Pro-Ject Xtension 10 SuperPack – EINMAL ALLES‚ BITTE!

„Guten Tag, ich möchte einfach nur meine Schallplatten hören. Aber in allerbester High-End-Qualität. Und unkompliziert. Und zu einem guten Preis.” – Kein Problem!

 

Das Einzige, was an diesem Plattenspieler ein bisschen umständlich ist, hat mit dem Schallplattenhören nichts zu tun: sein Name. Wer kann sich schon „Pro-Ject Xtension 10 Evolution SuperPack“ auf Anhieb merken?! Alles andere ist zum Glück wunderbar unkompliziert. Denn die komplette Maschine ist derart feinsinnig und gebrauchsfreundlich zusammengestellt, dass ihr Besitzer das Thema High-End- Plattenspieler damit ad acta legen kann. Das „10er-SuperPack“, wie wir den Unmerkbaren ab jetzt freundschaftlich nennen wollen, gibt schlichtweg keinen Anlass, sich lang und breit mit der perfekten Zusammenstellung einzelner Bausteine abzumühen. Das haben die Profis im Vorfeld alles schon erledigt. Und wenn Ihnen der engagierte Fachhändler das gute Stück auch noch zu Hause aufbaut und installiert, dann ist das doch ein wahres Rundum-glücklich-Paket, oder?
Genau das soll es sein: ein Freundschaftsangebot (oder auch: Friedensangebot) für alle Schallplattenfans, die lieber schwarze Scheiben auflegen wollen, als ständig an der Hardware herumzufummeln. Wir merken uns einfach: „plug & play“ statt „schraub & schwitz“ – das trifft die Sache schon ganz gut.


Das 10er-SuperPack kommt in echter Vollausstattung: Zum erstklassigen Laufwerk (Pro-Ject Xtension) mit dem erstklassigen Tonarm (Pro-Ject 10cc Evolution) gesellen sich ein absoluter Top-Tonabnehmer (Ortofon MC Cadenza Black) sowie etliche audiophile Extras, etwa das erstklassige Anschlusskabel (wahlweise sogar mit XLR-Steckern), die Staubschutzhaube aus Acrylglas, das Plattengewicht und – ganz wichtig! – das versammelte Know-how von renommierten Analogspezialisten. Das alles zusammen ergibt normalerweise eine Summe von 5400 Euro. Sicherlich kein Schnäppchen, auf jeden Fall aber eine hochseriöse Empfehlung, in dieser Qualität nahe am Geheimtipp. Doch nur mal angenommen, auf dem Plattenspieler stünde nun ein „angesagter“, vielleicht sogar „kultiger“ Markenname (was immer das genau sein soll: Pro-Ject fällt mit Sicherheit nicht in diese Kategorie, dazu ist man schlicht zu ehrlich), dann wäre das Ganze plötzlich doch ein Schnäppchen. Und käme das Paket auch noch aus, sagen wir: den USA oder der Schweiz oder aus Japan, wäre die Sensation perfekt. Respekt, wie „die“ das zu diesem Preis hinbekommen haben …

Kleiner Schwenk auf dem HiFi-Globus. Wir haben nun Österreich, Dänemark und Deutschland im Blick. Denn die Firma Pro-Ject aus Österreich ist, weithin unbemerkt, nicht ganz zufällig der weltweit größte Hersteller von anständigen Plattenspielern. Ortofon wiederum, Analoglegende und Lieferant des Tonabnehmers, kommt aus Dänemark. Beide Hersteller werden in Deutschland seit Jahren erfolgreich von ATR (Audiotrade) betreut. Dort entschloss man sich nun zu einer Aktion, die klipp und klar zeigen soll, wozu analoge Großmeister aus Österreich und Dänemark fähig sind, wenn man sie in Sachen Technik und Klang gemeinsam von der Leine lässt. Da Hardware und reichlich Erfahrung ja ohnehin vorhanden sind, war die Feinabstimmung wohl kein Problem, sondern Spaß und Sport zugleich.
Sportlich war offenbar auch die Preisfindung zum 10er-SuperPack. Als alle Komponenten für die Preis-Leistungs-Offensive feststanden, setzten sich die Chefs von Pro-Ject, Ortofon und ATR an einen Tisch, schlossen die Tür und holten den ganz spitzen Bleistift raus. Alle Beteiligten gaben sich bei der Neukalkulation einen Ruck, dann noch einen und – voilà – war ein Paket geschnürt, dass selbst Kennern ein anerkennendes Nicken abringt. Denn 4490 Euro statt 5400 Euro sind schon eine starke Ansage! Zu diesem Kurs bietet das Laufwerk mit den schönen, geradezu klassischen Proportionen (Micro Seiki BL-91 lässt grüßen) hochpräzise Mechanik und eine neuzeitliche Ausstattung, die allerdings nur dezent in Erscheinung tritt, wenn sie nicht gleich ganz unsichtbar ist. Das Xtension-Laufwerk besitzt beispielsweise magnetgelagerte und höhenverstellbare Füße, einen fetten resonanzoptimierten und ebenfalls magnetgelagerten Aluminium-Plattenteller mit Vinylauflage sowie eine elektronische Motorsteuerung. Deren „Hochzählen“ beim Start ist übrigens lustig, überdenkenswert hingegen die Position der dazugehörigen Steuerung: Das Bedienfeld ist auf der rechten Oberseite des Laufwerks eingelassen, direkt vor dem darüber befindlichen, in seiner Ruhestellung von einem zarten Magneten in der Armhalterung fixierten Tonarm. Ich hätte das Steuerfeld lieber auf der linken Seite. Aus reiner Faulheit, weil ich ein jahrzehntelanger Linn/Thorens/Garrard-Benutzer bin und nicht umdenken will? Das vielleicht auch. Hauptsächlich aber, um dem Tonabnehmer nicht versehentlich zu nahe zu kommen.

Denn der Tonabnehmer, ich erwähnte es schon, ist ein ganz besonders feines Schätzchen. Das Ortofon MC Cadenza Black kostet als Solokünstler allein schon respektable 2250 Euro und wird häufiger in noch viel dickeren, teureren Laufwerken als dem Xtension gesichtet. Gleichwohl gibt es keinerlei Anlass, am perfekten Match mit dem montierten – und gern unterschätzten – Tonarm zu zweifeln. Apropos unterschätzen: Die klangliche Performance des 10er-SuperPack gehört definitiv zu den angenehmsten, befriedigensten Erfahrungen der Vinyl-Neuzeit. Ernsthafte Plattenspieler gibt es ja in drei Haupt-Geschmacksrichtungen: als Brett-, Masse- oder Subchassis-Konstruktion. Ich persönlich habe nix gegen dicke Bretter, nix gegen Bohrinseln, nix gegen Schwabbelschwinger. Alle drei Konzepte können für exzellente Klangergebnisse sorgen – wenn sie gut konstruiert sind und mit den richtigen Zutaten kombiniert werden. Das 10er-SuperPack vermittelt hierbei äußerst geschickt zwischen den Welten: Es verbindet nahezu ideal die klanglichen Vorteile eines vorzüglichen Massespielers (Stabilität und Wucht im Bass) mit denen einer vorzüglichen Subchassis-Konstruktion (Beweglichkeit und Spielfreude). Und der „mittlere“ Arm der Evolution-Serie gilt bei etlichen Experten ohnehin als der optimale Kompromiss zwischen Basswiedergabe, Souveränität und Durchhörbarkeit. Davon wiederum profitiert das über alle Zweifel erhabene Ortofon, das in der Praxis „nur noch“ einen ebenso ernsthaften, möglichst rauscharmen Phonoentzerrer benötigt. Praktischerweise steht mir die Pro-Ject Phono Box RS als ideale Ergänzung ebenfalls zur Verfügung, fügt sie sich doch mit schlankem Preis und opulenter, aber praxisfreundlicher Ausstattung hervorragend ins Gesamtbild ein. Kurzum: Das 10er-SuperPack pflegt Vinylkultur pur. Als Gesamtkunstwerk nimmt es sich selbst vollkommen aus dem musikalischen Geschehen heraus, lässt den Schallplatten den Vortritt. Was immer auch gespielt wird, transportiert es absolut souverän, allürenfrei und in richtiger Größe. Es zeigt tatsächlich keinerlei Schwächen, nur Stärken. Und das, liebe Anfänger und Soundjunkies, ist die wahre, hohe Kunst. Wer dieses Paket gesamtheitlich überbieten will, landet mit einiger Sicherheit in fünfstelligen Preisregionen.

www.audiotra.de

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