HiFiman HE-560 + HiFiman HM-901

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High End auf Reisen

Guter Klang unterwegs ist kaum zu erreichen. Doch der HiFiman-Player samt passendem Kopfhörer verspricht ausiophiles Glück auf Reisen.

Braucht man das? Braucht man exquisiten Klang unterwegs? Und ist das überhaupt möglich? Mir persönlich fehlt auf Reisen die Ruhe, sowohl in mir als auch um mich herum. Ich höre im Auto keine Musik, das würde mich zu sehr von der Straße ablenken. Und auch auf Flügen ist es mir zum Hören zu laut und rummelig. Dort sind ein angepasster Gehörschutz und Bücher meine besten Begleiter. Daher bin ich im ersten Moment etwas überfordert, als der HiFiman-Player HM-901 bei mir landet. High End und Reisen – wer braucht diese Kombination?! Mit dem Kopfhörer HE-560 freunde ich mich naturgemäß schneller an, weshalb ich mich zuerst auch ihm widmen werde.

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HiFiman HE-560 + HM-901 2Der HiFiman HE-560 gehört zur Familie der mag­netostatischen Kopfhörer. In der Regel besteht diese Spezies aus echten Diven, was ihre Anforderungen ans Umfeld angeht. Bei HiFiman jedoch wollte man den Magnetostaten (auch) reif für den Außeneinsatz machen und arbeitete daher noch einmal gründlich an der Folie und den Magneten. Mit Erfolg: Größere Leiterbahnen auf einer leichteren Folie und stärkere Magneten nur auf der vom Ohr abgewandten Seite der Membran sorgen für eine geringere Impedanz und geringeres Gewicht. Praxisfreundliche 35 Ohm sollten auch die meisten Miniplayer vor keine ernst­haften Probleme stellen. Die leichtere Folie hinge­gen soll die Detailtreue des Hörers steigern und ihn auch für ein highendig ambitioniertes Publikum interessant machen. Das eigentliche Gehäuse des HE-560 besteht nun aus einem Mix aus Kunststoff und Holz, das rein nach klanglichen Gesichtspunk­ten ausgesucht worden sein soll. Immerhin kann ich schon jetzt feststellen, dass der HiFiman auf meinem Kopf so bequem sitzt wie kein großer Kopfhörer vor ihm. Die Kabel sind austauschbar, die entsprechen­den Buchsen leicht nach vorne geneigt, woran ich überhaupt nur die rechte von der linken Seite des Kopfhörers unterscheiden kann; eine etwas deutli­chere Markierung wäre sicher kein Problem.

Sitzt der HE-560 allerdings erst einmal auf dem Kopf und wird von einem guten Kopfhörerverstärker versorgt, gibt es nur noch Lob. Er spielt sehr weit zu den Frequenzenden hin. Was bei einem Kopfhörer zu hohen Tönen hin noch recht normal ist, gelingt nicht vielen Modellen auch im Bass. Hier kann der HE-560 mit einer erfreulich substanziellen Spielweise punk­ten, ohne künstlich aufgeblasen und unkonturiert zu wirken. Selbst tiefstes Gegrummel distanziert aufgenommener Kontrabässe wird noch penibel auf­geschlüsselt, ist gleichzeitig fast körperlich spürbar – ein grandioser, selten zu findender Kompromiss.

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Diese angenehme Opulenz setzt sich bis in die Mitten fort, weshalb gerade Stimmen und Streich­instrumente von dem HE-560 profitieren. Auch wird hier ein Auflösungsvermögen fortgesetzt, das nicht simuliert, sondern durchaus „echt“ ist. Im Studio­betrieb kann man vermeintliche Superhörer sehr leicht entlarven, wenn man einige Parameter einer Aufnahmedatei langsam ändert und darauf achtet, ab wann dieser Eingriff hörbar wird. Ich habe in der Vergangenheit schon „Referenz-Kopfhörer“ erlebt, die zwar enorm detailliert klangen, aber eine Korrek­tur einer Mikrofonentzerrung (immerhin – 8dB bei 10 kHz, jeweils 4 kHz nach oben und unten auslau­fend) nicht darstellen konnten. Oder einen Dreh am Panoramaregler erst dann aufzeigten, wenn er im deutlich zweistelligen Prozentbereich stattfand.

Davon ist der HiFiman HE-560 zum Glück sehr weit entfernt. Neben allem Schönklang zeigt er auch ganz schlicht, was die Quelle zu bieten hat. Zudem gelingt ihm die räumliche Darstellung ziemlich glaub­würdig, wobei sich das Geschehen mehr „vorne“ als innerhalb des Kopfes abzuspielen scheint. Eine ähnliche Ausrichtung habe ich bisher beim AKG 701 erlebt, weshalb dieser Hörer auch gerne für die Ein­schätzung der Mikrofonierung bei Aufnahmen vor Ort eingesetzt wird. Daher ist der HE-560 auch ein wunderbarer Kopfhörer für gut produzierte Opern­aufnahmen, beispielsweise ältere Deccas, bei denen die Tonmeister die Sänger auf einer Art Schachbrett während des Singens genau geplante Positionswech­sel vornehmen ließen, um ein Operngeschehen zu simulieren. Grandios, wie der HE-560 hier das räum­liche Bild aufschlüsselt und eine solche Aufnahme zu einem vielschichtigen Erlebnis werden lässt.

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Der Mediaplayer HiFiman HM-901 ist ein handli­ches, aber durchaus komplexes System aus Abspiel­einheit, Verstärker- und Speicherkarten. Flexibel kann man sich den Spieler mit unterschiedlichen Verstär­kermodulen konfigurieren, ganz so, wie es dem eige­nen Anforderungsprofil entspricht. Für direkt spielen­de In-Ear-Hörer gibt es eine leisere, dafür aber extrem rauscharme Verstärkung. Das Standardmodul versorgt idealerweise Hörer mit der üblichen Impedanz um 32 Ohm. Auch schwieriger anzutreibende Kopfhörer mit höheren Impedanzen sowie symmetrisch verka­belte Modelle können ebenfalls von eigens entwickel­ten Verstärkerkarten passend versorgt werden. Deren Wechsel geht im HM-901 recht einfach vonstatten: Rückwand und Akku entnehmen und dann einfach das lediglich in eine Kontaktleiste eingeschobene Verstärkermodul austauschen.

Die Speicherkarten im SD-Format lassen sich leicht über einen Einschub an der Seite austau­schen. Bespielt werden die Karten, indem man einfach einen Cardreader benutzt oder den Player mittels mitgelieferten USB-Kabels an den Computer anschließt. Dort erscheint er dann wie ein externer Ordner in der Ordnerstruktur und lässt sich leicht bestücken. Sind die Daten erst einmal auf dem Player, sortiert er selbstständig seine Titel- und Künstlerlisten. Schade nur, dass sich über den USB-Anschluss nicht gleich auch Musik vom Computer abspielen lässt. Aber zu diesem Preis und in dieser Größe kann man wohl nicht alles haben. Dennoch wünsche ich mir etwas mehr Leichtigkeit, was die Bedienung des Players angeht. So ist das recht kleine Display nur bedingt gut abzulesen, zeitgemä­ße Touch-Funktionen fehlen völlig, und das auf der Front angebrachte Scroll-Rad ist etwas zu wenig griffig, zudem zu weit gestuft – die Größe der Bewe­gungen steht in keinem Zusammenhang zum Bild­schirmbild. Das alles ist natürlich kein Beinbruch, und doch mindert es die intuitive Leichtigkeit, die gerade die Bedienung eines Players für unterwegs auszeichnen sollte, wie es etwa mit einem Sony NWZ-ZX1 möglich ist. Der bietet allerdings nicht die vielfältigen Möglichkeiten bei der Verstärkung.

Und genau das ist der Punkt, mit dem der HiFi­man wuchert: Denn mit dem entsprechenden Modul lassen sich auch anspruchsvolle Kopfhörer wie ein Beyerdynamic DT 990 in der 600-Ohm-Version standesgemäß antreiben. Über den ganzen Frequenz­bereich und auch in sehr dichten Orchesterpassagen spielt der schwäbische Kopfhörer an dem kleinen Player exemplarisch locker und vollständig. Und das ist ein Novum, denn bisher hat es noch kein mobiles Gerät geschafft, sich an diesem Kopfhörer in die Nähe guter externer Vorverstärker zu spielen. Kompliment. Normalerweise wird der Klang eng und matschig, die Dynamik wird eingeebnet, große Ausbrüche werden recht kümmerlich dargestellt. Versuche mit unpas­senden Verstärkerkarten beweisen es: Schon die Standardkarte schränkt das Vergnügen deutlich hör­bar ein, die In-Ear-Karte gar lässt vom großen Klang des Beyerdynamic fast nichts mehr übrig.

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Mit dem HE-560 aus gleichem Hause geht der HiFiman HM-901 eine beglückende Zusammenar­beit ein, man kann hören, dass hier mit- und für-einander entwickelt wurde. Denn alles Technische im Klang scheint weit in den Hintergrund gerückt zu sein, die Wiedergabe wirkt wie aus einem Guss. Und schon suche ich nach Nutzungsmöglichkeiten für den Player, an die ich vorher noch nicht gedacht hat­te: zu Hause in unserer Leseecke, die weit von der Stereoanlage entfernt ist. Oder abends im Garten, wenn rundherum Ruhe eingekehrt ist …

So möchte ich dem HM-901 attestieren, dass er nicht nur flexibel zu konfigurieren ist, sondern auch hör­bar besser klingt als sein direkter Konkurrent von Sony. Dieser liegt zwar immer noch deutlich vor den üblichen, in Smartphones integrierten Mediaplayern, bietet aber dennoch weniger Substanz im Bass und Auflösung im ganzen Frequenzbereich als der HiFiman. Selbst ein mit Lossless-Daten bestückter iPod hat, vermutlich wegen des zu schwachen Kopfhörerverstärkers, gegen den HiFiman klanglich keine Chance.

Abschließend habe ich den HM-901 mit dem beilie­genden Kabel noch an meine Stereoanlage angeschlos­sen – das ist durchaus ein Bereich, wo der Einsatz des Spielers denkbar ist, da er ja auch eine unkomplizierte Musikquelle für viele Stunden darstellt und problemlos ganze Abende beschallen kann, ohne dass man sich um die Anlage kümmern müsste. Nun wird man dem HiFiman nicht gerecht, wenn man ihn zum Partyberieseler degradiert. Klanglich schlägt er sich nämlich anständig, fällt sofort durch einen wunderbar stabilen Bass auf. Die Raumabbildung gerät sehr breit und or­dentlich tief, Details sind in Hülle und Fülle vorhanden. Selbst im Vergleich mit einem ambitionierten CD-Player kann ich dem kleinen Mobilisten auch für den heimatlichen Musikgenuss durchaus audiophile Quali­täten bescheinigen. Erst deutlich teurere USB-Wandler oder CD-Player zeigen ihm Grenzen auf. Was sich leicht verschmerzen lässt, ist der stationäre Einsatz doch nur ein Nebenprodukt seiner eigentlichen Bestimmung.

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Wer also für unterwegs besten Klang sucht, wird mit dem mobilen Mediaplayer HM-901 bestens und aufgrund der Flexibilität auch zukunftsorientiert be­dient. Der jüngste HiFiman-Kopfhörer wiederum ist meines Erachtens für den Einsatz unterwegs eigent­lich viel zu schade: Der grandiose HE-560 verdient bei anspruchsvollen Musikliebhabern einen Platz an besten Kopfhörerverstärkern!

 

www.sieveking-sound.de

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