Rundgang mit Steffen Zilles

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Auf der diesjährigen HighEnd wurde wieder einmal fast alles geboten, was die Welt der Musikreproduktion derzeit hergibt, aber die musikalisch bewegenden Momente waren leider rar gesät.
Wer braucht eigentlich einen Verstärker, der 1,5 Tonnen wiegt, 2,5 Meter groß ist und 160000 Watt leistet? Weshalb waren gefühlt schon wieder Lautsprecher für einen sechsstelligen Gegenwert eher die Regel als die Ausnahme? Warum oszillierte die Musikauswahl meistens zwischen altbekanntem, stinklangweiligem Gedudel und toll aufgenommenen, aber relativ sinnfreien Geräuschansammlungen?
Offensichtlich ging es auf dieser Messe in erster Linie nicht um Musik. Kopfschüttelnd verließ ich zum Beispiel am Ende einen Raum, in dem seltsamerweise nur noch die vorderste Stuhlreihe frei war, als ich ihn betrat. Kaum hatte ich mich dort hingesetzt, forderte mich der Aussteller auf, meinen Platz zu verlassen. Ich sollte warten, bis die – scheinbar sehr wichtigen – Herren hinter mir ungestört fertiggehört hatten. Das fand ich zwar reichlich seltsam, aber da ich ohnehin noch Fotos machen wollte, griff ich zur Kamera und schickte mich an, die imposanten Monoendstufen von Audio Power Labs mit ihren riesigen 833er-Leistungsröhren aus der Nähe zu fotografieren. Aber selbst meine kurze Präsenz zwischen den Lautsprechern von Vivid Audio duldete der Vorführer – beziehungsweise die sehr wichtigen Herren – nicht und schickte mich erneut nach hinten. Mein Tipp: Nächstes Jahr bitte gleich ein „Zutritt verboten“-Schild an der Tür anbringen und den Anlagen in den angrenzenden Zimmern den Strom abdrehen. Ist ja schließlich eine Messe, da will man halt seine Ruhe haben, gell?
Die wirklich musikbegeisterten Aussteller und Besucher, die sich auf die HighEnd verirren, erkennet man dagegen zweifelsfrei an ihrer völlig unverkrampften Einstellung und daran, dass die Musik um ihrer selbst willen läuft. Wenn darüberhinaus eine Anlage so untechnisch klingt wie das kleinere System beim Vertrieb Bemax Audio, hat man so etwas wie die Nadel im Heuhaufen gefunden. Ich hatte große Mühe zu glauben, dass der unfassbar großformatige und energetische Klang, den ich hörte, aus den nur etwa einen Meter hohen Zwei-Wege-Boxen von Living Voice kam. Nur ganz, ganz selten sind mir bislang Lautsprecher begegnet, die ihre relative Kleinheit derart zu leugnen imstande waren. Sicher, die vorgeschaltete Kondo-Kette samt aufwendiger Batterie-Stromversorgung klingt wohl an keiner Box schlecht, aber wenn die Musik so entfesselt wird wie hier, muss alles auf höchstem Niveau spielen. Im Vergleich mit dieser Traumkette klang es fast überall sonst nur nach – tja: HiFi.
Auf der kleinen Parallelmesse Hifideluxe war im Gegensatz zur wieder sehr gut besuchten HighEnd ziemlich tote Hose, selbst am Samstagnachmittag. Allerdings gab es auch hier einige musikalische Lichtblicke, die den Abstecher rechtfertigten; allen voran Audioplan mit einer großen Jadis-Kette an Thomas Kühns Top-Box. Kräftige Raumresonanzen im Tieftonbereich ließen zwar den Bass versumpfen, doch das hielt die französische Röhrenelektronik kaum davon ab, ihren gewohnten Zauber zu entfalten. Leider bewegen wir uns ähnlich wie bei Kondo auch hier schnell in sechsstelligen Preisregionen.
Aber auch für deutlich kleinere Münze sind Aha-Erlebnisse möglich. Zum Beispiel mit den Prototypen der neuen Lausprecher der Lavardin-Tocherfirma Lecontoure: Die ab etwa 3000 Euro pro Paar erhältliche Zylinderförmige stand direkt vor der Rückwand, verhöhnte deren Existenz akustisch aber beinahe ebenso vollständig wie die Living Voice ihr Volumen. Wie das Kunststück technisch erreicht wird, darüber schwieg sich der Entwickler Jean-Christophe Crozel aus, betonte aber wiederholt die große Wichtigkeit von perfekter Phasentreue.
Hochinteressant ist zweifellos auch die neue kleine „musicbook“-Serie von Norbert Lindemann. Die hübschen, perfekt verarbeiteten und vergleichsweise preisgünstigen kleinen Geräte sind vollgestopft mit allerneuester (Digital-)Technik und kommen mit einer eigenen App für die Steuerung daher. Eine Class-D-Endstufe im gleichen Gehäuse hatte die kompakten BL-10 wunderbar im Griff, ohne die geringsten Härten oder Aufdringlichkeiten zu produzieren.
Apropos Class-D: So langsam werden die Schaltverstärker zu einer absolut ernstzunehmenden Konkurrenz für die etablierten Hersteller, preislich wie klanglich. Bruno Putzey’s neue Mola Mola-Verstärker sind zwar kaum weniger kostspielig als andere Boliden, aber die neuen Devialets (ab 5000 Euro) werden sicher noch von sich reden machen. Das ist auch den außergewöhnlichen Verstärkern von NuForce zu wünschen, die mich zuhause bereits seit einigen Monaten in Staunen versetzen, auf der HighEnd jedoch nicht zu hören, sondern nur zu sehen waren.

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