Cambridge Azur 851D – Darf es sonst noch etwas sein?

Cambridge Audio zeigt der Konkurrenz eine lange Nase: Für nicht mal 1500 Euro Straßenpreis macht der 851D Pre-DAC ziemlich was her. Und das betrifft Klang und Feature-Reichtum gleichermaßen.

Cambridge Azur 851D

Wer sich in diesen Tagen einen neuen Pre-DAC – also einen D/A-Wandler mit Vorstufe – zulegen möchte, der sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr. Es gibt diese Geräte schlichtweg in allen erdenklichen Bauformen, Größen und Preisklassen. Welches denn nun wirklich die perfekte Ergänzung für die heimische Anlage ist, das hängt nicht immer nur vom Klang ab, sondern auch von der vor­handenen HiFi-Umgebung oder den Sonderwün­schen des Benutzers: „Soll ein Kopfhörerverstärker an Bord sein?“ – „Wie wär’s mit ein paar digitalen Filtern zum Rumspielen?“ – „Hat der überhaupt genug Digitaleingänge?“ – „Kann der HDMI?“ – So und ähnlich lauten häufig die Fragen, Forderungen und Bedenken, die der interessierte Käufer mit sich herumträgt.
Auch ich habe mich in den letzten drei Jahren sehr ausführlich mit Pre-DACs befasst – nicht nur in journalistischer Hinsicht, sondern weil ich mir die Auswahl eines Referenz-DACs für meine Heimanlage nicht gerade leicht machte. Zwar möchte ich noch nicht sagen: „Ich hatte sie alle“ – aber zumindest ging in dieser Zeit eine gut zweistellige Zahl dieser Komponenten durch meine Hände. Nun also der Cambridge Azur 851D – verorten wir ihn zunächst einmal ein wenig innerhalb des Produktportfolios.
Bei Cambridge Audio gibt es derzeit vier HiFi-Serien: Die Einsteigerlinie Topaz sowie – mit ansteigenden Preisen und Qualitätsansprüchen – die Serien 351, 651 und 851. Der 851D gehört somit zur Topklasse bei Cambridge Audio, ihm stehen der Vollverstärker 851A, der CD-Spieler/DAC 851C, die Vorstufe 851E sowie die Endstufe 851W als Geschwister zur Seite. „Topklasse“ heißt bei Cambridge Audio aber immer noch: bezahlbar. Für nicht einmal drei 500-Euro-Scheine wech­selt der 851D den Besitzer. Und dafür bietet er fast schon unverschämt viele Features.
Da wären zum Beispiel stolze zehn Digi­taleingänge, von denen acht ohne Umstöpseln nutzbar sind (bzw. zwei doppelt ausgelegt sind): Zur Verfügung stehen zwei S/PDIF-Cincheingänge, vier TosLink-Eingänge, ein BNC-Ein­gang, ein AES/EBU-XLR-Eingang sowie ein USB-Eingang. Obendrauf spendiert Cambridge Audio dem Besitzer noch einen Bluetooth-Empfänger nebst entsprechendem Eingang. Ausgangsseitig gibt’s sowohl einen unsymmet­rischen Cinchausgang als auch ein Paar symme­trische XLR-Buchsen. Nobel, nicht wahr? Aber wir sind noch lange nicht fertig.

Wenn wir uns dem 851D von vorne nähern, sehen wir als zentrales Element ein kontrast­reiches, hintergrundbeleuchtetes LC-Display, umrankt von acht Tastschaltern. Rechts auf der Frontplatte befindet sich ein schön großer, endlos laufender Impulsgeber für die Lautstärke­regelung, zur Linken ein Standby-Schalter, eine Kopfhörerbuchse und ein Menü-Tastschalter nebst einigen Status-LEDs. Ganz schön was los auf der Frontseite – trotzdem wirkt das Gerät an­genehm aufgeräumt und alles andere als unüber­sichtlich. Außerdem, das sei lobend erwähnt, ist die Verarbeitungsqualität des Geräts angesichts des moderaten Verkaufspreises überragend.
Der Menü-Taster gestattet es, diverse Grundeinstellungen vorzunehmen. Hier lässt sich unter anderem zwischen USB-Class-1- und USB-Class-2-Betrieb umschalten. Ebenso kann die digitale Lautstärkeregelung ausgeschaltet werden, sodass der 851D im reinen DAC-Modus arbeitet, also permanent Vollgas gibt. Auch die Helligkeit des LC-Displays kann an dieser Stelle in mehreren Abstufungen geregelt werden.
Mithilfe der acht Tastschalter am Display wer­den im Standardbetrieb die acht Eingänge an­gewählt. Aber nicht nur das: Hält man einen der Taster länger als vier Sekunden gedrückt, dann geht’s eine Menüebene tiefer. Hier lässt sich – pro Eingang wohlgemerkt – einer der drei zur Verfügung stehenden Digitalfilter wählen, aber auch optional eine Phasenumkehr einschalten oder der Name des Kanalzugs konfigurieren. Doch genug der techni­schen Details; die Bedienungsanleitung können Sie schließlich auch selbst lesen. Wie klingt’s denn nun?
Der 851D ist – zumindest für meinen Ge­schmack – insbesondere dann ein Volltreffer, wenn man auf eine gleichzeitig breite wie tiefe, trotzdem aber präzise Raumabbildung Wert legt. Hier spielt er ganz deutlich mindestens eine Kategorie über seiner Preisklasse. Das wird zum Beispiel beim Album The Moon And Antarctica der amerika­nischen Band Modest Mouse deutlich. Der Song „The Cold Part“ basiert auf einem schleppend, ja geradezu lustlos gespielten Schlagzeug, das von hall- und delaygetränkten Gitarren begleitet wird, während Sänger Isaac Brock seine Stimme – und seinen bellenden Gesang – mit ungefähr 30 pa­rallelen Gesangsspuren zu einem sinistren Chor aufschichtet. Über den 851D flutet all dies mit einer frappierenden Großzügigkeit in den Hörraum. Der Cambridge-DAC lässt den geneigten Hörer, fähige highfidele Mitspieler vorausgesetzt, hervorragend in die „Tiefe des Raums“ (Gruß an Günter Netzer) lugen. Dieses besondere Talent zur Raumdarstel­lung beweist der 851D auch bei Phillip Boas Album Helios. Im Song „Galerie der Fälschungen“ brettern dem Hörer die Soundeffekte nur so um die Ohren, insbesondere die verhallten Dudelsack-Töne fliegen durch die Wohnung, dass es geradezu eine Art hat.

Tonal würde ich den 851D nicht gerade in die Kategorie der Feinzeichner und Schmeichler einsortieren – was als Kompliment zu verstehen ist. Er spielt im Bassbereich kernig, flink, durchaus auch profund, im Mittenbereich im positiven Sinne unauffällig – und zeigt sich obenrum ganz eindeutig auf der klaren und hellen, bisweilen pointierten Sei­te. Dazu kommt, dass er dynamisch ausgesprochen auf Zack ist und kurze Impulse verzögerungsfrei wiedergibt, während er ebenso in der Lage ist, ei­nen Basso continuo quasi sauber nebenher mitlau­fen zu lassen. Bei Igor Strawinskys Sacre du prin-temps (in einer Aufnahme von Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern von 2013, als 24-Bit-FLAC-Datei vom Notebook aus gereicht) spielt er ausge­sprochen alert und präsentiert gerade im dritten Satz („Danses des adolescentes“) die einleitenden Violinglissandi wie kleine Nadelstiche. Später im Stück, wenn das Orchester sich fast ins Bolero-arti­ge aufschwingt, sortiert der 851D das musikalische Durcheinander mit strenger Hand und ermöglicht dem Zuhörer, sich gleichermaßen auf die Melo­dielinien und die begleitenden unruhig-zappeligen Streicher zu konzentrieren. In Sachen Dynamik das Kleine neben dem Großen, das Schnelle neben dem Langsamen gleichberechtigt wiederzugeben – das scheint mir eine zweite große Stärke des 851D.
Wie schlägt sich der 851D gegen meine Refe­renz, den B.M.C. PureDAC? Das war für mich inso­fern spannend, als beide etwa gleich viel kosten. Die Antwort: klares Unentschieden! Der B.M.C. wirkt im tonalen Bereich etwas „erwachsener“. Er bringt – insbesondere in den oberen Mitten und höchsten Lagen – etwas mehr Differenzierung und Fein­zeichnung mit. Hingegen kann der 851D im Bass punkten; weniger in Sachen Tempo und Elastizität, dafür aber was Vehemenz und schiere Kraft angeht. In Bezug auf die stereofone Darstellung wirkt der B.M.C etwas analytischer sortierend, insgesamt erscheint die Bühne dort aber auch etwas enger abgesteckt als beim 851D. Und dann wären da auch noch die Feature-Unterschiede. Der PureDac hat lediglich vier Digitaleingänge, dafür allerdings zwei Kopfhörerausgänge, von denen einer sogar symme­trisch ist. Es ist – und bleibt – also alles eine Frage des Geschmacks. Oder der Anforderungen.
Lassen Sie es mich anders sagen. Eines wird Ihnen nicht gelingen: mit dem Cambridge Audio 851D irgendetwas falsch zu machen. Er klingt blitzsauber, hat mehr Digitaleingänge, als Sie ver­mutlich je brauchen werden – und macht sowohl als Stand-alone-DAC als auch als Vorstufe eine sehr gute Figur.

www.taurus.net

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