Artist:
OK Star Orchestra

Title:
The Beat And The Melody

Label; Format
Rootsy (Applied Acoustics); CD (2011)

1.
Auf welchem Track ist Ry Cooder zu hören?

Auf keinem einzigen. Obwohl sein Gitarrenspiel ganz wunderbar zu diesem Album gepasst hätte. Möglicherweise sogar sein Gesang.

2.
Warum?

Weil sich die Musik auf The Beat And The Melody derart entspannt, melodiös und doch fest im rhythmischen Bandgefüge bewegt, dass sicher auch noch Platz für Herrn Cooder gewesen wäre. Allein, diese Scheibe braucht überhaupt keine prominente Unterstützung, um einfach gut, einfach schön, einfach faszinierend multikultimusikalisch aus den Lautsprechern zu perlen. Allein diese geschmackvollen Lapsteel-Guitars, diese karibisch bis südamerikanisch, mitunter auch afrikanisch anmutenden Grooves, diese völlig relaxten Einwürfe von diversen Blas-, Schlag- und Zupfinstrumenten. Und auf „N’wama Ikhon Ma“ ist die souveräne Stimme eines gewissen Hassan Bah zu hören, der so klingt, als hätte er bereits  etliche Jahrzehnte Bühnen- und Partyerfahrung auf dem Buckel. Ansonsten bleibt das Album instrumental. Und ohne jeden Jazzverdacht.

3.
Eine Scheibe zum Träumen also?

Auf jeden Fall! Aber eben nicht zum Einnicken oder sanften Wegschlummern, sondern vielmehr zum Sich-an-den-schönsten-Strand-der-Welt-träumen.

4.
Schon den richtigen Cocktail bestellt?

Den gibt’s nachher, beim dritten und vierten Durchlauf. Erst einmal tut’s auch ein kleines kühles Bier. Passt übrigens sehr gut zu diesem bluesigen Südstaaten-Drive, den ich hier und da entdecke.

5.
Ääh, kommt das Ensemble denn nicht aus Schweden?

Ja. Es muss aber nicht unbedingt ein schwedischer Strand sein – wenn es das ist, was du meinst.

6.
Nö, ich hätte nur gern gewusst, ob es auf der Scheibe eine typisch schwedische Klangsignatur zu entdecken gibt?

Ich finde, das Album wirkt irgendwie weltumspannend, in seiner Vielfalt äußerst unterhaltsam und – wenn ich mich für einen Ort entscheiden müsste – eher nach New York. Nur nicht so hart. Überhaupt New York: Wo ist eigentlich die Bahamat  von Hazmat Modine?
Zurück zum Schweden-Aroma. Wer hier glockenklare Frauenstimmen, ABBA oder die Cardigans oder auch nur eine winzige Spur der eisenharten Skandinavienfraktion von der Metal-Front erwartet, liegt vollkommen daneben. Aber sowas von! Das hier ist herzerwärmende, Wohlfühlmusik mit ’nem funky Twist.

7.
Verzerrte Gitarren?

Ja, aber nur ein kleines bisschen und extrem geschmackvoll eingesetzt, mit einem Sound, der keinesfalls weh, sondern richtig gut tut. Zum Beispiel auf „The Fonky Swede“. Dieser Titel erinnert mich in seiner Grundstimmung übrigens ein wenig an „Common Disaster“ von den Cowboy Junkies, das ich ja auch von Herzen liebe. „The Fonky Swede“ ist allerdings derart groovy, dass ich mehrfach den Abhörpegel anhebe. Und nicht wieder runterdrehe. Dieser Titel ist in der Tat echt „fonky“, mit subtilem Killergroove, durchsetzt von besagten Schnuckelgitarrenlicks.

8.
Fade Out?

Ja, aber in einem Fall sogar (fast) passend: „That Lucky Old Son“ ist der letzte Track auf der Scheibe und erinnert mit dem ganzen Gebläse und dem langsamen Tempo an eine Brassband, die in New Orleans einen Trauerzug durch die Straßen begleitet. Das habe ich zumindest so abgespeichert; ich war noch nicht in New Orleans, kann mich da eigentlich nur auf eine Szene in einem  James-Bond-Streifen berufen … Wie auch immer – so wirkt der Titel auf mich: Das OK Star Orchestra kommt heranmarschiert, schreitet vorüber und verschwindet nach ein paar Minuten in einer Seitenstraße, der Klang wird leiser und leiser – in diesem Fall ist das Ausblenden schon irgendwie okay. Die Scheibe hat ja auch nicht einmal 40 Minuten Spieldauer.

9.
Und dann?

Dann starte ich die Scheibe einfach nochmal, weil sie Spaß macht, offenbar jede Menge interessanter Details zu bieten hat und mir grundsätzlich gute Laune einpflanzt. The Beat And The Melody hat sich bereits jetzt dauerhaft als „echt gut“ in meinem Langzeitgedächtnis eingepeichert. Wird besser mit jedem Hören. Und skippen tu’ ich auch nicht – was immer ein gutes Zeichen ist.

10.
Vielleicht noch ein Wort zum Klang?

Die Produktion ist ganz bestimmt keine Offenbarung im audiophilen Sinne, wird der schönen, vielfältigen Musik – und den vielen, vielen Beteiligten – sehr wohl gerecht. Es „passt“ also. Gelegentlich tunkt der Bass in die Doppelrahmstufe ein, überhaupt wird ganz schön komprimiert und soundgewürfelt, trotzdem nervt der Klang von „The Beat And The Melody“ nie (wirklich). Letztlich ist’s definitiv die Musik, die mich hier fasziniert. Den Klang des Albums empfinde ich als ungekünstelt, warm timbriert und live-ähnlich. Gefällt mir!

11.
Warum gefällt Dir die Scheibe denn erst jetzt? „The Beat And The Melody“ wurde doch schon vor ein paar Jahren veröffentlicht?

Weil der Stapel an noch nicht gehörter Musik auf meinem Schreibtisch nicht gerade klein ist, gelegentlich auch mal umziehen muss und dabei in einer kleinen Kiste vorübergehend verschwinden kann. Aber auch, weil mich das Vorgängeralbum „Sound Classique“ – ehrlich gesagt – nicht umgehauen hatte. Aber das knöpfe ich mir jetzt vielleicht noch mal vor. Wenn ich’s wiederfinde.

12.
OK – die Band kommt aus Schweden. Und was meint ein Schwede zu dieser Scheibe?

Guxdu: http://www.rootsy.nu/recension.php?id=1802

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