High End On Tour 2015 – Letzte Ausfahrt Dortmund

Das Jahr geht zu Ende, und der HiFi-Zirkus macht ein letztes Mal Station, diesmal in Dortmund.
Dortmund ist traditionell ein gutes HiFi-Pflaster und so wundert es auch nicht, dass die Veranstaltung der High End Society richtig gut besucht war – so gut, dass man in den größten Vorführraum (Canton) selbst mit viel Mut nicht mehr hinein kam und dass man sich bei Odeon/Ayon gar in einer Traube von 30 Personen anstellen musste, um überhaupt noch eine Chance zu haben, die Vorführung zu erleben. Das spricht für sich.
Es fehlten zwar einige große Marken auf der High End On Tour in Dortmund, dennoch gab es viel zu sehen und zu hören. Die Bandbreite der Performance reichte von „absolut exzellent“ bis hin zu „was soll das?“ Dazu gleich mehr.
Hochinteressant waren die Vorführungen des WDR Köln. Der WDR gab Einblicke in große Musik- und Hörspielproduktionen, inklusive Vorführung. Präsentiert würde über eine Mehrkanalanlage mit Monitoren von Geithain, im wahrsten Sinne „großes Kino“. Dabei erklärten die Profis vom WDR nicht, wie es einige andere taten, warum es wegen der „schlechten Räume“ nicht gut klingen kann. Stattdessen hatten sie den Raum kurzerhand akustisch behandelt. Das Ergebnis war nicht weniger als beeindruckend. Leider nur stiefmütterlich behandelt und somit kaum wahrgenommen wurde eine Entwicklung des WDR in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Köln: das sogenannte Headtracking. Dabei wird ein kleiner Bewegungssensor in einen Kopfhörer verbaut und in Echtzeit von einem Rechner ausgewertet. Der Effekt: Wie im echten Leben kann man sich nun Schallereignissen zuwenden. Eine Stimme, die einen beispielsweise von links anspricht, steht, wenn man den Kopf dorthin wendet, direkt vor einem. Durch Headtracking taucht man direkt und glaubhaft in ein akustisches Geschehen ein. Sicherlich ein großer Genuss bei Hörspielen und Konzertaufnahmen. Wir hoffen, dass diese Entwicklung schnell den Weg in die Produktion findet.
Ratlos hat uns die Präsentation von Newtronics gemacht: ein strammer Transmissionline-Lautsprecher mit AMT, angetrieben von acht Endstufen. Keine schlechten Voraussetzungen, sollte man meinen, und ordentlich laut war’s natürlich auch. Das Klangerlebnis war jedoch von der Sorte „kann man mögen – muss man aber nicht“. Sorry, aber wahrscheinlich haben wir da etwas nicht verstanden.
Demgegenüber gab es eine Menge wirklich guter Präsentationen auf der High End On Tour. Canton war mit der neuen Reference 1K ein Musterbeispiel an Leichtigkeit und Kraft. Sicherlich hat dazu auch das komplette Frontend von Phonosophie beigetragen. Die 1K spielt als klassischer passiver Lautsprecher auf einem Niveau, das schon als eigene Liga bezeichnet werden kann. Wer hingegen auf der Suche nach einem neuen Hornlautsprecher war, wurde bei Odeon fündig – sofern er wegen „Dauerbelagerung“ überhaupt in die Vorführung hineinkam. An einem Ayon Verstärker wurde dann sofort klar, was einen guten Hornlautsprecher auszeichnet: Spritzigkeit, Direktheit und Lebendigkeit. Einer sehr gelungenen und vorzüglich ausgewogenen Vorführung konnte man bei Sieveking Sound lauschen. Verity-Audio-Lautsprecher in Verbindung mit Audia-Flight-Verstärkern produzierten eine Art der musikalischen Selbstverständlichkeit, die schon sprachlos machen kann. Bei Backes & Müller wiederum konnte man dann nochmal seine Ohren „einnorden“ um zu verstehen, was Präzision in der Wiedergabe bedeutet und was es mit dem überstrapazierten Begriff „High End“ auf sich hat. In FIDELITY Nr. 23 werden wir uns übrigens ausgiebig mit der BMLine 25 beschäftigen. Dazu nur eines vorweg: Das ist HiFi auf höchst denkbaren Niveau. Cabasse wiederum hatte einen kleinen Drei-Wege(!)-Lautsprecher im Gepäck. Meisterlich vorgeführt, kam dabei kein Wunsch nach etwas Größerem auf. Im wahrsten Sinne des Wortes ein ganz großer kleiner Lautsprecher und eine unbedingte Hörempfehlung! Fast übersehen hätten wir auf der letzten High End On Tour in diesem Jahr den brandneuen Tangential-Tonarm TT5 von Clearaudio, der im Raum von AVM und B&W für eine ausgezeichnete Bewellung sorgte. Übrigens ein ganz heißer Aspirant für einen ausführlichen Test in FIDELITY.


In eine ganz andere Richtung ging es bei IsoTek. Das Hauptthema dort war Strom, dessen Reinigung und Regeneration sowie die klanglichen Auswirkungen auf eine bestehende Kette. Alle Zuhörer im Raum waren sich über die positive Wirkung einig, bezeugten in jedem Fall ein tieferes Eintauchen in die Musik, ein höheres Maß an Selbstverständlichkeit und eine größere Detailfülle.
Die High End on Tour Dortmund 2015 hat gezeigt, wie lebendig und facettenreich unsere Szene ist – und auf wie vielen Wegen man nach Rom kommen kann. Ein großes interessiertes Publikum traf hier auf engagierte Her- und Aussteller. Eine durchweg gelungene Veranstaltung, die ganz klar Lust auf mehr macht.

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