Der Mann mit den zwei spitzen Nadeln

Im Detail steckt bekanntermaßen vieles. Nicht nur der Teufel.

Christian

Es gibt Kaffee und Torte beim Tä­towierer. Dazu Heavy Metal über Edelboxen. Und Hardcore-Klang­tuning im Flauschteppich. Ja, hier lauern die Überraschungen überall. Denn ich befinde mich in den Privatgemächern von Christian Ceter. Christian ist sehr groß, sehr freundlich, und wenn er spricht, dann nicht unbedingt laut, aber raumfüllend. Wenn er Musik hört, dann vor allem, weil „sie mich anmacht“. Das muss aber keineswegs harter Rock mit bösen Stromgitarren sein. Willkommen ist auch alles, was swingt und groovt und rollt, von Ella Fitzgerald über Brian Setzer bis hin zu Colin James. Oder schwere Klassik à la Tschaikowski, Wagner, Rimski-Korsakow. Dabei muss die Musik nicht einmal Zimmerlautstärke überschreiten – aber sie darf es: „Ich fön’ mir damit auch gern mal die Haare“, sagt der Kieler Jung mit ei­nem augenzwinkernden Hinweis auf sein nach oben erweitertes Gesichtsfeld.

Übrigens heißt er nicht Christian, sagt Christian, sondern „Crischaan“. Chrischaan also lebt und hört Musik in einem Einzelhaus in Lilienthal-Dobersdorf, nahe Kiel, mitten auf dem Land. Er selbst bezeichnet sich als „eher gemütlichen Typ“, der mit dem hek­tischen Stadtleben nichts anfangen kann. Er pflegt einen verblüffend disziplinierten Tagesrhythmus, liebt klare Ansagen und hasst Unpünktlichkeit. Sein Ate­lier befindet sich gleich unten im Haus, eine kleine Anlage inklusive. „Ohne Musik läuft bei mir gar nix“, sagt Christian und entwirft in seinem Tätowierstudio „Hold Fast“ nicht nur einzigartige Bilder, die unter die Haut gehen, sondern erfüllt auch gerne musikali­sche Wünsche seiner Kunden – solange es sich dabei nicht gerade um „Techno oder Dudelradio“ handelt. In solchen Fällen hält er vielfältige Alternativen bereit, ganz klassisch auf CD. Denn mit Computern hat er’s nicht so, das Gebäude ist daher auch nicht vernetzt. Bevor ihm ein Server oder Ähnliches ins Haus kommt, würde er lieber weiter in die große Anlage investie­ren. Das ist die mit dem großen Plattenspieler.
Neben der Tätowiernadel, die Christian auch nach 30 Jahren immer noch gern und präzise führt, gibt es noch eine ganz andere Nadel, die ihn regelmäßig begeistert: die Abtastnadel des Tonabnehmers näm­lich, derzeit ein Ortofon Venice. Es steckt im Ortofon- Tonarm 309, und zusammen komplettieren sie das Laufwerk Radius XX von ToneTool. Das Masselauf­werk mit der vorteilhaften Grundform (mittlerweile gern kopiert) baute ToneTool-Chef Holger Wilhelm schon vor etlichen Jahren speziell für Christian Ceter; es ist eines der ersten Exemplare. Der wiederum bedankte sich für die exqui­site Maßanfertigung mit einem Logo-Entwurf, der prompt zum Markenzeichen der Manufaktur wurde.

Ceters Hardware zum Musikhören umfasst neben der alles überragenden Analogmaschine auch eine „historische“ Digital- Kombi von Theta, einen dicken Audio-Analogue-Amp und zwei bildhübsche Silver Signature 30 von Bowers & Wilkins, unterstützt von einem Sunfire-Subwoofer. Und diese nur schein­bar wilde Mixtur spielt ausgesprochen geradeaus und auf den Punkt, die Anlage beherrscht leichtfüßigen Swing ebenso wie das volle Brett, spielt schon leise voll durchhörbar und bleibt auch unter Druck absolut „auf Kurs“. Das Geheimnis des ausgesprochen lufti­gen, dabei kraftvollen Klangs läge darin, so mein im­mer wieder begeisterungsfähiger Gastgeber, dass er dem wertvollen Musiksignal auf dem Weg durch die Anlage bis zum Ohr optimale Bedingungen verschaf­fe. Hierbei seien die Geräte natürlich der Grundstock fürs Musikerlebnis, praktisch genauso wichtig sei jedoch die Feinabstimmung, das konsequente Tuning bis ins Detail. Also verteilt Herr C. aus L. sein Budget gleichmäßig: ein Drittel für Musik, ein Drittel für Kom­ponenten, ein Drittel für Tuningmaßnahmen.

Etwa halbjährlich beschleicht den Mann mit den zwei spitzen Nadeln das Gefühl, mal wieder etwas am Klang seiner Anlage verbessern zu wollen. Und er genießt es sichtlich, danach seine Musiksammlung wieder völlig neu zu entdecken – das Glücksgefühl jedes Audiophilen. Dabei kann er sich für neue Kabel­stützen oder Netzstrippen ebenso begeistern wie für ein neues Blues- oder Metal-Album seiner Lieblings­musiker. Er verkörpert damit die erfrischendste Mix­tur aus Spaß, Sport und Spitzfindigkeiten, die mir zum Thema Musik und High-End-Audio bisher begegnet ist. Keep on rockin’, Chrischaan! Hold fast!

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