Abschmecken mit Edelmetall

Thomas Fast

Thomas Fasts Lieferwagen bietet nicht nur ausreichend Werbefläche, sondern auch genug Platz für große Akustik-Absorber und Diffusoren, Messequipment ist meist auch noch darin verstaut. Doch für seine heutige Demonstration hätte der Raumakustik-Experte auch mit einem Smart vorfahren können. Ein kleines Köfferchen ist alles, was heute benötigt wird. Darin befinden sich Schälchen aus Kupfer, Silber, Rot- und Gelbgold sowie Platin, nebst zugehörigen Holzklötzchen, die als Stativ fungieren und mit möglichst wenig Knetmasse an der Wand fixiert werden. Ja, stimmt, Acoustic System Resonatoren. Und ja, alter Hut, schon mal gehört. Aber bitte nicht gleich Abwinken, dieses Raumtuning-Konzept ist immer wieder für eine Überraschung gut. Auch wenn die Resonatoren seit 15 Jahren – und das ist nur der Zeitraum, in dem Thomas Fast damit arbeitet – unverändert sind. Außerdem ist es ein Erlebnis, zu sehen, wie Thomas Fast, der die unterschiedlichen Auswirkungen der verschiedenen Metalle tief verinnerlicht hat, mit großer Sicherheit durch eine Reihe möglicher Konfigurationen springt. Das geht so fix, dass man am Hörplatz schnell den Überblick verliert: Fast im Sekundentakt sieht man sich mit veränderten akustischen Fingerabdrücken konfrontiert. Ausgehend von einer Grundkonstellation, die mindestens einen Resonator mittig an der Wand zwischen den Lautsprechern vorsieht, schmeckt Thomas Fast das Zusammenspiel von Raum und Stereoanlage ab wie ein Sternekoch sein Menü. Klingt es etwas zu hell, muss ein silbernes Schälchen einem goldenen weichen. Ist es dann zu einschmeichelnd, zu euphonisch, war Rotgold wohl doch nicht das geeignete Mittel, sondern Gelbgold passt besser. In Bodennähe an der Wand hinter den Lautsprechern verbessert ein Kupferresonator die Basswiedergabe, kann aber Stimmen ein wenig ausdünnen oder sogar rau werden lassen, dann hilft wiederum Rotgold doch besser. Silberresonatoren seitlich hinter den Lautsprechern, an den Seitenwänden und im Rücken des Hörers können brillante Highlights setzen – aber Vorsicht, man kann dem Effekt erliegen und zuviel des Guten tun. Insbesondere in ohnehin schon hellen, temperamentvollen, „silbrigen“ Ketten rät Thomas Fast zu spärlichem Silbereinsatz, Gelbgold bringt stattdessen Lebendigkeit und Körper, ohne enervierend zu wirken. Ein Platinresonator unter der Decke an der Wand hinter der Anlage, lässt die Wiedergabe förmlich aufblühen, sorgt für Headroom und räumliche Losgelöstheit, falls die Musik tendenziell dumpf an den Lautsprechern klebt. Allerdings ist die verblüffende Wirkung der kleinen Tuning-Schälchen beileibe nicht auf Ketten begrenzt, die in sich fehlerbehaftet spielen, sondern entfaltet sich umso beeindruckender je besser eine Anlage ist. Es ist faszinierend, wie sich durch geschicktes Verteilen von zehn oder sogar noch mehr Resonatoren an den Raumwänden der Fokus und die Durchhörbarkeit, der musikalische Fluss einer ohnehin schon sehr transparenten Kette nochmals verbessern lässt. Und zwar zweifelsfrei und nicht nur irgendwie. Sobald Thomas Fast fertig ist, den Raum „bespielt hat“, klingt es besser und nicht nur anders. Skeptiker können im Handumdrehen alles wieder zurückbauen, aber sie sollten gewarnt sein. Der Raumeindruck bricht drastisch zusammen, die Brillanz schwindet und Stimmen verlieren ihre Natürlichkeit. Plötzlich klingt die Anlage wie ein ungewürztes Chili schmeckt – nach Bohneneintopf.

www.fastaudio.de

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