Buddy & Der Bär

Muss ein Vorverstärker Vorverstärker heißen? Müssen hohe Leistungen neuerdings kompakt sein? Wer schlau und puristisch ist‚ denkt um die Ecke. Und entdeckt bei Musical Fidelity zwei Volltreffer.

 

Die jüngere Zeitgeschichte hat viele ungleiche Paarungen hervorgebracht, die mir unvergesslich geblieben sind, jede auf ihre Art: Lennon & McCartney. Jagger & Richards. Laurel & Hardy. Daniel Düsentrieb & kleines Helferlein. Austin Powers & Mini-Me. Batman & Robin. Wallace & Gromit. R2D2 & C-3PO. Und jetzt merke ich mir: M1 & M8. Dieses Kürzel-Duo mag manchem HiFi-Einsteiger zunächst etwas kryptisch vorkommen, und es wird bestimmt auch nicht verständlicher, wenn er zum ersten Mal die vollständigen Namen der beiden Teamster liest. Doch gemach, gemach – die Bezeichnungen lassen sich recht einfach dekodieren. Lassen wir den Kleinen doch den Vortritt. Diese tragen bei Musical Fidelity ein „M1“ als Mittelnamen und sind genau halb so breit wie sogenannte Fullsize-Komponenten, also 22 Zentimeter. Im konkreten Fall folgt jetzt ein HPA P – so steht’s auch auf dem Schildchen des kleinen Silberlings, den es übrigens auch in Schwarz gibt, aber das nur am Rande. Der HPA P ist damit als kompakter Kopfhörerverstärker identifizierbar, denn HPA steht für Headphone Amplifier. Wofür das zweite, nachgestellte „p“ steht, habe ich allerdings vergessen zu ermitteln; es deutet aber auf eine überarbeitete Version des bereits jahrelang bewährten HPA hin.
Ein Kopfhörerverstärker also. Doch das ist noch nicht alles. Der HPA P ist obendrein auch ein D/A- Wandler mit USB-Anschluss, kann also als Desktop- Tool für den Rechner dienen und dessen Soundfiles ordentlich aufpeppen. Das ist eine nette Dreingabe, die wohl niemanden ernsthaft zum Kauf überreden wird. Darüber hinaus aber – und das ist für mich persönlich sehr viel interessanter – ist der HPA P auch ein vollwertiger Vorverstärker, sofern man mit zwei analogen Hochpegel-Eingängen auskommt. Vor allem aber, und nur deswegen steht er hier, ist der Kleine eine handfeste Klang-Überraschung! Schon seit gut einem Jahr höre ich Musik mit dem M1 HPAP – natürlich nicht ausschließlich, aber schon ziemlich oft. Und immer mit stillem Vergnügen. Auch nehme ich den handlichen Drei-Kilo-Burschen gern auf dienstliche Stippvisiten und Reisen mit. Wir pendeln häufig gemeinsam zwischen Redaktion und Hörstudio zu Hause hin und her. Und im Laufe des vergangenen Jahres hat er sich als höchst unkomplizierter, überaus ehrlicher Begleiter in allen möglichen Konstellationen bewährt, ist zu einem klanglichen Fixpunkt geworden. Um Musik sauber wiederzugeben, braucht der M1 HPA P keine besondere Fürsorge, er ist innerhalb weniger Minuten „voll auf Sendung“ und ver- greift sich nie im Ton, wirklich niemals. Kurzum: Er ist ein fideler Buddy, wie er im HiFi-Buche steht. Einer, den man als Soundprofi wirklich gerne um sich hat. Der nicht nervt oder herumzickt, sondern dienstbar ist. Ich sollte ihm gelegentlich mal einen adäquaten Koffer spendieren, so viel reist er mit mir durch die Gegend.

Damit kommen wir zum zweiten Einzelkämpfer in diesem Bunde. Im Gegensatz zum M1 HPA P ist sie eine echte Neuheit aus dem Hause Musical Fidelity. Sie hat sich daher erst kürzlich zur kleinen M1 gesellt, konsequenterweise in Schwarz gekleidet – als ob man sie sonst nicht vom kleinen Vorverstärker unterscheiden könnte … Wie auch immer, ihre Vorstellung kann kurz und knapp ausfallen: Die Musical Fidelity M8 500S ist eine Stereo-Endstufe. Punkt. Aber was für eine! Sie besitzt geradezu klassische Proportionen, ist so breit, so hoch und so tief „wie früher“ – und mit knapp 30 Kilogramm dermaßen schwergewichtig, dass es für eine echte Überraschung nicht ganz reicht. Das hier ist Heavy Metal auf den ersten Blick, ein Powerhouse der alten Schule. Class D und moderner Leichtbau gehen jedenfalls anders. Zum Herumtragen ziehe ich mir vorher die Arbeitshandschuhe an und atme nochmal tief durch. Sehr tief. Die 500S ist das jüngste Mitglied in der jüngsten Serie von Musical Fidelity. Die M8- Linie umfasste zuvor gerade mal zwei Geräte, einen Vorverstärker und die Mono-Endstufe. Mit der neuen Stereo-Endstufe gibt’s nun satte M8-Qualität (Motto im O-Ton: „no compromise audio designs“) für eine durchaus noch überschaubare Summe. Aus schaltungstechnischer Sicht robbt sich die 500S mit ihrem Doppel-Mono-Aufbau natürlich schon recht nah an die bärenstarke Mono-Schwester 700M heran, bietet aber, die Bezeichnungen lassen es erahnen, statt deren 700 „nur“ 500 Watt Leistung pro Kanal – immerhin an acht Ohm. An vier Ohm, so der Hersteller, sollte sich die Leistung etwa verdoppeln. Das wird für alle sich bietenden Gelegenheiten reichen. Die M8 500S ist ein mächtiger Bär: trotz der Größe schlicht und unscheinbar in der Erscheinung, aber mit sprichwörtlichen Kräften gesegnet. Darüber ist auch Antony Michaelson, der Chef von Musical Fidelity, erfreut. Er bemüht sich um fair bepreiste Komponenten, indem er diese eher schlicht, ohne Blingbling konstruiert und in größeren Stückzahlen fertigen lässt. Ein 25-köpfiges Team entwickelt neue Komponenten und erledigt auch die Feinabstimmung in England. Die Serienfertigung, das ist kein Geheimnis, erfolgt dann auf einer ganz anderen Insel: in Taiwan, am anderen Ende der Welt. In äußerst respektablen Stückzahlen, sonst würde die angestrebte Preiswürdigkeit wohl kaum erreicht. Im persönlichen Gespräch pflegt Antony Michaelson das klare Wort, entpuppt sich als streitbarer und handfester, zugleich äußerst musikliebender Pragmatiker.

Er selbst war es denn auch, der mich auf den M1 HPA P brachte. Als er im vergangenen Jahr zu Besuch in der FIDELITY-Redaktion war, plauderten wir über alles Mögliche, was mit „music and hi-fi “ zu tun hat. Michaelson hielt mit seiner Meinung – insbesondere zu gewissen angeblich längst etablierten „Standards“ in der HiFi-Szene – nicht hinterm Berg. Überhaupt schien er wieder einmal in bester Aufmischerlaune zu sein. Als ich irgendwann im Verlauf des äußerst unterhaltsamen Gesprächs behauptete, die klanglich entscheidende, tonal am stärksten prägende Komponente in einer HiFi-Anlage sei der Vorverstärker, konterte der studierte Klarinettist, er selbst steuere privat die größten Endstufen des Unternehmens mit einer geradezu winzigen, zudem überaus preisgünstigen Vorstufe an. Er brauche weder Fernbedienung noch viele Eingänge, und da käme ihm diese Kleinigkeit aus der M1-Serie gerade recht. Die sei in messtechnischer wie klanglicher Hinsicht bereits absolut tadellos und genüge ihm im Alltag wirklich vollauf – aber, pssst, nicht weitersagen: Die derart gepriesene Vorstufe sei eigentlich gar keine, sondern vielmehr ein Kopfhörerverstärker mit regelbarem Ausgang … Das war die Initialzündung für meine leicht schräg wirkende Kombi (Bild). Ich bestellte umgehend „die Kleine“ zu mir. Ab und zu brauche ich ein verlässliches, voll alltagstaugliches Gegenstück zu meiner Shindo Monbrison, die – bei aller Liebe – ja keinesfalls problemlos mit jeder beliebigen Endstufe zusammenspielt, oh nein, weder technisch noch klanglich. Tatsächlich war ich schon länger auf der Suche nach einem bezahlbaren Arbeitstier, das ich schnell mal unter den Arm klemmen und mitnehmen kann. Etliche Versuche in diese Richtung hatte ich bereits hinter mir, und, ja, auf die Idee mit einem Kopfhörerverstärker war ich auch selbst schon gekommen, etwa mit dem kleinen, über- ragend gestalteten TEAC HA-501, der sich als Vorverstärker durch- aus beachtlich geschlagen hatte. Dann aber kam der M1 HPA P, räumte auf und blieb bis heute. Und er wird auch weiterhin bleiben. Nicht, dass der Musical Fidelity wirklich alle Disziplinen perfekt beherrscht; das kann man von einem 650-Euro-Gerätchen schwerlich verlangen. Doch er macht erst einmal alles richtig, versucht nichts vorzutäuschen, was er nicht kann – sehr sympathisch und die ideale Voraussetzung für ein langes Zusammen- leben. Der Kompaktling beherrscht damit etwas, was mir in dieser Preisklasse zuvor noch nicht untergekommen ist: Er lässt mich in Ruhe – und zwar sowohl vergnüglich hören als auch konzentriert arbeiten. Damit passt der Buddy perfekt zum Bär. Auch die Endstufe drängelt sich nie in den Vordergrund, ist einfach da, wenn man sie braucht, wachsam und mit vorgespannten Muskeln. Bei Bedarf spielt sie total leichtfüßig, geradezu federnd, auch in tiefen und tiefsten Lagen. Thema „tumber Tanzbär“? Nix da! Sie beherrscht schwereloses Dahingleiten ebenso virtuos wie entfesseltes Draufdreschen, als ob’s kein Morgen gibt. Und sie geht dabei so beherzt zur Sache, dass man als HiFi-Dompteur stets ein Auge darauf haben sollte, ob nicht vielleicht schon die angeschlossenen Lautsprecher in Bedrängnis geraten, während die Endstufe noch ungerührt nachschieben könnte. Sie verzerrt nämlich auch in solchen Momenten nicht, geht einfach nicht in die Knie, bleibt auch im härtesten Getöse auf der Bühne unbeeindruckt und behält die Übersicht. Selbst an der höchst anspruchsvollen Manger MSS p1 habe ich schlichtweg nichts zu meckern. Ihre Durchhörbarkeit und Souveränität ist absolut tadellos. So eine ist das. Also eigentlich auch ein Buddy. Das Fazit für dieses ungleiche Paar? Beim M1 HPA P benutze ich gern den doppelt vorhandenen, außerordentlich potenten und dynamisch enorm breitbandig ausgelegten Kopfhörerausgang, dafür ignoriere ich den ordentlichen, aber nicht überragend klingenden D/A-Wandler, denn den unscheinbaren HPA P habe ich als „Alltags-Vorverstärker“ fest in mein audiophiles Herz geschlossen. Ja, es gibt Preamps, die klanglich insgesamt noch besser sind, die noch feiner, noch souveräner und noch offener klingen. Die dann natürlich auch mehr als zwei Analogeingänge besitzen, dafür aber auch doppelt so groß sind und mindestens das Dreifache, eher Fünffache kosten.
Der Bär in diesem Team wiederum ist eine echte Ansage für alle, die von einer Stereo-Endstufe nicht nur einen ganz feinen, zu­gleich griffig-zupackenden Klang erwarten, sondern auch reichlich Leistung. Die M8 500S von Musical Fidelity verknüpft eine klas­sische Erscheinung mit den klassischen Tugenden einer wirklich anständigen Endstufe: Power ohne Ende zum günstigen Kurs.

www.reichmann-audiosysteme.de

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