.Genuin Audio Gate-1.0

Genuin Audio Gate-1.0

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Neue Wege

Ein „Gate” ist ein Tor – vorzugsweise zu etwas völlig Neuem. Die Gate-1.0 von Genuin Audio soll mit spannenden Treibern und einem ungewöhnlichen Konzept das Tor zur Musik ganz‚ ganz weit aufstoßen.

Genuin Audio Gate-1.0

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Uwe Walter, seines Zeichens Tonmeister und ausgewiesener Ohrenmensch, hat es schön treffend formuliert: „Es geht darum, dass Musik Spaß macht, dass sie über den Alltag erhebt, dass sie einen im Innersten anrührt.“ Und wie es der Zufall so will, scheint sich dieses Thema für mich in der aktuellen Ausgabe zur Leitlinie herauszubilden. Denn nach einem Gespräch mit eben jenem Tonmeister, bei dem es genau darum geht (s. Interview mit Uwe Walter in dieser FIDELITY), und einem anderen Lautsprecher, der überdurchschnittlich viel Spaß macht (Marten Django L), sitze ich nun schon wieder vor einem Paar Boxen, das einfach nur fesseln will. Kollege Brockmann hat die Genuin Gate-1.0 höchstselbst angeliefert und nach einem schnellen, zweifellos noch etwas vorläufigen Aufbau lauschen wir den ersten Tönen. Und sind entzückt. Denn die Eindringlichkeit, mit der John Coltrane und seine Mitstreiter vor uns musizieren, erlebt man nicht alle Tage. Was ist dran an dieser Box, die auf den ersten Blick wie eine handwerklich sauber gemachte, aber doch hundsgewöhnliche Zweiwege-Kiste aussieht?
Hinter Genuin Audio steht Thomas Wendt, ein musikliebender Vertriebsinhaber und ehemaliger Eigentümer eines HiFi-Studios. Er beschreibt die Geschichte von Genuin Audio sehr emotional: Vor einigen Jahren habe er mit einem Musiker des örtlichen Opernorchesters unterschiedliche Verstärker durchgehört. Und immer wieder seien sie beide von der Natürlichkeit und Unmittelbarkeit des Klanges puristisch gefertigter Röhrenverstärker gefesselt worden. Wendt sah sich auf dem Markt um, fand nicht genau das, was er wollte, und kontaktierte in der Folge einen Entwickler, dessen Kreationen seinen Vorstellungen schon sehr nahe kamen, um ihn zur Zusammenarbeit zu bewegen. Reinhard Thöress – dieser Name ist kein Geheimnis – sagte zu, und so machten sie sich gemeinsam an die Entwicklung eines hybriden Vollverstärkers, der unter dem Namen „Straight“ zur diesjährigen HighEnd vorgestellt werden soll. Während der Arbeiten am Verstärker kam die Frage nach einem passenden Lautsprecher auf, der dann kurzerhand, genauer: nach einem Jahr Entwicklungszeit auch gleich gebaut wurde. Genuin Audio war geboren. Die fertig entwickelte Gate-1.0 soll laut Wendt für all diejenigen Kunden geschaffen sein, die ihre Liebe zu Verstärkern mit kleineren Leistungen nicht mit den groben Verfärbungen vieler Hochwirkungsgrad-Lautsprecher erkaufen wollen. Nun gut, ganz so hoch ist der Wirkungsgrad nicht geworden, aber mit amtlich ermittelten 90dB/1W/1m schon recht ordentlich. Dazu kommt ein gutmütiger Impe­danzverlauf, der kleineren Verstärkern ebenfalls das Leben leichter macht.

Auffälligstes und doch unsichtbares Merkmal der ranken Genuin ist ihr Konstruktionsprinzip: Welcher Entwickler tut sich heute noch die Tortur einer Transmissionline an? Denn dem Vorteil einer Unterstützung des Tiefmitteltöners bei den unteren Frequenzen stehen eine ganze Menge unterschied­licher Probleme gegenüber, die es zu meistern gilt. Das Prinzip einer Transmissionline (TML) nutzt die stehende Welle in einer sogenannten Verzögerungs­leitung (einer im Lautsprechergehäuse gefalteten „Line“), um bei richtig berechneter Frequenz des Systems den Tieftöner zu entlasten beziehungs­weise seinen Wirkungsgrad zu erhalten. In der Bezeichnung „Verzögerungsleitung“ erahnen wir aber schon eines der Probleme: Der durch die Line laufende Schall wird nicht unwesentlich verzögert, was zu Auslöschungen, einem „hinterherhum­pelnden“ Bass oder trötigem Klang führen kann. Letzterem kann man größtenteils entgehen, indem man das Chassis nicht ans Ende der Line, sondern an einem Schallschnelle-Bauch platziert. Mittels geschickt angebrachter Dämpfungen kann man die Fließgeschwindigkeit und damit auch die Länge der Line reduzieren. So schrumpft der zeitliche Versatz. Gegen die Auslöschungen ist allerdings kein Kraut gewachsen; einen gewissen Phasenversatz kann man nicht aus der Welt rechnen. Und so hat auch die Gate-1.0 einen Einbruch bei ungefähr 190 Hertz, der glücklicherweise sehr schmalbandig und somit kaum störend ist. Thomas Wendt rät zudem, mit dem Abstand zur Rückwand zu experimentieren, um die Senke zu kompensieren. Die für meinen Raum von ihm empfohlenen 60 Zentimeter treffen den Nagel auf den Kopf, was im Übrigen von einer tiefgehenden Kenntnis seines Produkts zeugt. Sie ahnen ja nicht, wie oft während eines „Premieren­tests“ dezente Anfragen seitens der Hersteller oder Vertriebe kommen, bei welcher Aufstellung denn die Box am besten geklungen habe …
Die Genuin Gate-1.0 wird in einer Tischlerei bei Aachen aus bestem Pappelsperrholz gebaut, die Weichen werden in Handarbeit bei Reinhard Thöress gefertigt und anschließend vergossen. Ein kleiner Schalter am Gehäuse der Weiche – die übrigens nur „von unten“ zugänglich ist – erlaubt eine Absenkung des Hochtonpegels in zwei Schritten à 0,7 Dezibel. Bei „sanften Röhren“ empfiehlt Wendt vollen Pegel, ansonsten rät er zum Ausprobieren.
Überhaupt ist der kleine Seidenhochtöner von Morel ein Bauteil, auf das beide Väter dieser Box besonders stolz sind. Mit einer Empfindlichkeit von knapp über 91 Dezibel gesegnet, soll dieser Treiber schon bei recht tiefen Frequenzen einen schön linearen Frequenzverlauf bieten, was ihn zu einer Verbindung mit einer sparsam konstruierten Weiche prädestiniert. Mit einem Einkaufspreis von weit über 200 Euro gehört der Morel zu den teureren Vertretern seiner Gattung. Er sei aber notwendig, fanden Wendt und Thöress doch keine vergleichbare Alternative. Sie sind jedenfalls begeistert vom „unangestrengten Detailreichtum“ des Hochtöners. Für einen passenden Tiefmitteltöner wurden die Entwickler beim deutschen Hersteller LPG fündig. Preislich deutlich günstiger, soll das achtzöllige Exemplar mit seiner Membran aus beschichtetem Papier dennoch bestens zu dem exklusiven Hochtöner passen. Da er auch gut als Breitbänder durchgehen würde, konnte wiederum auf größere Weichenkorrekturen in seinem oberen Einsatzbereich verzichtet werden. Dieser endet übrigens bei knapp über 2000 Hertz, um einer zu starken Bündelung und allzu hochfrequenten Schallanteilen in der Transmissionline entgegenzuwirken.

Der verwöhnte Highender wundert sich beim Aufstellen der Gate-1.0 sicherlich über das Fehlen von Spikes oder sonstiger technischer Möglich­keiten, den Lautsprecher an unebene Stellflächen anzupassen. Genuin-Chef Wendt, ohnehin kein Freund von harter Ankopplung mittels Spikes, legt für Parkettböden und zum Niveauausgleich dünne Filzgleiter bei. Das Gehäuse aus Pappelsperrholz, so seine Überzeugung, arbeite so gut, dass man auf überzogene Maßnahmen an dieser Stelle gerne verzichten wolle. Und ich stimme ihm zu, dass die Gate mit ihren eleganten seitlichen Bögen ohne weitere Stahlapplikationen einfach besser aussieht.
Bezüglich des Klanges bin ich ja schon zu Beginn dieses Berichts ein wenig mit der Tür ins Haus gefallen, werde jetzt aber noch einige Details nachliefern.
Bei den ersten Tönen über die Genuin fallen mir gleich mehrere Dinge auf. Die Eindringlichkeit, mit der sie jede Musik präsentiert, habe ich ja schon erwähnt. Aufgrund ihrer feindynamischen Fähig­keiten „glättet“ sie das Geschehen nicht, sondern vermittelt ein intensives Gefühl des Dabeiseins. Gerade bei direkt mikrofonierten Jazzaufnahmen und einem abgedunkelten Zimmer kann das zu ganz besonderen Erlebnissen führen.
Das wird – zweiter Punkt – auch von der beacht­lichen Höhe der Abbildung unterstützt. Die Künstler knien nicht vor einem, sondern stehen in properer Höhe da, was wiederum etwas „echter“ wirkt und sich in seinem Charakter vom durchaus üblichen „audiophilen Puppentheater“ deutlich distanziert.
Damit einher geht – der dritte Punkt – eine ein­deutig überdurchschnittliche Tiefe der räumlichen Abbildung. Vor den Lautsprechern passiert nur wenig, nach hinten aber scheint es keine Grenzen zu geben, was einen bei geeigneten Aufnahmen regelrecht in die Szene hineinziehen kann.
All das fußt auf einem beträchtlich tief hinabrei­chenden, vor allem aber wunderbar locker spielen­den Tiefton, der so etwas wie Behäbigkeit gar nicht erst aufkommen lässt. Zudem setzt die Gate-1.0 tiefe Töne mit reichlich Pegel frei – jedoch ohne das „Pumpen“ vieler Bassreflexkonstruktionen. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, wenn man wie ich vorzugsweise Musik mit akustischen Instrumenten hört, denen ein solches Drücken in den unteren Lagen völlig wesensfremd ist. Bei der Aufstellung bleibe ich im Wesentlichen bei Thomas Wendts kompetenten Vorschlägen. Eine Basisbreite von 2,5 Metern und ein Abstand zur Rückwand von 60 Zentimetern stellen sich schließlich in meinem Raum als ideal heraus. Bei der Einwinkelung gehe ich jedoch eigene Wege, da ich mit dem Klangbild bei der empfohlenen parallelen Positionierung nicht glücklich werde. Die Monomitte ist dann für meinen Geschmack etwas zu diffus, entsprechend entspannt die Verortung der einzelnen Schallereignisse. Beim Gegenteil des parallelen Ausrichtens, dem Kreuzen der Achsen vor dem Hörplatz, ist der Zauber dieses Lautsprechers übrigens weitgehend dahin. Alles klingt nun zu eng, gepresst, starr. Gute 15 Grad Einwinklung sind nun nach meiner Erfahrung das ideale Maß.
Die Genuin Gate-1.0 ist ein sehr gelungener erster Wurf einer jungen Firma und gleichzeitig eine durchaus eigenständige Aussage zum Thema Lautsprecher. Sie lässt sich nicht einfach irgendwo hinstellen, sie klingt auch nicht mit jedem beliebigen Verstärker gleich gut – hohe Dämpfungsfaktoren etwa nehmen dem Klang seine faszinierende Lockerheit. Wenn aber die äußeren Gegebenheiten stimmen, sind diese Lautsprecher Freudenspender ersten Ranges, vermitteln die Freude und den Zauber der Musik wie nur wenige andere ihrer Konkurrenten.

www.genuin-audio.de

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