Artist:
Earth

Title:
The Bees Made Honey In The Lion’s Skull

Label Format:
Soulfood Music, CD (2008)

1.
Huch, was ist DAS denn?

Das? Ist unglaublich langsam, irrwitzig „groß“ und suuuperschweeerer Neuzeit-Stoff. Das Genre, dieser spezielle Stil war mir zuvor völlig unbekannt. Ein Freund, den ich nach Jahren wiedertraf, hat mich darauf gestoßen. Der Stil nennt sich Drone Doom und ist ein „extremes Subgenre des Doom Metal“. Behauptet zumindest Wikipedia.

2.
Worum geht es bei Doom Metal, insbesondere bei Drone Doom?

Um extrem langsame Tempi. Um extrem dröhnende, wummernde, tief gestimmte Gitarren. Um endlose Wiederholungen des scheinbar gleichen Musters. Um fette Bässe und quadratkilometergroße Soundflächen. Und: Gesungen wird eher nicht. Nein, auch nicht gekreischt, gebrüllt, gehasst oder gebölkt. Das hier ist ein Instrumentalalbum. Eines der anderen Art.

3.
Genau das richtige Zeugs also, wenn man mal wieder „dicht“ ist, oder?

Kann sein. Aber woher soll ich das als Nichtraucher, Nichtkiffer, Nichtsäufer wissen. Schokolade oder Kaffee vertieft hier überhaupt nix, zwei, drei Single Malts auch nicht. Was hingegen sehr wohl hilft: sich drauf einlassen, sich Zeit nehmen, ein irgendwie grundsätzliches Verständnis für Drone Doom zu entwickeln. Außerdem eine basspotente Anlage, ein kräftiger Verstärker und die persönliche Bereitschaft, sich von mächtigen Klangflächen einfach mal so richtig durchschütteln zu lassen. Familie unterwegs? Nachbarn im Urlaub? Oder der Hörraum im Abseits? Dann ist alles gut.

4.
Meditative Musik?

Durchaus. Trotz maximaler Verzerrungen und minimaler Variation bekomme ich keine schlechte Laune, sondern schwebe auf diesen tonnenschweren Baggerbeats im Schneckentempo durch Zeit und Raum – und fühle mich hinterher gut. Immer. Motto: Erst einschalten (die Anlage), dann abschalten (den Geist) und die tieffrequenten Wellen wabern lassen.

5.
Wird das nicht irgendwann langweilig?

Ja, kann schon sein.

6.
Warum singt da eigentlich keiner?

Hhm. Damit ich meine gute Laune behalte? Ich kann mir kaum nicht vorstellen, dass es zu derart langsamen Tempi irgendeine Vokalbegleitung gibt, die NICHT nervt. Oder irgendwie in Richtung Dead Can Dance abbiegt. Die natürlich vollkommen anders gelagert sind.

7.
Schläft der Drummer gleich ein?

Zunächst mal: Da sitzt eine gewisse Adrienne Davis am Schlagzeug. Und Einschlafen tut die ganz bestimmt nicht. Die muss topfit sein. Und ihre Mitstreiter auch. Denn es gibt kaum etwas Schwierigeres in der populären Musik, als gemeinsam gaaaanz langsam zu spielen. Daher meine Hochachtung.

8.
Earth – ohne Wind & Fire?

Absolut. Von Funk, Soul oder Rhythm & Blues ist diese Band soweit entfernt wie die Amigos – nur von der ganz anderen Seite. Und auch mit Manfred Mann’s Earth Band hat das alles nicht das geringste zu tun.

9.
Nur sieben Titel in 53 Minuten?

Na und? Bis so eine massive, tausend Tonnen schwere Soundwolke von Earth mal in Gang gekommen ist, hätte der junge Elvis schon zwei, drei Hits hintereinander durchgezogen. Zum Ausgleich halten sich einige der schwermütigen, langsamen Earth-Melodien genauso gut im Gehörgang. Na ja, die hatten ja auch genug Zeit, sich auszubreiten und einzunisten.

10.
Bill Frisell ist auch dabei?

Ja, auf drei Tracks. Guter Mann.

11.
Was lege ich auf, wenn die Scheibe durch ist?

Nichts. Ich gehe -irgendwie erleichtert – an die frische Luft, drehe eine Runde um den Block und freue mich, dass es gerade mal nicht regnet. Erst wieder zu Hause angekommen, bemerke ich, dass es stockduster ist.

12.
Wie klingt’s?

Sowasvonfett! Absolut riesengroß und mächtig. Mit ’nem merkwürdig „eingebauten“, zurückhaltenden Drumsound. Insgesamt ideal zum akustischen Durchpusten des Raumes. Und zum Aufdienervengehen für alle, die’s nicht so mit dem Drone Doom haben.

13:
Kürzester und längster Titel?

„Rise To Glory“ ist hier fast schon Fast Food für die Ohren: nicht mal sechs Minuten lang. Dafür geht „Omens And Portents I: The Driver“ mit mehr als neun Minuten über die Ziellinie. Die restliche Handvoll liegt dazwischen.

14.
Gibt es Lichtblicke in der tiefsten Düsternis der Klangwüste?

Gibt es. Sagt zumindest der Freund, der auch andere Alben der Band kennt. Und hört. Werde ihn gelegentlich nach mehr Drone Doom fragen.

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