TRIUMVIRAT

Was ist zu tun‚ wenn ein Dreifachkönner wie ein simpler CD-Player daherkommt? Ganz einfach: Man füge Musik hinzu!

Von Cai Brockmann

Auf dem HiFi-Rack thront ein CD-Player wie aus der guten alten Zeit, eine Maschine mit eindrucksvoller Optik und gewichtigem Auftritt, ein großer CD-Toplader mit dickem Acryldeckel. Doch dieses Digital-Monument ist eigentlich nur im Nebenjob ein klassischer CD-Player. Unter seinem Metallpelz pocht ein Herz aus Glas, da pulsieren noch ganz andere Datenströme, werden fremde Quellen angezapft … Bevor wir auf diese erstaunliche Vielfalt näher eingehen, müssen wir noch schnell ein paar Worte über die „gute alte HiFi-Zeit“ verlieren. Denn früher, sagen wir in den 1980ern, war schon auf den ersten Blick klar, ob beispielsweise das „zentrale“ HiFi-Gerät ein Receiver, ein Vollverstärker oder eine Kombination aus Vor- und Endstufe war. Drumherum gruppierten sich dann, ebenfalls leicht identifizierbar, Plattenspieler, Radio, Bandmaschine, Tapedeck und spätestens ab 1990 dann auch ein CD-Player – fertig war das HiFi-System. Vereinzelte Versuche, leicht „exotische“ Gerätegattungen wie etwa Preceiver und Aktivlautsprecher zu etablieren, blieben in der HiFi-Szene bemerkenswert erfolglos, die highfidele Welt war und blieb auch in den kommenden Jahren überschaubar. Mittlerweile jedoch gibt es spürbare Tendenzen, unterschiedliche Gerätegattungen (von denen es inzwischen ja auch mehr gibt als vor 20, 30 Jahren) sinnvoll zusammenzufassen. Insbesondere Digitaltechnik macht’s möglich: Schlaue, oft winzige Komponenten (oder Baugruppen) zeigen, wie HiFi auch gehen kann.

Der Ayon CD-3xs, von dem hier die Rede sein soll, ist auch ziemlich schlau, aber alles andere als winzig. Warum? Weil Ayon Audio mit dem Look und dem Miniaturismus von Computertechnik rein gar nix am Hut hat. Gleichwohl verschließen sich die Österreicher den digitalen Medien keineswegs. Im Ayon-Programm finden sich diverse Gerätschaften mit digitalem Herz: D/A-Wandler, Streamer, CD-Player. Und immer hübsch „in groß“, bitt’schön, blitzsauber verpackt in extradicken, extraschweren Alugehäusen. Schließlich sollen, nein, müssen auch immer ein paar sehr anständige Röhren mit hineinpassen. Denn ohne die klanglich überlegene Röhrentechnik, davon ist Ayon überzeugt, ist es Essig mit dem Musikgenuss. Doch Röhren hin, Digitaltechnik her, auch dieser neue „CD-Player“ verbirgt seine erstaunliche Wandlungsfähigkeit – hier bitte in mehrfacher Hinsicht zu verstehen – unheimlich gut. Unter der dicken Metallhülle stecken noch ein analoger Vorverstärker sowie ein knackiger Digital-Analog-Wandler, der auch neu- zeitlichste DSD-Files versteht (und damit dem CD-3s hinten noch ein „x“ ans Namenskürzel anhängt). Das CD-Laufwerk, im massiven Deckel montiert, wirkt da aus technischer Sicht fast schon wie Beiwerk. Optisch hingegen ist das Laufwerk on top geradezu ideal, um Pre- Amp und DAC inside zu vertuschen. Hinweise auf die gut getarnte Drei-in-eins-Lösung liefert die Fernbedienung des CD-3sx. Denn um die vielfältigen Möglichkeiten der Maschine voll ausnutzen zu können, muss man sich mit dem Befehlsgeber ohnehin eingehender beschäftigen. Das Gerät selbst bietet, ganz audiophil, nur elementare Steuermöglichkeiten: Start, Stopp, Skip für das Laufwerk, Eingangswahl, Volume rauf oder runter für den Vorverstärker. Immerhin sind die sieben Taster auf der Oberseite echte Hingucker: metallglänzende Knöpfchen mit rot glimmender Korona, die in schönem Kontrast zum schwarz-gebürsteten Aluminium stehen und die Metallapplikationen von Laufwerk und Belüftungsgittern optisch fortführen. Belüftungsgitter? Bei einem CD-Player-DAC- Preamp? Jawoll. Und alle sechs haben rundum ihre Daseinsberechtigung, vor allem jenes vorne links. Denn das stramme Netzteil des CD-3sx, insbesondere die Röhrengleichrichtung, genehmigt sich ordentlich Saft, um die vier 6H30-Ausgangsröhren bei Laune zu halten. Gerhard Hirt, Chef von Ayon Audio, ist sich denn auch einigermaßen sicher, dass es derzeit wohl „keinen CD-Player auf Röhrenbasis mit einem derart aufwendigen Röhrennetzteil gibt“. Na klar, CD-Player – da ist es wieder, das audiophile Understatement.
Also legen wir auf diese her(t)zerwärmende Maschine keine CD-Cover drauf, aber das tun wir ja sowieso nie, gell? Wir schieben die jeweilige CD-Hülle höchstens kurz mal unter das massive Gehäuse. Und passen bei dieser Gelegenheit auf, nicht verse¬hentlich den Hauptschalter zu betätigen. Der befindet sich nämlich ebenfalls auf der Unterseite, vorne links, etwa zwischen Ayon-Logo und Display. Gut zu wis¬sen, wenn man zum Beispiel in den Urlaub fahren und die knapp 100 Watt Verlustleistung des CD-3sx nicht wochenlang durchbraten lassen will. Die ausführliche deutsche Bedienungsanleitung empfiehlt übrigens, schon ab etwa einer Stunde Nichtbenutzung den „Top Loading Vacuum Tube Class-A CD-Player“ auszuschalten. Ganz so streng sehe ich die Sache zwar nicht, vor allem, weil ich mit dem Teil eine Hörsession nie abbrechen, sondern stets weiter Musik hören will. Doch sei’s drum: Wenigstens zu meinen Schlafenszei¬ten schalte ich den CD-3sx aus. Wohl wissend, dass er nur eine knappe Viertelstunde braucht, um klang¬lich wieder in Topform zu kommen und eine zweite Viertelstunde, um im Betrieb so warm zu werden wie so manch Endstufe. Trotzdem ist er ein cooler Hund, dieser Dreier, eine imposante Erscheinung obendrein.

Mit diesem nachhaltigen Eindruck kann die be¬reits erwähnte Fernbedienung nicht ganz mithalten. Sicher, sie steuert nicht nur diesen coolen Hund, son¬dern bei Bedarf auch ein ganzes Ayon-Rudel, und gut in der Hand liegt sie auch. Aber wirklich intuitiv lässt sich damit kaum etwas steuern, dazu sind durchaus wichtige Funktionen zu wenig prominent markiert. Aber eine gewisse Konzentration darf man bei der Bedienung eines derart highendigen Gerätes wohl als Selbstverständlichkeit voraussetzen.
Habe ich Ihnen eigentlich schon vom entzü¬ckenden Rücken berichtet? Hier gibt’s reichlich zu schalten, walten, anzuschließen. Ein Quartett aus Kippschaltern beispielsweise passt den CD-3sx an die analogen Gefolgschaften an, vom Asketenbetrieb als „reiner“ CD-Player bis hin zum vielseitigen Direkt¬versorger von Endstufen oder Aktivlautsprechern.
Sogar die korrekte Netzphase zeigt er an; das rote Lämpchen neben der Netzbuchse sollte dann nicht leuchten. Die komplett analog beschaltete Röhren-Vorverstärkersektion bietet zwei Line-Eingänge und einen Fixpegel-Ausgang (etwa für Kopfhörerverstär¬ker oder analoge Bandmaschine). Der eingebaute DAC bietet alle möglichen Digitaleingänge, neben dem mittlerweile üblichen Mix aus Coax, TosLink und USB finden sich auch AES/EBU-, I2S- und besagte DSD-Anschlüsse, letzterer als Profi-Dreigestirn mit separater Wordclock. Für die Wahl des bevorzugten Digitalfilters sowie optionales Upsampling wiederum muss die Fernbedienung bemüht werden.
Die gelebte Praxis mit dem CD-3sx stellt sich dann unfummeliger als zunächst vermutet heraus. In klas-sischer Manier bedient heißt es: CD mit leicht spitzen Fingern in die Metallmulde einlegen, Magnetpuck fixieren, dicken Acryldeckel einsetzen, Play drücken, leises Klicken vernehmen – aaaah: Musik!
Ayon möge mir verzeihen, dass ich die zarten Un¬terschiede zwischen den beiden Digitalfiltern („runder“ bzw. „analytischer“) und auch das optionale Upsamp¬ling für insgesamt weniger klangentscheidend halte als die grundsätzliche Klangsignatur des CD-3sx. Die ist nämlich – unabhängig vom Datenlieferanten – im al¬lerbesten Sinne „ayonisch“, also vor Energie strotzend, enorm gehaltvoll und, nennen wir es ruhig mal „saf¬tig“, im Sinne von Saft und Kraft. Herrlich: ein starkes, mitreißendes Hörvergnügen, das sich stets „von unten heraus“, aus den Basslagen, aus dem musikalischen Fundament heraus zu entfalten scheint, dabei in voller Farbenpracht und in wohlgeformter, raumfüllender Gestalt leichtfüßig bis in höchste Gefilde hinaufreicht. Das ist nicht unbedingt das klassisch „britische“ Klan¬gideal, das sich eher über die Mitteltonlagen definiert und an den Frequenzextremen lieber nachlässt als durchzieht. Das hat allerdings auch nix mit „amerikanischem“ Haudrauf-HiFi zu tun, das – howdy, partner! – mit raumgrei¬fender Geste auch gern mal das eine oder andere Detail unter den Tisch fallen lässt. Ayon ist für mich in allerbestem Sinne „kontinen¬tal“, also selbstbewusst und auf ehrliche Weise mitreißend. Der CD-3sx garantiert beispielsweise, dass selbst mittelmäßige oder auffällig schlank wirkende Produktionen vorteilhaft „geerdet“ wirken und mit erkennbarer Substanz und Körperhaftigkeit in die Musik hineinfüh¬ren. Breitbandige, wuchtige, gar „mächtig“ produzierte Aufnahmen finden in ihm einen echten Verbündeten, der die gespeicherte Energie des Tonträgers in farbenprächtiger Schönheit und Opulenz zugleich frei- und durchsetzt.
Mir gefällt das sehr, sehr gut: Ayon als geschmeidiger Gegen¬entwurf zu vergeistigtem und verängstigtem „Kopf-HiFi“, das zuerst den Intellekt und erst später, wenn überhaupt, die Seele anspricht. Hier geht es umweglos ans Gemüt. Und von wegen „CD-Player“: In der Praxis entpuppt sich sowohl die Vorverstärker- als auch die DAC-Sektion des Ayon Audio CD-3sx als dermaßen gut, dass es mit ihm auf dem Rack praktisch keinen Grund mehr gibt, noch weiter nach einem Vorverstärker oder externen Wandler zu suchen. Bitte einfach Musik bereitstellen – jetzt auch via DSD-Files – und das Vergnügen kann losgehen!

 

www.ayonaudio.com

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