HiFi – Warum weniger manchmal mehr ist.

Ganz ehrlich: Ein jeder, der ein bisschen kindisch ist – und das sind wir HiFi-Fans doch alle –, stellt es sich toll vor, mal einen Ferrari zu steuern. Aber: Macht es Spaß, mit einem voll aufgebrezelten Ferrari durch den Berliner Feierabendverkehr zu schleichen und sich einen Kupplungsbeinwadenkrampf zu holen? Macht es mehr Spaß, mit einem Smart von Leipzig nach Rimini zu fahren? Wohl eher nicht.
Spaß stellt sich – zumindest manchmal – dann ein, wenn die Dinge im richtigen Maß sind. Und nicht, wenn man einfach alle Regler nach rechts dreht. Nehmen Sie dies vielleicht einmal als bedenkenswerte Analogie, wenn es darum geht, Ihre Stereoanlage zusammenzustellen.
Klar sieht es beeindruckend aus, wenn im Hörraum fette Standboxen über armdicke Kabel an Monoblock?Verstärkern angeleint sind. Die andere Frage ist aber, wie das in einem Raum mit 13 Quadratmetern klingt. Und ob Sie nicht für einen Viertel des Geldes in Ihrer persönlichen Hörsituation einen signifikant besseren Klang hätten.
Häufig ist es so, dass große Standboxen nicht nur eine gewisse Mindestlautstärke brauchen, um ihre Meriten vollständig ausspielen zu können. Auch der Hörabstand darf nicht zu gering ausfallen, damit sich der Klang aller Treiber zu einem einheitlichen Gesamtbild bündelt. Nicht zuletzt sollte ein gewisser Wandabstand der Lautsprecher gewahrt sein. Könnte eng werden in einem kleinen Raum.
Bei Verstärkern sieht es ähnlich aus: Wenn Sie einen Boliden mit 2 x 500 Watt in einem winzigen Raum einsetzen, werden Sie wohl kaum über die 9-Uhr-Einstellung des Lautstärkereglers hinauskommen. Und somit einen Großteil der Fähigkeiten des Verstärkers niemals zu Ohren bekommen.
Am besten ist es, sämtliche HiFi Zeitschriften weit weg zu legen, wenn Sie Ihre Anlage planen. Schauen Sie sich stattdessen lieber einmal genau Ihren Hörraum an. Wie groß ist er? Wie viel Platz können Sie realistisch für Anlage und Lautsprecher einplanen? Wo können die einzelnen Komponenten stehen? Wohnen unter Ihnen geräuschempfindliche Menschen? In diesem Fall können Sie nämlich mit Kompaktlautsprechern und hochwertigen Ständern ein wesentlich besseres Ergebnis – klanglich und nachbarschaftlich – erzielen.
Wenn Sie alle diese Informationen zusammengetragen haben, haben Sie schon eine ungefähre Vorstellung, was es in Ihrem Hörraum wirklich braucht. Und vielleicht atmen Sie jetzt auf, weil Sie gar nicht so viel Geld ausgeben müssen, wie Sie befürchtet hatten. Falls es anders ist, Sie von Beruf Erbe und jetzt enttäuscht sind, weil Sie doch richtig repräsentieren wollten: keine Panik! Auch für „kleines HiFi“ kann man richtig, richtig viel Geld ausgeben. Doch davon handelt unser nächstes Kapitel „Geld her!“

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