Klein‚ günstig‚ laut: Charios Syntar 513 haut mächtig auf den Putz!

Es passierte auf der  High- End in München: Kollege Brockmann besuchte die Vorführung der edlen italienischen Lautsprechermanufaktur Chario, wo gerade deren David, die Syntar 513, spielte. Er suchte die vermeintlich spielende Standbox und fand sie nicht. Dann suchte er den Subwoofer und fand auch den nicht. So viel Musik aus einer so kleinen Kiste? Und das auch noch zu dem Preis? Damit war ein Bericht fest vereinbart. Und hier steht sie nun, die kleinste und preisgünstigste Chario. Und im Übrigen meine erste. Wie schön. Hübsch ist sie allemal. Das Furnier sitzt – nicht nur für diese Preisklasse – bestens, ebenso die mit kleinen Magneten gehaltene Blende. Das Bassreflexrohr öffnet sich nach unten, wo vier Gummifüße für Abkopplung vom Untergrund sowie einen genau definierten Abstand (Bassreflex!) sorgen. Auf der Rückseite sitzt sympathischerweise nur ein Paar der im eigenen Hause hergestellten Anschlussklemmen; dafür in einer Qualität, die man in dieser Preisklasse nicht einmal ansatzweise vermutet. Na gut, klanglich macht das keinen DSDS-Kandidaten zum guten Sänger – schön ist es aber in jedem Fall.

Gemeinheiten erwünscht
Spannender ist die Front, auf der zwei nicht ganz alltägliche Chassis sitzen. Chario ist für große Hochtöner und entsprechend tiefe Übergangsfrequenzen bekannt. Während die Topmodelle des Hauses hohe Frequenzen über stattliche 32-Millimeter-Kalotten auf den Weg zum Ohr schicken, müssen in diesem Fall 27 Millimeter genügen. Es handelt sich hierbei um eine beschichtete Gewebemembran, die bei der Syntar mit Aluminium bedampft wird. Die Übergangsfrequenz liegt bei 1450 Hz, wovon man sich bei Chario ein großzügiges Rundstrahlverhalten und damit auch eine gewisse Großzügigkeit bei der Aufstellung verspricht. Man wolle Lautsprecher für das echte und genussvolle Leben bauen und keine Diven, die den geneigten Hörer auf einen minimalen Sweetspot festnageln – eine gerade in dieser Preisklasse absolut praxisnahe Herangehensweise. Christoph Mertens, der deutsche Chario-Distributor, geht sogar noch weiter: Er fordert mich explizit auf, die Lautsprecher „schlecht“ aufzustellen, meinen Hörplatz zu verlassen, einfach mal „richtig gemein“ zu ihnen zu sein …

Viel Know-how
Der Tiefmitteltöner mit seinen 13 Zentimetern Membrandurchmesser dürfte bei der recht tiefen Übergangsfrequenz auch noch nicht allzu punktuell abstrahlen. Ein kurzer Check bestätigt das übrigens: Es ist durchaus nicht egal, wo die kleinen 513 stehen, man darf aber sehr wohl mit einer gewissen Kompromissbereitschaft bezüglich der Wohnungseinrichtung vorgehen. Und alle auf dem Sofa sitzenden Menschen hören dann auch ähnlich gut. Die Membran des Konustreibers wird von Chario schlicht als Polymermembran bezeichnet, sie dämpfe gut und sei zugleich steif. Wichtiger sei allerdings deren Geometrie, die mit ihrer Glockenform einer Überhöhung im sensiblen Mittenbereich entgegenwirke. Das Gehäuse besteht aus beidseitig furniertem HDF, also hochdichter Faserplatte. Bei Chario geht man davon aus, dass damit ein steiferes Gehäuse als mit dem üblichen MDF zu erreichen ist. Zudem werden sämtliche Kanten auf Gehrung gesägt und verklebt. Dazu benutzt Chario einen selbst entwickelten Klebstoff, der entkoppelnde und dämpfende Wirkung haben soll. Auf diese Weise werde das Gehäuse schon in der Grundstruktur ruhiger gestellt, als es mit anderen Mitteln möglich sei. Es steckt also eine Menge Forschung und Know-how in diesen kleinen und günstigen Böxchen, die man angesichts des Preisschildes glatt unterschätzen könnte. Und würde man vermuten, dass für dieses Marktsegment noch komplett in Europa produziert wird? Nein? Ist aber so, wie mir Christoph Mertens stolz versichert.

Raum und Dynamik
Beim Hören fällt sofort auf, dass die Chario 513 für ihre Größe eine Menge Schub in den unteren Lagen ins Rennen wirft. In Verbindung mit der erstaunlichen Spielfreude klingt das auf Anhieb sehr erwachsen. Als Dmitri Schostakowitschs Streichquartette mit dem Borodin Quartett (Melodia Box) auf dem Plattenteller liegen, verblüfft mich, welche Raumtiefe die Chario aus diesen eher flächig abgemischten LPs extrahiert. Dabei handelt es sich keineswegs um ein willkürliches und diffuses „Aufblasen“, denn dafür gelingt der Italienerin die Verortung der einzelnen Musiker viel zu exakt. Auch die horizontale Abbildung geschieht erfreulich präzise. Dieses sauber entworfene Bild bleibt übrigens über einen recht weiten Bereich außerhalb des Sweetspots erhalten – hier hilft eindeutig das besonders breite Abstrahlverhalten. Eine solche Flexibilität ist in dieser Preisklasse selten anzutreffen. Erst wenn man sich sehr weit entfernt, bricht die Abbildung zusammen, was aber kein Wunder ist: So rund kann ein dynamischer Wandler gar nicht abstrahlen, dass das nicht irgendwann passiert. Und diese Grenze haben die Entwickler von Chario schon erstaunlich weit gesetzt. In den unteren Lagen kann die 513 nicht nur ordentlich zulangen, sie bleibt dabei auch weitestgehend kultiviert. Wird es dabei sehr laut und tief, sind stabile Verstärker natürlich Pflicht. Ordentliche Kontrolle hat schließlich noch nie geschadet, wenn man sich mit kleinen Lautsprechern auf den Weg in die Grenzbereiche macht. Apropos Grenze: Auch am oberen Ende des hörbaren Frequenzspektrums herrscht eitel Sonnenschein. Die große Kalotte setzt eine Menge Energie ohne Schärfen frei und sorgt für einen erklecklichen Detailreichtum. Dank dieser Qualitäten und dem ebenfalls sehr agilen Bass entwickelt die kleine Chario eine für diese Gehäusegröße verblüffende Dynamik, die für mich – zusammen mit der präzisen räumlichen Abbildung und dem weiten Abstrahlwinkel – die Schokoladenseite dieser Box darstellt. Selbstverständlich habe ich noch die Aufforderung des Vertriebs befolgt und das Lautsprecherpaar übelst deplatziert; lediglich den Aufbau in einer Schrankwand konnte ich mangels einer solchen nicht vornehmen. Und in der Tat zeigt sich die Syntar 513 sehr, sehr kompromissbereit. Da sie über ihre Füße eine stets definierte Ankopplung der Bassreflexöffnung hat, kann man sie auch etwas näher an der Wand positionieren, ohne gleich mit Wummern im Grundton bestraft zu werden. Erst ganz in der Ecke ist natürlich Schluss: Eine kugelförmige Richtcharakteristik ist und bleibt eine kugelförmige Richtcharakteristik.

www.chario.it

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