Ein leidiges altes Thema – und immer noch nicht ausgestanden.

An sich sollte hörbarer Brumm in den Lautsprechern der HiFi-Anlage heutzutage kein Thema mehr sein. Doch das ist leider nicht der Fall. Während sich alte Hasen meist schnell zu helfen wissen, stehen Newcomer dem Brummproblem häufig hilflos gegenüber.

Brummprobleme haben normalerweise die folgenden zwei Hauptursachen. Erstens: elektrische und magnetische Störfelder. Zweitens (bei dreipolig ans Netz angeschlossenen Geräten): sogenannte Brummschleifen, also Massepotenzial- Unterschiede zwischen untereinander verbundenen Geräten, meist verursacht durch Doppelerdung über den Schutzleiterkontakt der Netzstecker. Während Brummschleifen bei komplett symmetrischer Schaltungstechnik oder galvanisch getrennter Signalübertragung systeminhärent ausgeschlossen sind, stellt die Schleifenbildung bei unsymmetrisch arbeitenden Verstärkern immer noch ein Problem dar, das freilich durch korrekte Schaltungsführung (genauer: Verbindung zwischen Schaltungsmasse und Schutzleiter via RC-Kombination oder antiparallele Dioden) wirksam bereinigt werden könnte. In der Praxis kann man festellen, dass heutzutage ungefähr 90 Prozent der Komponenten derartige Schwierigkeiten nicht mehr verursachen; die Ausreißer sind nicht selten unter billiger Importware oder echten „Garagen-Herstellern“ zu finden. Verursacht ein Verstärker auch bei kurzgeschlossenen Eingängen Brummstörungen, denen nicht beizukommen ist, darf man getrost beschließen, dass ein solches Gerät defekt ist oder fehlerhaft konstruiert wurde. Ein ebenfalls zu unserem Thema gehörender Spezialfall ist dann noch die Erdungsführung bei Phonoverstärkern und Plattenspielern.

Brumm durch Schleifen

Ohne Sie lange mit Theorie zu behelligen: Eine Brummschleife wirkt um so schlimmer, je größer sie ist. Deshalb steckt man ausnahmslos alle Geräte einer Wiedergabekette in ein und dieselbe Netzleiste ein und verlegt die Netzkabel, soweit machbar, zusammen und getrennt von den signalführenden Kabeln der Anlage. (Bei Installationen mit leistungsfähigen Endverstärkern vergewissert man sich sicherheitshalber, dass die Netzleiste auf 16 Ampere spezifiziert ist.) Das Ab- oder Zukleben der Schutzleiterkontakte an Netzsteckern ist übrigens verboten, in einem Ernstfall könnte Sie ihre Hausratversicherung unangenehm an die elektrotechnischen Vorschriften erinnern oder, noch schlimmer, ein defektes Gerät könnte Netzspannung auf dem Gehäuse führen, ohne dass die Sicherung fliegt.

Hin und wieder tauchen in der Szene auch obskure „klangverbessernde“, aber hochgefährliche Netzkabel auf, die keinen Schutzleiter besitzen – ab damit in den Elektroschrott! Ein weiterer uralter Grund für Brumm ist der Anschluss eines Tuners, der via Antennenbuchse eine Brummschleife herstellt; Abhilfe schafft hier ein sogenanntes Mantelstromfilter in der Antennenzuleitung, das es fertig zu kaufen gibt (in der Praxis nichts weiter als ein Kondensator, der die Abschirmung des Antennenkabels galvanisch abtrennt).
Brumm durch Einstreuung trifft üblicherweise die empfindlichsten Gerätschaften, also jene, die mit dem kleinsten Signalniveau zu kämpfen haben. Natürlich hat eine Halogenlampe respektive deren Trafo nichts in der Nähe des Plattenspielers, einer Phonostufe oder gar eines MCÜbertragers verloren, ebenso wenig schwere Verstärker mit entsprechend großen Netztrafos. Und ausgelagerte Netzteile, Trenntrafos oder Netzfilter jeder Art platziert man am besten so weit entfernt von den Geräten, wie es die Zuleitungen erlauben. Die bekannte Problematik, dass steinalte Dimmer als „Brummsender“ ganze Zimmer elektromagnetisch verseuchen, sollte inzwischen eigentlich kein Thema mehr sein, und nebenbei bemerkt natürlich ebenso wenig verschmutzte oder korrodierte Cinchstecker mit erheblichen Übergangswiderständen.

Brumm im Phonobetrieb

Die mit Abstand am häufigsten auftretenden Brummprobleme beschert uns leider das gesamte Thema Plattenspieler. Hier reicht die mögliche Bandbreite an Fehlern von schlecht oder gar nicht abgeschirmten Phonokabeln (es sind immer noch genug abenteuerliche Konstruktionen unterwegs, die „besser“ klingen sollen) über falsche Erdungsverdrahtung bis hin zu MC-Übertragern, die ungenügend geschirmt sind (kein seltener Fall). Das Prinzip der richtigen Erdungsverdrahtung ist simpel und lautet: sternförmig zu einem einzigen Punkt hin. Im Normalfall übernimmt die Erdungsklemme am Vor-, Phono- oder Vollverstärker diese Aufgabe – sie ist sozusagen das Masse-Zentrum der Anlage. Hier werden sämtliche andere Erdungsdrähtchen angeschlossen, als da sind: der Erdungsdraht vom Tonarm, der Erdungsdraht vom Laufwerkschassis (falls vorhanden) und der Erdungsdraht eines MC-Übertragers oder jener eines separaten MC-Verstärkers (der an einen MM-Eingang angeschlossen ist). Sollte bei der Schallplattenwiedergabe hin und wieder ein deftiger Knacks das Hörvergnügen stören, so handelt es sich in der Regel um statische Aufladung, die sich einen Weg zur Ableitung sucht; das kann etwa geschehen, wenn der Tonarm und das Laufwerkschassis nicht leitend verbunden sind (zum Beispiel bei der Benutzung von hölzernen Tonarmbasen). In solchen Fällen sollte man sich einen leitenden Punkt am Chassis oder Lager suchen und ein Erdungsdrähtchen zum Massepunkt der Anlage legen. Beim Experimentieren mit den Masseverbindungen sollte der Pegelsteller aber nur ganz wenig aufgedreht werden, damit im Ernstfall kein Brutal-Brumm bei den Lautsprechern ankommt.

Wenn im Phono-MC-Betrieb mit dem Ohr dicht am Lautsprecher und dem Pegelsteller auf normaler Abhörlautstärke nur noch ein ganz, ganz winziger Restbrumm vernehmbar ist, haben Sie gewonnen, der seltene Idealfall wäre freilich nur noch minimales Restrauschen. Im Line- oder Hochpegelbetrieb muss die Kette dagegen „blitzblank“ sein. Den eben erwähnten Phono-Idealfall mit abenteuerlichen Tonarm-Verdrahtungen (beispielsweise mit den üblichen von einem Tangential-Arm zu einem Anschlusskästchen führenden „Drahtbögen“) zu erreichen, ist fast unmöglich. Nichtleitende und damit nicht abschirmend wirkende Tonarmrohre können ähnlich problematisch sein, insbesondere dann, wenn die vom Tonabnehmer kommenden Leitungen nicht kanalweise eng verdrillt sind.

Mechanischer Brumm

Zum Schluss noch ein paar Worte zu einem ganz anders gearteten Problem, nämlich zu sogenanntem mechanischem Brumm von großen Netztrafos. Hin und wieder hört man von Verstärkern, deren Trafobrumm noch am Hörplatz deutlich vernehmbar ist – das kommt tatsächlich vor. Glasklar: ein solcher Fall ist nicht akzeptabel, das Gerät muss als defekt gelten. Leichter Brumm (mit dem Ohr dicht am Verstärkergehäuse wahrzunehmen) ist dagegen kein Mangel, insbesondere dann, wenn sehr leistungsfähige Ringkern- Transformatoren am Werk sind. Auf eine weitere potenzielle Brummquelle weise ich nur der Vollständigkeit halber hin: Große Katzen können brummen, was das Zeug hält! Tun sie es, während die Musik spielt, kann die Anlage soo schlecht nicht sein 🙂

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