sogar noch etwas exakter als der LS 3/5A: Der unscheinbare Canton spielt dermaßen selbstverständlich, dass ich immer wieder erstaunt darüber bin, wie leicht konzentriertes Zuhören fallen kann – und wie treffsicher als Folge daher auch korrektive Eingriffe beim Mischen oder Mastering erfolgen. Die klanglichen Auswirkungen hiervon sind keineswegs nur kosmetischer Natur, wie untenstehende Grafik deutlich zeigt: Dargestellt ist das über die gesamte Titellänge ermittelte Frequenzspektrum eines Songs – einmal gemastert über einen vergleichbar großen Aktiv-Monitor (weiße Linien) – das andere Mal über den Canton AM5 (violett). Gut zu erkennen, dass beim Canton der Peak bei 8,6 Kilohertz, weil über ihn sehr gut hörbar und entsprechend korrigiert, um beinahe 4 Dezibel geringer ausfällt. Zudem legt der gesamte Bereich ab 2 Kilohertz durchschnittlich 1 Dezibel zu, was die Aufnahme nun insgesamt deutlich transparenter macht.
Willkommener Nebeneffekt: Auch an highfidelen Maßstäben gemessen “klingt” er super, so dass das Arbeiten mit ihm richtig Spaß macht.

www.canton.de

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