Die aktive Version dieses der Manger MSS p1 ist ein Präzisionsinstrument allererster Güte. Die passive Variante eröffnet noch ganz andere Perspektiven: Es darf al gusto gewürzt werden

Um ein paar ganz grundlegende Fest-stellungen gleich zu Beginn komme ich einfach nicht herum.
Erstens: Dieser Lautsprecher sieht unglaublich elegant aus. Zugegeben, diese Aussage kommt mir in letzter Zeit etwas häufiger über die Lippen als in vielen Jahren zuvor, aber so ist es nun mal: Das „Reference Passive System MSS p1“ von Manger (kurz: „MSS p1“ oder noch kürzer „p1“) ist ein äußerst wohlgestaltetes Objekt der Begierde. Warum es aber genau o ausschaut, wie es ausschaut, und warum gutes Design keine Nebensache sein sollte (und auch nicht ist), darüber werde ich mich später noch mit dem Designer der p1 ausführlicher unterhalten.
Zweitens: In ihrer ursprünglichen vollaktiven Version ist die Manger-Säule (MSM s1; siehe FIDELITY Nr. 9, „Zeitung lesen auf dem Mond“) ein ultimatives Werkzeug für professionelle und semiprofessionelle Ohrenmenschen, etwa für höchst ambitionierte Highender oder Toningenieure. Und sie macht ihre Sache derart gut, dass es mir schwer fällt, insbesondere für akustisch eingespielte Musik irgendeine noch bezahlbare Alternative zu nennen. Die hier vorgestellte, seit kurzem lieferbare Passiv-Version hat also ein ganz schönes Erbe zu stemmen.
Drittens: Die p1 will eigentlich ein ganz normaler Lautsprecher sein. Das kann sie genau genommen aber gar nicht sein. Denn der auch hier verwendete Manger-Schallwandler (MSW) ist kein normaler Treiber, sondern ein Kunstwerk. Na gut, etwas prosaischer: ein extrem präziser, unvergleichlicher Treiber, der in puncto Schnelligkeit und Impulstreue absolute Maßstäbe setzt. Also hat der bedauernswerte Tieftöner kein leichtes Spiel, sondern wird vielmehr im Teamwork mit dem sagenhaften MSW ganz besonders (heraus)gefordert. Er muss bis 360 Hertz hinauf möglichst flink agieren und versuchen Schritt zu halten. Aus exakt diesem Grund kann der Tieftöner auch nur in einem geschlossenen, also impulsschnellen Gehäuse verbaut sein.
Nun lässt sich trefflich darüber streiten, ob es mittlerweile nicht auch ziemlich schnelle und ziemlich präzise abgestimmte Reflexkonstruktionen gibt, die gegenüber einem geschlossenen Gehäuse gewisse Vorteile bei Wirkungsgrad und, nennen wir es einmal: „Wumms“ hätten. Doch genauso herum dreht sich die Mangersche Welt nun einmal gar nicht. Wenn von allen noch halbwegs praxisnahen Möglichkeiten ein geschlossenes Gehäuse mit entsprechendem Tieftöner den schnellsten und präzisesten Bass bietet, dann ist die Entscheidung „pro Kiste“ bereits gefallen. Noch etwas flapsiger ausgedrückt: Bassreflex kommt überhaupt nicht in die Tüte. Und „Wumms“ ist ein Unwort, das nur Bassbanausen benutzen. Apropos „Tüte“: Als völlig kompromisslose Alternative zum geschlossenen Gehäuse wäre theoretisch noch ein ferienhausgroßes Basshorn denkbar, doch diese Idee, so nehme ich an, wurde aus naheliegenden Gründen nicht einmal im Ansatz verfolgt.
Denn die Manger p1 will erklärtermaßen ein Lautsprecher für, nun: ganz normale Leute sein. Für Musikliebhaber, die ein gesundes Gespür und Grundverständnis für Ästhetik im Alltag mitbringen und sich zwar allerbesten Klang wünschen, dafür aber nicht bereit sind (oder es gar nicht einrichten können), einen kompletten Raum ausschließlich für die Lautsprecher umzukrempeln, gar zu opfern. Schallwandler, die mitten im Weg stehen oder einen Raum optisch dominieren und so tagtäglich für Verdruss sorgen, sind keine Manger-Option.
Andererseits ist es gar nicht so selten in der hifidelen Praxis „da draußen“, dass ein Lautsprecherpaar wirklich mitten im Raum stehen soll. Oder muss. Zum Beispiel, wenn ein Raum sehr schmal und lang oder L-förmig geschnitten ist. In beiden Fällen, bei limitierten Platzverhältnissen oder als eine Art Raumteiler eingesetzt, macht die Manger p1 eine schlichtweg perfekte Figur. Denn sie passt sich mühelos allen gegebenen Verhältnissen an. Weil sie zum Beispiel nicht streng und scharfkantig geschnitten ist, sondern eher zierlich-zurückhaltend wirkt und rundherum stark verrundete Vertikalkanten besitzt. „Das ist natürlich volle Absicht“, sagt Markus Thomann, der mir in puncto Gestaltung der p1 Rede und Antwort steht, „denn stark abgerundete Kanten schmiegen sich viel besser an vorhandene Flächen und Kanten an.“ Der Architekt und Designer aus Zürich hat über Jahre hinweg intensive Erfah¬rungen mit Manger-Lautsprechern gesammelt, er ist zudem für das Design der aktiven Version verantwortlich. Und er lobt ausdrücklich seinen Kollegen aus Deutschland, der vor Jahren schon den kompakten Urahn MSM c1 gestaltet hat. Denn beide Säulen (aktiv und passiv) haben mehr mit diesem c1 zu tun, als es auf den ersten Blick den Anschein hat.
So besitzt die – gar nicht mal so kompakte, sondern ziemlich tief bauende – Manger c1 ein durchaus beträchtliches Volumen. Das immerhin so groß ist, dass sich daraus auch eine Säule konstruieren lässt. Dazu wurde, vereinfacht ausgedrückt, das vorhandene Arbeitsvolumen des Tieftöners lediglich in die Länge respektive Höhe gestreckt. Markus Thomann: „Dadurch wurde das Gehäuse breiter als tief, was wiederum die wandnahe Aufstellung nochmals erleichtert.“ Und für die passive Version wurde der Platz für die elegant integrierte Elektronik in eine Kammer umgewandelt, in der die Bauteile der Frequenzweiche untergebracht sind.
Darüber hinaus darf die elegante Erscheinung der s1 und p1 auch als direkte Folge der Form des Mangerwandlers betrachtet werden. Und schlüssiger als Markus Thomann kann ich’s partout nicht ausdrücken: „Das Design der Manger p1 und s1 sollte zeitlos, schlicht, wohlproportioniert und ausgewogen sein – wie die Wiedergabe: kein Blendwerk, nur Klang. Dabei steht der Wandler im Zentrum, sekun¬diert durch den abgedeckten Bass. Die Oberfläche ist wie eine gespannte Haut, in die sich die ‚Haut‘ des Wandlers einfügt. Die großen Kreise schweben im Objekt und betonen das grafische Element. Dies tritt in Weiß am stärksten hervor, denn die Box verschleift dann mit den Wänden, wogegen die Kreise hervortreten. Das Objekt fügt sich unkompliziert in den Raum ein.“ Und abschließend noch ein kurzes Wort zu einem Detail, das von vielen Gestaltern sträflich unterschätzt wird: „Der Sockel schafft eine Fuge zum Boden und erdet das Objekt. Der ‚Klangkörper‘ ruht in sich und drängt sich nicht auf, genau wie sich der Manger-Schallwandler gleich zu Beginn hinter der Musik zurücknimmt.“ Damit sei nun genug zur Optik gesagt.


Werfen wir noch kurz einen kritischen Blick auf die technischen Vorteile der Aktiv-Version: Die integrierte Elektronik ist perfekt auf den Lautsprecher angepasst, sorgt darüber hinaus für dezente Korrekturen und hat beide Treiber – weil passive Bauteile bzw. Frequenzweichen nicht im Signalweg sind – unmittelbar im Griff. Allerdings können sich etliche Highender einfach nicht für aktive Lautsprecher erwärmen. Manche fürchten eine gewisse Bevormundung bei der Wahl der Elektronik, andere möchten schlicht mit Kabeln und Endstufen experimentieren – und damit auch den Klang des Lautsprechers beeinflussen. Andere wollen ganz ein-fach vorhandene Verstärker auch weiterhin benutzen, sei es aus Gewohnheit oder aus Sparsamkeit. Für all diejenigen ist die passive Manger-Säule eine Idealwahl. Mit unterschiedlichen möglichst potenten Endstufen oder Vollverstärkern lassen sich deren klangliche Signaturen ins Klangbild einstreuen; Gleiches gilt natürlich auch für die Kabelfrage, insbesondere bei LS-Kabeln und Bi-Wiring-Jumpern. Manger selbst empfiehlt für Letzteres übrigens das „Norse“-Set von Nordost als preisgünstiges Upgrade. Wie auch immer: Mit der p1 ist tatsächlich jede Veränderung sofort hörbar, ihre akustische Transparenz liegt – einmal abgesehen vom tiefsten Fundamentalbass, der aufgrund schlanker Physis einfach nicht realisierbar ist – an der obersten Grenze des überhaupt Machbaren. Die Beurteilung etwa, ob ein Kabel(stück) besser oder schlechter klingt als ein Konkurrenzprodukt, fällt mit der p1 superleicht.
Wer zum preisgünstigen Einstieg in die Manger- Welt nun einen vorhandenen „billigen“ oder etwas schwachbrüstigen Verstärker benutzt und erst später, wenn sich wieder ein bisschen Geld auf dem HiFi-Konto angesammelt hat, in puncto Verstärkung aufsteigen will, darf von der p1 – im Sinne des Erfinders – keine Gnade erwarten. Sie wird unverblümt mitteilen, wenn der Leistungslieferant schwächelt. Die Freude ist dann aber umso größer, wenn die Zuspieler qualitativ nachziehen und besser werden. Motto: Freut sich die MSS p1, freut sich der fidele Mensch umso mehr. Sie eröffnet damit ganz neue Perspektiven in puncto Klangwürze. Ich probiere beispielsweise den dicken Vollverstärker Moon 700i und freue mich über seine satte Kraft, erlebe die AVM PA8/ SA8.2 als unbestechliches Power-Duo mit enorm präziser Raumdarstellung, während mit den Musical Fidelity HPA-1 und M8-S500 die starke Endstufe sofort begeistern kann, die kleine Vorstufe hingegen blässlich und etwas flach bleibt – aber die Kleine kostet in diesem Umfeld ja auch praktisch nichts. Meine modifizierten Altec-Monos wiederum wirken an der Manger ähnlich unpassend wie dicke Röhren, sie wollen „atmosphärisch“ nicht so recht zur superklaren, extrem sauberen Diktion der Manger MSS p1 passen. Was ich damit sagen will: Die p1 bietet eine riesige sonnenbeschienene Spielwiese für potente Elektronik. Mit den richtigen Zuspielern bietet sie enorm räumliches Hörvergnügen auf allerhöchstem Niveau. Wobei sie sogar ganz nah an der Wand stehen darf. Und dabei auch noch verdammt gut aussieht!

 

www.manger-msw.com

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