Ensemble – Draht zur Musik

Wer audiophile Kabel prinzipiell für Hokuspokus hält, blättert jetzt am besten weiter. Der folgende Text ist für Menschen bestimmt, die erst nach dem Hören urteilen.

Bei diesem Hörvergleich ging es nicht um Nuancen. Die untersten Frequenzen reichten sie etwas weniger energisch durch als gute Kabel aus Kupfer, aber ansonsten spielten die Reinsilber-Signalkabel von Argento Audio in einer eigenen Liga: extrem offen und detailreich, dabei nie spröde oder höhenlastig wie andere Silberdrähte, die ich ausprobierte. Ziemlich teuer waren die Argentos allerdings auch. Glücklicherweise konnte ich sie wenig später für einen vertretbaren Preis gebraucht auftreiben. Seitdem erlebte ich bei Kabelexperimenten immer wieder Überraschungen, beispielsweise mit den ebenfalls recht kostspieligen Stromkabeln von Nordost. Dass auch Netzkabel den Klang stark prägen können, war mir bis dahin nicht bewusst. Schließlich landete ich vor gut fünf Jahren bei den Kabeln von Acoustic System. Mit der furiosen Energie der LiveLines konnte kaum ein anderes Kabel mithalten. Darum übernahmen sie bis vor Kurzem die Strom- und Signalübertragung in meiner Kette.
Gibt es eine Kabelfamilie, die den LiveLines das Wasser reichen kann, ohne das Bankkonto stärker zu belasten? Eine, die zudem vielleicht etwas neutraler und damit universeller einsetzbar ist als die Charakterköpfe von Franck Tchang? Ja, die gibt es, und sie ist sogar erheblich günstiger, obwohl sie aus der Schweiz stammt. Überdies kommt sie in wesentlich hochwertigerer Optik und Verarbeitung daher. Es handelt sich dabei um die Modelle Espressivo und Luminoso von Ensemble. 480 Euro ruft Ensemble für einen Stereometer des mit Cinch-Steckern bestückten Espressivo auf. Konfektioniert mit XLRs kostet das NF-Kabel 455 Euro. 1,5 Meter Luminoso schlagen mit 420 Euro zu Buche, wenn es als Stromkabel dient. Das Luminoso fungiert aber auch als Lautsprecherkabel – in diesem Fall kostet es in einer Länge von 2 x 3 Metern 975 Euro mit Kabelschuhen, oder 1035 Euro mit Bananensteckern.
Ich nutze Urs Wagners Kabel-Set nun schon seit gut einem Jahr mit den verschiedensten Komponenten und bin überaus angetan von seinen Qualitäten. Auf diese Strippen war ich sehr gespannt, denn erstens sind Ensembles vorzügliche Netzleisten – bisher der „Power Point“, jetzt dessen Nachfolger namens „Power Link Plus“ – ein unverzichtbarer Bestandteil meiner Anlage, und zweitens befindet sich das Ensemble-System seit vielen Jahren stets unter meinen persönlichen Messe-Highlights.
Urs Wagner optimiert seine Produkte mit unglaublicher Liebe zum Detail. Ensemble einen Vollsortimenter zu nennen, stellt beinahe schon eine Untertreibung dar. Neben Kabeln, Stromverteilern und einer kompletten Kette von der Quelle bis zum Lautsprecher sind auch Trenntrafos, Unterstellbasen, Röhrendämpfer sowie Spezialflüssigkeiten zur Reinigung von Kontaktoberflächen und optischen Datenträgern im Angebot. Obendrein verwendet Urs Wagner an vielen Stellen keine Bauteile von der Stange, sondern entwickelt zum Beispiel sogar Polklemmen und Röhrenfassungen selbst. Wen wundert es da noch, dass der anspruchsvolle Schweizer auch mit gewöhnlichen Cinchsteckern und Kabelschuhen nicht zufrieden ist und deswegen seine eigenen fertigt? Mit diesen exzellenten Verbindern sind selbstverständlich auch Espressivo und Luminoso konfektioniert.


Beide Ensemble-Kabel verfügen über Litzenleiter aus hochreinem Kupfer. Beim Espressivo kommen fünf Leiter à 0,34mm² zum Einsatz; beim Luminoso sind es drei Leiter mit jeweils 2,08mm². Beide Kabeltypen sind mehrstufig geschirmt. Das machte mich zunächst skeptisch, weil mich Leiter mit Abschirmung bisher nie so recht überzeugen konnten. Anscheinend lag das nicht am Schirm per se, denn die Ensembles klingen herrlich offen, ungebremst und dynamisch. Laut Hersteller sollen sie durch ihre stabile Konstruktion unerwünschten Resonanzeffekten vorbeugen. Jedenfalls sind sie relativ steif und benötigen daher etwas mehr Platz beim Verlegen. Das schillernde Türkis der Ensemble-Kabel sieht in natura noch edler aus als auf Fotos und unterstreicht ihre ohnehin exquisite Erscheinung.
Genau wie jeder Lautsprecher oder Verstärker hat natürlich auch jedes Kabel seinen eigenen Klangcharakter. Die Unterschiede spielen sich hier freilich meistens in anderen Größenordnungen ab, aber mit einer adäquaten Anlage und offenen Ohren sind sie normalerweise dennoch leicht zu identifizieren. Steht dergleichen nicht zur Verfügung, kann man immer noch positiv denken und sich über das gesparte Geld freuen. Nachdem ich mich mit den Ensembles vertraut gemacht habe, lese ich mir das dazugehörige Infoblatt durch. Darin wird unter anderem auch der Klang der aquamarinen Leitungen beschrieben. Ich erwarte das übliche, nichtssagende Marketing-Gefasel vom „unverfälschten Signaltransport“. Verblüfft entdecke ich stattdessen eine ausführliche Aufzählung klanglicher Eigenschaften, die sich bis aufs i-Tüpfelchen mit meinem Höreindruck deckt.
Von einem „geräuschlosen Hintergrund“ ist da beispielsweise die Rede. In der Tat: bereits ein einziges Espressivo in der Kette bringt eine angenehme Ruhe ins Klangbild, aus der heraus die Musik ungewohnt sauber und kontrastreich entsteht. „Perfekt ausgewogener, natürlicher Klang“ wird ebenfalls zugesichert, und auch dieses Versprechen wird eingelöst. Dadurch wirken die Schweizer Kabel gegenüber den knackigen LiveLines etwas weniger explosiv, doch es mangelt ihnen keineswegs an Tempo, Biss oder rhythmischem Feingefühl. Derartiges nimmt bei ihnen lediglich keine Sonderstellung ein. Wenn die angeschlossenen Komponenten keinen kabelinduzierten Koffeinschub nötig haben, führt die beispielhafte Balance der Ensembles zu einem stimmigeren Ergebnis. Dass seine Kabel eine enorme Menge an Feinheiten übertragen, ohne sich darin zu verzetteln, formuliert der Hersteller folgendermaßen: „Mikroinformationen (sind) natürlich eingebettet ins Gesamtklanggeschehen“. Ferner hebt er vollkommen zu Recht die „Luftigkeit des akustischen Raums“ hervor – Die Abbildung der Ensembles ist tatsächlich außerordentlich dreidimensional und löst sich hervorragend von den Lautsprechern.
Konträr zu dem, was der Firmenname eventuell vermuten lässt, überzeugen die noblen Kabel aus der Schweiz nicht nur im Team, sondern auch einzeln. Außerdem fügen sie sich problemlos in ein markenfremdes Umfeld ein. Je mehr man sie jedoch zu einem vollständigen Ensemble ausbaut, desto zuverlässiger sorgen sie für eine klangliche Präzision und musikalische Harmonie, die man nur sehr selten zusammen antrifft. Espressivo und Luminoso bieten angeblich „ein schwer zu schlagendes Preis-Leistungs-Verhältnis“. Auch in diesem Punkt muss ich Urs Wagner voll und ganz beipflichten. Es lohnt sich wirklich, in diese ausgezeichneten Kabel zu investieren. Ich habe das übrigens gerade getan.

 

www.ensembleaudio.com

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