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Interview HIGHRESAUDIO

FIDELITY im Interview mit Lothar Kerestedjan von HIGHRESAUDIO

Lothar Kerestedjian kennt nicht nur die Musikszene aus dem Effeff, er hat auch ein Faible für High-End- Audio. Einst war er Manager der Rockband INXS, später betreute er internationale Elektronikkonzerne bei wichtigen technischen Entwicklungen. Der ausgewiesene Digitaltechnikkenner, Schallplattenliebhaber und Hobbydrummer, Jahrgang 1962, ist vor allem ein rastloser Verfechter erstklassiger Klangqualität. 2011 gründete Lothar Kerestedjian zusammen mit seinem Bruder Frank die Firma HighResAudio. Das zweisprachige Webportal bietet hochauflösende Musikdateien zum Download, quer durch alle Genres. FIDELITY sprach mit Lothar Kerestedjian auf der HighEnd Swiss in Zürich.

FIDELITY: Herr Kerestedjian, Ihre Plattform High- ResAudio stellt immer mehr Musiktitel in HD-Qualität zur Verfügung. Das begrüßen wir natürlich. Warum aber kostet ein HD-Album, das übers Netz direkt auf die Festplatte geladen wird und ohne physischen Tonträger auskommt, praktisch genauso viel wie die gute alte Silberscheibe?

Lothar Kerestedjian: Den meisten Leuten ist überhaupt nicht klar, dass eine ordentliche Aufbereitung von HD-Dateien unglaublich viel Zeit kostet und eine Menge Top-Equipment erfordert, außerdem natürlich ein paar Fachleute, die sich für herausragende Qualität engagieren. Auch die ganzen Vorbereitungen, um überhaupt an gewünschte Titel heranzukommen, sind häufig sehr aufwendig. Das ahnt ja kaum jemand.

Wo genau liegt denn das Problem, bereits digitalisierte Tracks im Netz bereitzustellen?

Wir akzeptieren ausschließlich hochauflösendes Musikmaterial, also 24-Bit-Dateien mit möglichst hoher Samplefrequenz. Und jeder einzelne Titel wird vor einer Veröffentlichung bei HighResAudio genauestens geprüft, ob er auch technisch unseren hohen Qualitätsansprüchen genügt. Dafür ist auch mein Bruder Frank zuständig, ein gelernter Toningenieur und absoluter Vollblicker. Wir prüfen übrigens auch, ob das von den
Musiklabels zur Verfügung gestellte Ausgangsmaterial genug Potenzial hat, bereits veröffentlichte Tonträger, also CD oder LP, klanglich zu übertreffen.

Worauf achten Sie hierbei ganz besonders?

Die Dynamik einer Aufnahme darf beispielsweise nicht zu flach sein, die muss einfach „stimmen“ – da bin ich als ehemaliger Schlagzeuger schon ziemlich verwöhnt. Überhaupt sind Nachbearbeitungen und Verfälschungen des Urmaterials für uns tabu – auch da fährt HighResAudio eine strenge Qualitätskontrolle. Darüber hinaus bieten wir unseren Kunden noch eine ganze Menge Zusatzinformationen zu den Künstlern und ihren Werken. Diese Infos müssen wir oft selbst organisieren und dann auch „per Handarbeit“ einpflegen. Das alles ist wie gesagt sehr aufwendig und lässt sich nicht einfach nebenbei erledigen.

Wer hütet eigentlich in der Regel die originalen Klangschätze, die Masterbänder oder -dateien?

Selbst das müssen wir oft genug erst einmal selbst ermitteln. Häufig schreibe ich zuerst die betreffenden
Künstler direkt an, die das doch eigentlich wissen sollten. Doch von einem Phil Collins oder Bryan Ferry bekommt man keine Antwort – von Mark Knopfler aber schon (grinst) … Wie auch immer, meist sind es dann doch die Studios, die über die Original-„Bänder“ oder die Original-Dateien wachen.

Und wenn diese Frage geklärt und eine grundsätzliche Freigabe für HighResAudio in Sicht ist …

… heißt das noch lange nicht, dass wir die hochauflösenden Tracks auch weltweit anbieten dürfen. Das würde aus rein technischer Sicht via Internet ja problemlos funktionieren. Doch die Veröffentlichungsrechte sind längst nicht immer klar geregelt. Vor allem bei den großen US-Labels sind die rechtlichen Verhältnisse, was Europa betrifft, häufig nicht eindeutig geklärt. Das ist bisweilen nicht nur irritierend, das kostet auch Zeit und Nerven und letztlich Geld. Aber immerhin: Rund zwei Drittel des HiResAudio-Angebots dürfen wir weltweit anbieten.

Viele haben noch keine Erfahrungen mit HD-Musik aus dem Netz. Was tun Sie, um das zu ändern?

Wir machen den Zugang zu echtem HD-Klang so bequem wie möglich. Und wir verstehen HighResAudio auch als Technologieplattform. Hier sollen Hardware- Hersteller und interessierte Privatleute die jeweils neuesten Digitalentwicklungen in der Praxis ausprobieren können. Nicht umsonst betreiben wir in Berlin einen äußerst leistungsstarken Server, der auch nicht ganz zufällig an einer versorgungstechnisch günstigen Stelle positioniert ist. Der Umgang mit der HighResAudio- Website funktioniert dadurch immer mit maximaler Geschwindigkeit – so schnell, wie es der Anschluss des Kunden erlaubt. Übrigens stöbert gut 30 Prozent unserer Kundschaft per iPad auf dem Sofa in unserem Angebot. Und unsere Website erkennt solche mobilen Browser, sie stellt sich automatisch und optimal darauf ein. Außerdem kommen jetzt die ersten HiFi-Komponenten auf den Markt, in deren App zur Steuerung bereits ein HighResAudio-Button integriert ist, etwa von NAD. Das ist dann noch bequemer!

Was treibt Sie persönlich an, sich für den besten Klang derart ins Zeug zu legen?

Nun, ich gehöre wohl selbst zur Zielgruppe von HighResAudio. Ich war schon immer von gutem Klang fasziniert, und wenn es eine Möglichkeit gab, von einem interessanten Album eine noch besser klingende Version zu bekommen, dann wollte ich die auch immer haben. Mit HighResAudio kann ich das Erlebnis des Besseren jetzt auch anderen Musikfans bieten. Auch geht es mir darum, der Industrie zu zeigen, dass man schon ein bisschen über den Tellerrand schauen muss, wenn man etwas Neues entdecken, etwas bewegen will. Und die Zielgruppe, die ich meine, ist nicht so klein, wie manche glauben machen wollen. Audiophile gibt’s genug, man muss sie nur richtig „ansprechen“.

Noch einmal zurück zu meiner Eingangsfrage: Muss ein HD-Download tatsächlich so viel kosten wie eine normale CD?

Ja – und nicht nur, weil HD-Downloads besser klingen. HighResAudio ist ein kommerzielles Unternehmen, Teil einer Wertschöpfungskette, also muss es auch ein bisschen Geld verdienen. Außerdem ist unser Qualitätsanspruch und der Aufwand von der Vorbereitung bis zur Bereitstellung zum Download immens. Und wenn ich dann das klangliche Ergebnis mit SACDs, Gold-CDs oder XRCDs vergleiche, dann finde ich unsere Studiomaster-Qualität sogar richtig günstig!

Was und womit hört ein Lothar Kerestedjian zu Hause, so ganz privat?

In meinem Hörzimmer steht viel Profi-Equipment von Antilope, Zodiac oder Mitec, aber auch ein DAC 202 von Weiss. Als alter Analog-Fan läuft bei mir natürlich auch noch ein ordentlicher Plattenspieler, ein Linn LP12. Abgehört wird über ein Pärchen Audiodata Petite (die Sondermodelle aus der Jubiläumsserie), angesteuert von großen Röhrenmonos und der passenden Vorstufe von Octave. Was ich privat höre? Am liebsten Lead-Gitarristen wie Lee Ritenour, Larry Carlton oder Robben Ford – da geht mir echt das Herz auf!

Herr Kerestedjian, vielen Dank für das Gespräch.

Gerne – es war mir ein Vergnügen.

 

www.highresaudio.com

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