Hörbücher für Anspruchsvolle

Alle Welt fragt nach innovativen Produkten, um den Markt zu beleben.
Norbert Lindemann gibt mit seinen Musicbooks 25 und 50 eine exquisite Antwort

Musicbook

Seit Jahren schon ist es zu hören, meist aber hinter vorgehaltener Hand: Der Markt sei satt, man erreiche die Kunden nicht mehr, die Umsätze sind nicht, wie sie sein sollten … Krise!
Nun bin ich nicht der Weise vom Berg, der die Situation mühelos überblickt und aus sicherer Entfernung die Probleme und anstehenden Lösungswege genau benennen kann. Das kann niemand – egal, was er sagt. Und wüsste einer das Patentrezept, wäre er schon längst sehr, sehr reich.
Also beobachte ich ständig die Entwicklungen und kann beispielsweise bei einigen Bekannten den Hang zum Downgrading feststellen. Nach einer normalen HiFi-Karriere mit immer komplexeren Installationen haben sie nun schlicht keine Lust mehr auf große und allzu komplizierte Geräte, die ständig umtanzt werden müssen, um die gewünschte Leistung erbringen zu können. Erstklassig hören wollen meine Bekannten aber dennoch. Und so durchforsten sie den Markt, finden nichts Passendes und landen schließlich völlig frustriert bei irgendwelchen Life- style-Gerätschaften, die sich im Wohnzimmer rein optisch ausnehmend gut machen. Leider aber nicht gut klingen.
Diesen Trend hat auch Norbert Lindemann gespürt, seine Schlüsse daraus gezogen und neue Midi-Geräte auf den Markt gebracht. – Wie bitte? Ein Entwickler, der sich in der Vergangenheit bezüglich klanglicher Kompromisse gänzlich unverdächtig zeigte?! Einer, der Verstärker baut, die selbst dem verwöhnten Kollegen Schulz in FIDELITY Nr. 5 wahre Begeisterungsstürme abnötigten? Und ausgerechnet solch ein in der Wolle gefärbter Klangästhet kümmert sich nun um schickes Midi-Format?
Norbert Lindemann ist von dem Schritt überzeugt, geht er doch auch diesmal nach eigenem Bekunden keine klanglichen Kompromisse ein. Ja, die Geräte der Musicbook-Serie seien hübsch und handlich, allerdings auch unter audiophilen Gesichtspunkten definitiv ernstzunehmen. Als Beispiel führt er den CD-Player im Musicbook 25 an, den er, wie er mehrfach betont, einfach nicht besser bauen könne.


Lindemann Musicbook               Lindemann Musicbook

 

 

 

 

 

Made in Europe
Dennoch nähere ich mich skeptisch. Nicht zuletzt, weil die beiden handlichen Geräte einfach zu gut aussehen. Natürlich muss ich mich da auch fragen, wie sehr mich diese Szene verdorben hat, dass ich schon misstrauisch werde, sobald einer Komponente nicht das Entwicklungslabor aus jedem schlecht sitzenden Spaltmaß tropft …
Die Musicbook-Gehäuse sind schlicht traumhaft verarbeitet. Massives Aluminium in ansehnlicher Stärke (6,5 Millimeter), sanfte Rundungen, das Fehlen sichtbarer Schrauben und eine wirklich tadellose Eloxalschicht lassen nicht nur mich bei einem kurzen Ratespiel die Preise deutlich zu hoch vermuten. Zusätzlich erfreut, dass diese Werkstücke nicht aus dem fernen Osten, sondern aus Österreich stammen. Um die Mechanik abschließend zu loben, lässt sich beim Musicbook 25 noch von ausreichend vielen und in hervorragender Qualität ausgeführten Anschlüssen (zwei analoge und vier digitale Eingänge, Vorstufenausgänge, Netzwerk, USB) auf der Rückseite berichten.
Das Display des Musicbook 25 ist eine Spezialität, auf die Norbert Lindemann zu Recht stolz ist: Das LED-Feld wird unter Vakuum mit der Frontplatte flächig verklebt („gebonded“), was beste Lesbarkeit von allen Winkeln zur Folge hat. Wir alle kennen das von Mobiltelefonen. Bei Audiokomponenten ist das bislang wegen der zu geringen Stückzahlen eine Novität – und eine schöne noch dazu, kann ich doch auch Detailinformationen von meinem Sessel aus mühelos ablesen, obwohl die Anlage an der Seitenwand steht. Bedienen lässt sich Nummer 25 mittels ihrer Fernbedienung, einer kostenlosen App via Tablet oder Smartphone (unerlässlich für Streamingfunktionen) oder über das in den Gehäusedeckel eingesetzte Multifunktionsrad. Hier kann man die Lautstärke (drehen), die Quellenwahl (drücken und drehen), Stummschaltung (kurz drücken) oder den CD-Auswurf (lang drücken) betätigen. Das ist schon wirklich sehr cool, ich gebe es zu. Allerdings wird es von mir auch wenig genutzt, da ich während des Hörens dann doch lieber im Sessel bleibe. Prinzipiell mag ich es nicht, wenn einige Funktionen ausschließlich mit einer App angesteuert werden können. Doch bei einem so sauberen und knopflosen Design muss ich einsehen, dass ich offenbar von der Welt überholt wurde – hier passt’s!

Lindemann Musicbook               Lindemann Musicbook

 

 

 

 

 

Volles Programm
Auch im Innern geht es edel weiter. Das CD-Lauf- werk ist keine Alibi-Lösung, sondern die von Lindemann favorisierte Musikquelle. Und daher ist es keine um Funktionen beraubte Computer- oder DVD-Lösung, sondern eines der wenigen noch am Markt erhältlichen reinen CD-Laufwerke. Dazu stammt es noch von TEAC und ist mit vielen Metall-teilen sehr stabil und langlebig ausgeführt.
Im Gegensatz zu den Klassikern wie den Philips-Pro- Laufwerken wird hier nicht in Echtzeit abgespielt, sondern zunächst ein Zwischenspeicher gefüllt, von dem aus der getaktete Datenstrom ausgeht. Da so ein kleiner zeitlicher Versatz entsteht, kann die Optik schwierige Stellen auch mehrfach auslesen, bevor eine dann eindeutige Information abgelegt wird. Daher sind diese Laufwerke auch nicht mehr so aufstellungsempfindlich. Den flapsigen Kommentar des Herstellers, dass diese Laufwerke genauso gut auf dem Kopf spielten, habe ich ernst genommen und ausprobiert. Es stimmt.
Vom Laufwerk geht es nach dem Oversampling, das in diesem Falle nur über binäre Vielfache der eingehenden Daten arbeitet, in die Wandler, auf die man bei Lindemann Audiotechnik besonders stolz ist. 352 oder 384 Kilohertz bei einer Tiefe von 32 Bit sind schon sehr gute Werte. Da Wandler im Leerlauf dazu neigen, selbst Störungen zu produzieren, werden die beiden Bausteine der symmetrischen Schaltung dauerhaft mit einem künstlich erzeugten Rauschen beschäftigt. Das lässt sie sauberer arbeiten und die Musik entspannter und feiner klingen. Und da es sich, wie schon erwähnt, um eine vollsymmetrische Schaltung handelt, löschen sie die beiden gegen-phasigen Rauschsignale im auf den Wandler folgen- den Operationsverstärker einfach gegenseitig aus. Eine schöne, elegante Lösung.
Von da erst geht es in den Vorstufentrakt, und was die Analogfans unter uns beruhigen dürfte: Ana-log eingehende Signale (es gibt immerhin zwei unsymmetrische Eingänge) bleiben bis zu den Ausgangsbuchsen analog. Die Lautstärke wird über ein Widerstandsnetzwerk in Schritten von einem Dezibel geregelt, die dafür nötigen Microcontroller bleiben sauber vom Signalweg getrennt. Die reinen Verstärkerfunktionen lassen sich übrigens wieder problemlos mit der hauseigenen, serienmäßig mit-gelieferten Fernbedienung dirigieren.

               

 

 

 

 

 

Ein starkes Buch
Die nicht minder smarte Endstufe ist für Lindemann Neuland, stellt sie doch seinen ersten Class-D-Verstärker mit Schaltnetzteil dar. Klein, schön und kühl thront das Musicbook 50 im Rack und treibt kleine und durchaus wählerische Spendors mit einem herz- haften Swing an, dass es die reine Freude ist. Das zugelieferte Verstärkermodul wird von Lindemann Audiotechnik noch an einigen Punkten geschliffen. Beispielsweise verschwinden bei der aus der Studiotechnik geborgten Schaltung sämtliche Keramikkondensatoren aus dem Eingang. Auch wurden die Kabel direkt mit der Platine verlötet, um die üblichen Steckverbindungen zu vermeiden. Feinschliff eben, den man einer Schaltung angedeihen lässt, von der man so sehr überzeugt ist, dass auf eine Neuerfindung des Rades verzichtet wird.
Allzu stark ist die Endstufe dennoch nicht, zumindest nicht auf dem Papier. Norbert Lindemann berichtet von einer Schutzschaltung, die schon mal abriegeln kann, wenn hohe Lautstärken und niedrige Lautsprecherimpedanzen zusammenkommen. Natürlich habe ich das sofort ausprobiert, brachte Nummer 50 allerdings mit den mir zur Verfügung stehen- den Lautsprechern (Spendor, Chario, B&W 804) nicht zum Schweigen. Vielleicht war Nummer 50 schon im roten Bereich!? Da die Endstufe laut Hersteller bis zum Einsetzen der Schutzschaltung „sauber nach oben“ spielt und keine Ermüdungserscheinungen zeigt, weiß ich das nicht. Bei mir klang es jedenfalls zu jeder Zeit souverän und flüssig. Und ich höre in meinen gut bedämpften 30 Quadratmetern durchaus nicht zu leise.
Ach ja, das Musicbook 50 schaltet sich bei eingehenden Signalen selbst an und nach respektabler Wartezeit ohne Musik auch wieder in den Ruhe- zustand. Mir persönlich behagt ja ein Knopf mehr, aber das ist letztlich Geschmackssache.

               

 

 

 

 

 

Flink und voll
Und schon bin ich mittendrin im eigentlichen Hören. In den ersten Tagen entstehen keine Notizen, weil die Musicbooks derart locker und freundlich spielen, dass man das kritische Hören durchaus vergessen kann. Norbert Lindemann weiß von ähnlichen Erleb-nissen zu berichten. Seinen großen Verstärkern attestiert er ein Mehr an Autorität und Hubraum, zugleich kann er sich aber auch vorstellen, dass die flinke und involvierende Gangart der neuen Serie so manchem Hörer noch besser gefällt.
Das unterschreibe ich, denn meine an sich eher zurückhaltend auftretenden Spendors gehen mit den Musicbooks eine kongeniale Partnerschaft ein und strafen alle Vorurteile bezüglich ihrer weichen Membranen Lügen. Witzig und spritzig geht es zur Sache, flink saust die kleine Britin um die Ecken. Außerdem – und das ist jetzt wirklich etwas Besonderes – kombiniert sie diese Quirligkeit mit einem für sie eher unüblichen Fundament. Einen solchen Nachdruck im Bass habe ich bei ihr schon zuvor erlebt, jedoch meist an großen Endstufen, mit denen es dann aber nicht mehr so schön locker klang. Diese Verschmelzung beider Fähigkeiten ist mir an den Spendors in diesem Maße neu, weshalb ich an dieser Stelle eine ausdrückliche Empfehlung aussprechen möchte: Gönnen Sie den Musicbooks preislich passende Lautsprecher von Spendor, Harbeth (P3ESR oder Super HL5) oder Dynaudio (Focus 260), und schon steht in Ihrem Wohnzimmer eine Anlage, die klanglich nicht so leicht zu toppen sein dürfte. Optisch sowieso nicht.
CD-Player wie Streamer spielen wunderbar detailliert und doch ohne jegliche Härten. Dabei agieren sie schön flüssig und scheinen bei dem Weg durch gleich welche Partitur den musikalischen roten Faden fest im Blick zu behalten. Das Laufwerk klingt dabei etwas substanzieller und griffiger als der Streamer, dafür verursacht es leichte Laufgeräusche, die allerdings – wenn ich ehrlich bin – nur bei sehr leiser Musik noch eben vernehmbar sind.
Die räumliche Abbildung ist so oder so bestens: Das musikalische Bild wird üppig breit und tief, dabei auch zu einem deutlichen Teil vor der Lautsprecherebene entworfen.
Auf der neusten Winter-&-Winter-Produktion von Aarón Zapico und seiner Mannschaft, einer kruden Mischung aus Arrangements bekannter Opernmusiken für ein kleines historisches Ensemble, steht bei Händels Lascia ch´io pianga der solierende Zink sehr prominent im Zimmer, wird dem Hörer ein genauer Blick auf Mundstück und Fingerarbeit gewährt. Bei den Lauten lässt sich eine weitere klangliche Tendenz erkennen: Manche anderen Verstärker klingen hier „sehniger“ und stellen die Saitengeräusche mehr in den Vordergrund, während die Musicbooks mehr den Korpus betonen. Dass dies auch auf das Konto der Vorstufe geht, wird mir klar, als ich die kleine iPhono an einen der Analogeingänge hänge.

               

 

 

 

 

 

Dabei sein ist alles
Hin und wieder ist eine Sünde nötig. So kam es, dass vor einer Weile die erstklassige Mosaic- Pressung von John Coltranes Sun Ship Sessions die häusliche Finanzkontrolle passieren konnte. Ein musikalischer und klanglicher Traum, der von den Musicbooks ungemein lebendig und nuanciert in den Raum gestellt wird. Wieder stehen die Protagonisten ein wenig vor den Lautsprechern, kommen auf den Hörer zu und schaffen auf diese Weise eine knisternde Atmosphäre des „Dabeiseins“. Highender, die es lieber abgeklärter mögen und die Distanz zum Geschehen suchen, kommen hier weniger auf ihre Kosten. Den großen Hammer können die kleinen Lindemänner auch auspacken, wie sie bei Josef Keilberths Deutung von Wagners Götterdämmerung (Testament LPs) eindrucksvoll unter Beweis stellen. In der Rückschau fallen mir nur wenige Verstärker ein, die den kleinen Spendors in „Siegfrieds Trauermarsch“ den Pauken so viel Kraft und Volumen entlockt haben: der monströse KW-Vollverstärker von Musical Fidelity wohl, dann noch eine der wundervollen Class-A-Endstufen von Pass – das war’s dann aber auch schon. Kompliment. Da verzeihe ich die bereits erwähnte minimale Verrundung doch leicht. In der Summe haben wir hier also eine elegante und musikalisch höchst kompetente Anlage stehen, die sowohl Preis als auch Größe Lügen straft. Nach meinem Dafürhalten sind dies die ersten kleinen „lifestylig“ aussehenden Komponenten, mit denen ich ohne einen Anflug von Reue alt werden könnte, denn sie haben mich beim Hören so oft die Technik vergessen lassen wie kein anderes „Designprodukt“ vor ihnen. Und wie nur ganz wenige „ausgewachsene“ Anlagen überhaupt.

www.lindemann-audio.de

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