High End Swiss im Aufwind

Von wegen „verflixtes 7. Jahr“: Betrachtet man die nackten, durchaus beeindruckenden Abschlusszahlen der diesjährigen High End Swiss (mehr als 2300 Besucher), könnte man auf die Idee kommen, auf der mittlerweile siebten Veranstaltung dieser Art hätte ein gewisses Grundgedrängel auf den Fluren geherrscht und es wäre kaum ein ordentlicher Hörplatz in den Vorführräumlichkeiten zu bekommen. Doch diese Messe findet in der Schweiz statt, also kann von Hektik und Gedrängel keine Rede sein. Und es gibt Platz zur Entfaltung. Ich liebe das!
Wer sich für die High End Swiss im Jahr 2015 wenigstens einen vollen Tag Zeit nahm, konnte schon in aller Ruhe durch die Vorführungen der 45 Aussteller schlendern und sich einen ziemlich vollständigen ersten Eindruck vom hohen Niveau der Veranstaltung verschaffen. Bei den gelungensten Demonstrationen im Zürich-Regensdorfer Mövenpick-Hotel – wenigstens eine, vielleicht zwei Handvoll wirklich exzellenter Systeme brillierte mit Top-Performance – lohnte sich ein Wiederkommen dann doppelt und dreifach. So führte Enzo Nolli (Audiosphere) beispielsweise nicht nur eine wirklich große Box von Trenner&Friedl an der kurzen Jeff-Rowland-Leine, sondern erfüllte die Suite etwas später auch mit dem erstaunlich großen Klang eines Kompaktmonitors aus gleichem Hause – der mit 8000 SFr allerdings auch ein erstaunlich großes Preisschild verpasst bekommen hatte.
Gleich von mehreren, klanglich völlig unterschiedlich „positionierten“ Besuchern wurde die Suite von Ouir Ton & Technik gelobt. Kein Wunder: Dort sorgten nicht nur Congas, „abgewrackte“ E-Gitarren und Blues-Brothers-Figuren als dekoratives Beiwerk für eine lockere Atmosphäre, sondern auch (und in erster Linie) die unterschiedlichen Konfigurationen von Audio Note. Die Palette der Möglichkeiten reichte vom winzigen, preisgünstigen und in unschuldigem Weiß auftretenden Zero-System bis zum großen Röhrenamp aus der Ongaku-Familie.


In auffälligem Violett hingegen leuchteten die Verstärker von MusikWonder. Sie spielten an einem Lautsprecherpaar mit wahrlich gigantischen Tieftönern auf. Wer nun brachiale Bassgewalten erwartete, konnte beruhigt auf- und durchatmen: DIe Performance war dank digitaler Einmessung auf den Raum hochgradig zivilisiert und alles andere als hemdsärmelig, sondern fein und luftig. MusicWonder nennt diese Art des Musikhörens „Klangbaden“ und gehört zu den auf der High End Swiss traditionell recht zahlreich vertretenen Heimspielern eidgenössischer Klangkunst. Wie auch Klangwerk: Bei Markus Thomann, der gleich ein ganzes Quartett von speziellen aktiven Tieftonlautsprechern – don’t call it subwoofer! – zur Kontrolle der Bässe im Raum einsetzte, klang es überaus schlank, durchhörbar und diszipliniert.
Irgendwie hatte ich erwartet, auf der High End Swiss 2015 auch auf Zugspitz Audio zu treffen, doch irgendwann fiel es mir wieder ein: Die feschen „typisch eidgenössischen“ Burschen stammen aus dem niedersächsischen Münsterland … Wie zum Ausgleich besuchte ich (kopfschüttelnd und in mich hineingrinsend) eine erstaunliche Vorführung von – Sie werden es kaum erraten: Canton.
Übrigens war von etlichen Ausstellern zu erfahren, sie seien insbesondere „mit der Qualität der Besucher zufrieden“. Da fühlen wir uns doch gleich geschmeichelt, markieren sofort den 15. und 16. Oktober 2016 im Kalender – und werden auch die achte High End Swiss besuchen.

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